Pirmasens Ehrlicher Typ gibt gern mal die „falsche Neun“
«PIRMASENS.» Die Reise nach Rheinhessen war zum Haareraufen: Auf die 0:5-Packung mit dem FK Pirmasens II in der Fußball-Verbandsliga bei Aufsteiger Gau-Odernheim vor Wochenfrist blickt Yasin Özcelik nicht so gern zurück. Heute fährt der Stürmer mit ins Rhein-Main-Zentrum – und hofft auf einen Einsatz im Regionalliga-Team, das beim FSV Frankfurt gastiert. Spielt er heute nicht, so ist der zweimalige Verbandsliga-Torschützenkönig gesetzt beim FKP II, der morgen (15 Uhr) im Stadion Husterhöhe den SV Gonsenheim empfängt.
Damit aber hat der 32-Jährige kein Problem: „Es läuft ja so gut bei der Ersten, da gibt es im Moment halt keinen Grund, etwas zu verändern. Ich kann mich ja nur mit guten Leistungen in der Zweiten empfehlen.“ Özcelik weiß nur zu gut, dass er und einige andere Spieler aus dem zweiten Glied wie der heute heiratende, daher weder für FKP I noch für FKP II zur Verfügung stehende Heraldo Jorrin zurzeit nur hoffen, aber eben nicht ernsthaft mit einem Stammplatz „oben“ rechnen können. Der Kandeler weiß es noch eine Spur besser, weil ihm im letzten Abschnitt seiner Fußballer-Karriere mit Sicherheit eins nicht fehlt: Erfahrung. Und zum zweiten: Er selbst hat schon mit 25 einen Trainerposten angetreten. Mithin ist ihm auch die Perspektive eines Trainers nicht fremd. Cheftrainer Peter Tretter hatte schon vorgestern angekündigt, dass Özcelik zum Kader fürs Regionalligaspiel in Frankfurt zählen wird. Den Platz auf der Bank nimmt der Offensivmann gerne ein. Im Juli ist er nach Pirmasens gekommen, nachdem er eine Warteschleife auf einem Nebengleis gedreht hat. Nach dem Abschied vom FC Bienwald Kandel hatte Özcelik schon zur Winterpause auf der Husterhöhe anheuern wollen. „Es war vorgesehen, dass ich dem Team im Verbandsliga-Abstiegskampf helfe“, blickt der Angestellte eines Autohauses zurück. Der Plan aber ging nicht auf. Sein Ex-Klub habe ihm einen Strich durch die Rechnung gemacht, die Freigabe verweigert, erklärt er im Gespräch. Neun Tore hatte er bis zu seinem Rücktritt erzielt. Dass fortan Özcelik-Treffer ausblieben, mag eine wesentliche Rolle gespielt haben, als der FC in der Endabrechnung zwei Zähler hinterm FKP II landete – und sich in der Landesliga Ost wiederfand. Ein böses Erwachen. Zu Beginn der Vorsaison war er Spielertrainer in Kandel geworden. Die Vereinsführung träumte plötzlich von der Oberliga. Es kam zum offenen Knatsch. Özcelik will darüber nicht mehr sprechen. Dass da noch ein Stachel sitzt, ist jedoch spürbar. „Abgehakt“, sagt der in seiner Heimatstadt Kandel wohnende Fußballer, der sich als „ehrlichen Typ“ charakterisiert, auf dem Platz gerne die „falsche Neun“ gibt. „Ich sehe mich eigentlich nicht als Außenstürmer. Ich komme lieber durch die Mitte.“ Und wie sehr mit ihm als torgefährlichem Offensivakteur zu rechnen ist, das möchte Özcelik – im wahrsten Sinne des Wortes – lieber heute als morgen beweisen.