Pirmasens
DLRG bietet mehr Schwimmkurse an, weil immer weniger Kinder schwimmen können
Nicht nur in Nord- und Ostsee ertrinken regelmäßig Menschen, sondern auch in der Südwestpfalz, weiß Ralf Seidenschnur, der Vorsitzende der DLRG Pirmasens. Alle zwei bis drei Jahre gebe es hier eine vermisste Person. Daher seine Warnung: „Achtet auf eure Kinder.“ Nicht nur das Meer, Flüsse oder Badeseen bergen Gefahren, sondern auch ein Schwimmbad oder der heimische Pool. Seidenschnur empfiehlt, dass ein Kind mit spätestens sechs Jahren schwimmen können sollte. Schwimmabzeichen seien hier sinnvoll, meint er: Einerseits seien Schwimmabzeichen ein Anreiz für Kinder, andererseits wüssten Eltern, dass ihr Kind mit einem Freischwimmer- oder Jugendschwimmabzeichen sich nicht nur über Wasser halten könne, sondern ein sicherer Schwimmer sei. Beim Freischwimmer zum Beispiel muss der Anwärter unter anderem kopfwärts vom Beckenrand ins Wasser springen und 15 Minuten lang schwimmen können. Auch nach einem Tauchring tauchen und diesen an die Wasseroberfläche heraufholen, gehöre zu Anforderungen. Das Abzeichen korrespondiere mit dem Deutschen Schwimmabzeichen Bronze der DLRG.
Leider würden viele Kinder heute gar nicht mehr schwimmen können, erzählt der 37-Jährige. Das sei eine deutschland- und sogar europaweite Tendenz. Und die sei durch die Corona-Pandemie weiter verschärft worden. Diesem Defizit will die DLRG in Pirmasens mit zehn Schwimmkursen pro Woche entgegenwirken. „Allerdings nicht im Plub, sondern in Schulschwimmbädern, die dafür angemietet wurden“, informiert Seidenschnur. Dadurch würde die Ausbildung leichter, erklärt er. Die Gruppe von zehn bis zwölf Kindern im Alter von fünf bis sechs Jahren seien nicht durch das Drumherum abgelenkt, beispielsweise von der Rutsche im Plub. Auch mit dem Umziehen sei es angenehmer, weil die Eltern ihren Kindern helfen könnten.
Kinder überschätzen sich
Vor einigen Jahren habe es auch Schwimmkurse für kleinere Kinder gegeben. „Davon sind wir abgekommen“, erzählt der DLRG-Vorsitzende. Eine Wassergewöhnung für Babys sei sinnvoll, betont Seidenschnur, aber einem vierjährigen Kind könne man unmöglich sagen, dass es die Arme nach vorne machen soll und das zehn Minuten lang: „Die sind noch zu verspielt.“
Auch beim Planschen sollten die Eltern einen Blick auf ihre Kinder haben, denn viele würden sich überschätzen. „Wenn ein Kind spielen will, denkt es, dass es alles kann – trotz Müdigkeit und blauer Lippen“, erzählt er. Im Schwimmbad habe man zwar den Schwimmmeister, aber auch mit einer gelösten Eintrittskarte für ein Schwimmbad bleibe die Verantwortung für Kinder bei den Eltern. Ein Schwimmbad sei kein Kindergarten. Weil er selbst jahrelang Aufsicht im Plub und im Zweibrücker Schwimmbad gemacht hat, weiß er, dass es immer wieder Kinder gebe, die als Nichtschwimmer ohne Schwimmärmel herumrennen. Fällt eines davon ins tiefe Becken, müssten er oder seine Kollegen die Kleinen rausholen. Wenn sie nahe genug am Beckenrand sind, reiche es oft, ihnen eine Schwimmnudel hinzuwerfen. Aber er warnt: Eine Schwimmnudel sei schön zum Spielen, aber kein Auftriebsmittel. Einen Nichtschwimmer könne man so nicht alleine ins Wasser lassen.
Gefahren im Meer und in Flüssen
Der große Vorteil im Hallen- oder Freibad sei, dass man auf den Boden gucken könne, erklärt er. So sehe man, wenn ein Kind unter Wasser ist. Im See, in Flüssen oder im Meer sei das nicht möglich, ein befestigter Untergrund fehle auch. Kleine Fische und Algen würden das Schwimmen im Badesee zur Herausforderung machen, erläutert Seidenschnur. Gerade kleine Kinder würden durch die unerwartete Berührung in Panik geraten, Wasser schlucken und sich verfangen. Da sei es angemessen, reagieren zu können, sich auf den Rücken zu legen zum Beispiel. Im Volksmund heiße das „Toter Mann“.
In der Nord- oder Ostsee sei die Gefahr wegen der Strömungen allerdings noch größer, weil ein Sog einen Schwimmer unter Wasser ziehen könne. Ebbe und Flut würden diesen Effekt verstärken, erzählt Seidenschnur, der jahrelang Wachdienste an Nord- und Ostsee schob. Gefahren lauern auch an Flüssen wegen der Schifffahrt und der Buhnen. Das seien Wellenbrecher, die ins Wasser reichen, erklärt der hauptberufliche Feuerwehrmann. Die Strömung im Fluss könne einen Schwimmer mit sich ziehen und sei für ungeübte Schwimmer richtig gefährlich. Selbst der heimische Pool bietet Gefahren, wenn das Kind in einem unbeobachteten Moment beim Spielen einfach hineinfällt.
Seepferdchen reicht nicht
Schwimmabzeichen könnten bei der DLRG, aber auch beim Schwimmmeister im Plub gemacht werden, erklärt Seidenschnur. Gut sei es auf jeden Fall, schon im Winter schwimmen zu können, betont er. So könne ein Kind als einigermaßen sicherer Schwimmer in die Sommersaison starten. Ein Seepferdchen-Abzeichen reiche da nicht aus. Das bekomme ein Kind schon, wenn es 25 Meter, also nur eine Bahn, schwimmen kann.
Mit zwölf Jahren könne ein Kind den DLRG-Juniorretter machen. Dabei lernt es erste Elemente zur Selbstrettung, erfährt, was man machen muss, wenn man im Wasser einen Krampf bekommt. Danach gehe es in die Rettungsschwimmabzeichen, die anspruchsvoller sind und beispielsweise vier Minuten Schwimmen in Kleidern beinhalten.
Trotz aller Vorsicht und der Schwimmabzeichen ist es Seidenschnur wichtig, in der Südwestpfalz nicht nur einen Sanitätsdienst zu haben, sondern eine Wasserrettung aufzubauen. Bisher kämen Einheiten im Notfall aus Kaiserslautern oder Ludwigshafen, erzählt er. Wenn die DLRG in die Wasserrettung einsteigen würde, könnte der Verein vor Ort Bindeglied sein.