Pirmasens „Die Medaillen liegen im Schnee“
Ob sie im Urlaub für den Abwasch zuständig sind, klärt sich heute, wenn ihre Oma liest, was Niels, Ulf und Holger Jung in der RHEINPFALZ-Sommerredaktion über das Alter der Großmutter erzählt haben. Genau nachlesen, was er der Zeitung so erzählt hat, werden wohl auch die Stammtischbrüder von Hans-Jürgen Fröhlich. Er kam gestern auf einen Kaffee vorbei.
Allzu viel Zeit bleibt den Mitarbeitern bei einem Drei-Schicht-System nicht für gemeinsame Aktivitäten, sagt Thomas Matz, Einrichtungsleiter des Caritas-Altenzentrums Maria Rosenberg in Waldfischbach-Burgalben. Daher freut er sich, wenn es doch einmal klappt. Am Pirmasenser Firmenlauf im September will die Einrichtung teilnehmen. Die Idee dazu hatte eine Mitarbeiterin. Bisher sind rund 15 Kollegen dabei, ein Viertel der Belegschaft. Da muss Sebastian Wagner, Einrichtungsleiter im Caritas-Altenzentrum St. Anton in Pirmasens, noch etwas die Werbetrommel rühren. Drei seiner Mitarbeiter sind mit von der Partie. Antreten werden sie zusammen in einem Caritas-Team. „Uns geht es um den Spaß“, sagt Matz, der Wagner noch aus Zeiten der Ausbildung kennt. Nun haben sie sich als Einrichtungsleiter wiedergetroffen. Für gemeinsames Training wird es aber wohl nicht reichen. „In der Pflege arbeiten die Leute am Limit“, sagt Matz. Und stetig komme ein bisschen mehr dazu. Nur die Zeit für die pflegebedürftigen Menschen werde stets knapper. Das Berufsbild habe sich total gewandelt. Alles müsse heute genau festgehalten werden. Denn Geld für eine Leistung bekomme man nicht, wenn sie gemacht, sondern erst wenn sie dokumentiert ist. Dafür werden Fachkräfte händeringend gesucht, sagt Sebastian Wagner. Bei der Caritas biete man den Mitarbeitern einen sicheren Job, in der Schweiz, den Niederlanden oder Luxemburg beispielsweise können Pflegekräfte jedoch deutlich mehr verdienen, betont Matz. Der Politik schwebe vor, dass Lücken über das Ehrenamt geschlossen werden. Nur wo solle man die Ehrenamtlichen denn her nehmen? In der Flüchtlingshilfe werden sie gebraucht, in Vereinen ebenfalls. Man biete ein Ehrenamtscafé oder kostenlose Fortbildungen, ist für jede Idee und Initiative dankbar. Eine Vergütung könne man aber nicht bieten. Daran krankt es immer wieder. Daher ist Matz froh, dass eine AG mit der Daniel-Theysohn-Schule etabliert wurde. Kinder und Bewohner verbringen gemeinsam Zeit, backen beispielsweise Kuchen. „Für viele Bewohner ist das der Höhepunkt ihrer Woche“, sagt Matz. Seine Stammtischbrüder im Wirtshaus Knerr, sagt Hans-Jürgen Fröhlich, werden sich wundern, wenn sie ihn heute in der Zeitung sehen. Der 74-Jährige wohnt seit 1980 in Kröppen, dass er nicht von dort stammt, hört man ihm auch nach über 35 Jahren in der Westpfalz noch an. Ein bisschen Hessen, ein bisschen Westerwald hallt noch immer in der Sprache nach. In der RHEINPFALZ-Sommerredaktion politisiert Fröhlich über die Türkei und die USA, die Ukraine und den Brexit, über Flüchtlinge und Aufrüstung. Nach Kröppen sei er „der Liebe wegen“ gekommen, er hat dort Fuß gefasst auch über den Fußball – „noch mit 58 Jahren habe ich in der AH gespielt, war nie ernsthaft verletzt“ – und ist leidenschaftlicher Skat- und gelegentlich auch Schachspieler. Seine Münz- und Uhrensammlung nimmt im eigenen Heim ein ganzes Zimmer ein. Wenn’s noch mehr wird, „nehmen wir noch eine Wand heraus“, pflege seine Frau zu sagen. Der Termin ist fest im Kalender der drei Brüder eingetragen. Bald beginnen die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro. Dann werden die deutschen Slalomkanuten auf Medaillenjagd gehen. Niels, Ulf und Holger Jung werden am Fernsehen mitfiebern, im Familienurlaub in Frankreich. Mit dem Kanu werden sie dort unterwegs sein – was sonst! Auch die Oma ist dann mit dabei. 71 Jahre ist sie alt, sind sich die drei Sportler nach kurzem Überlegen einig und hoffen damit richtig zu liegen. Ansonsten droht ihnen im Urlaub wohl Spüldienst, mutmaßen sie lachend. Die Oma war es denn auch irgendwie, die das Kanufahren einst in der Familie etabliert hat. Das sie einmal solch erfolgreiche Enkel haben wird, konnte sie damals sicher noch nicht ahnen. Im Juni sicherte sich Ulf Bronze bei den Deutschen Jugendmeisterschaften, sein 14-jähriger Bruder Holger, eigentlich noch A-Schüler, durfte dank guter Vorleistungen auch starten. Die Saisonhöhepunkte sind nun, wo der Sommer so richtig beginnt, eigentlich schon vorbei. Für Ulf steht noch ein Lehrgang in Tschechien an. In zwei Jahren möchte er sich für eine Europa- oder Weltmeisterschaft in seiner Altersklasse qualifizieren. Und Olympia? „Das ist ein Traum“, sagt der 16-Jährige. Ein Traum, den sein Bruder Niels, der dieses Jahr am Kant-Gymnasium Abitur gemacht hat, wohl abgehakt hat. Er fährt nun Wildwasser, nutzt den Sommer, um dreieinhalb Wochen die verschiedensten Gewässer unsicher zu machen. 2015 startete er schon bei der WM, es muss nicht die letzte gewesen sein. Der 18-Jährige wird in Karlsruhe Maschinenbau studieren. Bis dahin genießt er die Zeit mit seinen Geschwistern – ein älterer Bruder und eine kleine Schwester gehören ebenfalls dazu. Die gut gelaunte Trainingsgruppe Jung ist dann aber bald um einen Athleten ärmer. Schade, denn die drei Sportler der Wassersportfreunde Zweibrücken pushen sich gegenseitig. In den wärmeren Monaten auf dem Wasser, aber auch im Winter, wenn mehr Krafttraining ansteht. Doch gerade dann kommt es drauf an, sagt Ulf: „Die Medaillen liegen im Schnee.“ Nach Pirmasens? Von einigen Freunden und Bekannten erntete Martina Kuntze schon den einen oder anderen skeptischen Blick, als sie ihnen erzählte, dass sie in die Schuhstadt zieht. So schlimm, wie es Pirmasens nachgesagt wird, ist die Stadt aber nicht. Das hat die 30-Jährige mittlerweile erkannt. Und wer in Mannheim und Heidelberg studiert hat, der dürfte sich auch über die Mietpreise hier freuen. Dafür sind die Möglichkeiten zur Abendgestaltung allerdings ausbaufähig, sagt sie schmunzelnd. Doch die Abendgestaltung war ja auch nicht der Grund für ihren Umzug. Die Arbeit führte die neue pädagogische Koordinatorin des Dynamikums hier her. Und die – das ist im Gespräch unschwer zu erkennen – gefällt ihr wirklich gut. Im Referendariat hatte die Lehramtsstudentin gemerkt, dass ihr die Grenzen, die der Schulunterricht bietet, zu eng sind. Da passen die vielfältigen Aufgaben, die sie im Dynamikum erwarten, deutlich besser zu ihr: „Das ist genau mein Ding.“ Nun, nachdem die Sonderausstellung „Rätsel“ läuft, steht etwas anderes ganz oben auf ihrer To-Do-Liste. Die Kooperation mit den Schulen möchte sie verbessern. Und dabei hat Kuntze nicht die Wandertage im Auge, bei denen Schulklassen immer wieder durch das Dynamikum schlendern. Das Science Center soll stärker in den Unterricht eingebunden werden. Schließlich werden auch Workshops zu unterschiedlichen Themen und für ganz unterschiedliche Altersklassen angeboten. Dinge, die im Unterricht durchgesprochen werden, können im Dynamikum erlebt, ausprobiert oder vertieft werden. Das reicht von der Funktion von Hebel und Waage über den Bau von Raketen bis hin zur Robotik, sagt sie. Damit also künftig noch mehr Schüler ins Dynamikum kommen, will sie im Herbst erstmal die Lehrer einladen, um ihnen die Angebote näherzubringen. |clc