Pirmasens Die Mama Shakers erobern den Joseph-Krekeler-Platz

Die Mama Shakers rocken das Publikum beim Pirmasenser Sommerintermezzo.
Die Mama Shakers rocken das Publikum beim Pirmasenser Sommerintermezzo.

Voller Rhythmus, energetisch und unheimlich vital: Die Mama Shakers mischen die Sommerintermezzo-Festmeile vor der Alten Post auf, dass der Joseph-Krekeler-Platz fast bebt.

Wer französische Chansons von der Band aus Paris erwartet hat, hat weit gefehlt. Denn die Mama Shakers haben den Pirmasenser Joseph-Krekeler-Platz mit Dixieland-Flair erfüllt. Der Platz ist für das Sommerintermezzo des städtischen Kultursommers hübsch geschmückt: mit Fähnchen, vielen ganz unterschiedlichen Sitzgelegenheiten und Ständen, an denen es kühles Nass und Kulinarisches zu erstehen gibt.

Doch als die Band um Frontfrau und Bandgründerin Angela Standberg loslegt, ist das Publikum nur noch an der Musik interessiert. Denn die jungen Wilden aus Paris, wie die Mama Shakers in der Presse immer wieder genannt wird, macht diesem Namen alle Ehre.

Mix aus Jazz, Blues, Country

Die Mischung aus Hits der Roaring Twenties, obskuren Jazz-, Blues- und Country-Songs sowie eigenen Kompositionen vom schwedisch-französischen Wirbelwind Angela Strandberg sorgt für beste, ja beschwingte Laune, die wenige Besucher sogar verführt, zu tanzen. Das hätten wohl mehrere Leute im Publikum gern getan, doch getraut haben sich nur drei.

Angela Strandberg hat eine unglaublich vitale Bühnenpräsenz. Sie ist ständig in Bewegung, hüpft, animiert ihre Jungs auf der Bühne und versprüht sagenhaft gute Laune. Eine wahre Dancing Queen, die unangestrengt authentisch rüberkommt. Und Geschichten erzählen kann sie auch fantastisch. Ein Multitalent.

Angela Strandberg ist der Star

Eigentlich stammt Angela Strandberg aus Schweden. Sie spielt Trompete, schrubbt ihr Waschbrett als ob es kein Morgen gäbe und hat eine fantastische Stimme – von rau-melancholisch bis ausgelassen wild. Erst besucht sie ein Konservatorium, studiert Bebop und Jazz, doch dann bricht sie das Studium ab, um die Mama Shakers zu gründen.

Es zieht sie auf die Bühne. Das erweist sich als eine fantastische Idee. Seit die Formation den ersten Preis beim Nachwuchswettbewerb des Jazzfestivals im französischen Skiort Megève in den Alpen gewonnen hat, ist sie in aller Munde. Mehr noch, viele finden, Angela Strandberg habe die derzeit erfolgreichste junge Jazzgruppe Europas.

Skurrile Erlebnisse

Kein Wunder, denn gekonnt mixt sie Songs des amerikanischen Singer-Songwriter Hank Williams wie etwa „Lovesick Blues“ mit dem „Cannibal Rhythm“ aus eigener Feder. Ein Lied handelt von einem Mann, der im Urlaub eine Meerjungfrau trifft, aber viele Songs erzählen einfach Anekdoten der Band, skurrile Erlebnisse, die Angela Strandberg in Musik übersetzt. Von der Tournee in Südfrankreich, als der Bus immer langsamer wurde, irgendwann nur noch zehn Stundenkilometer schaffte und schließlich für immer aus ihren Augen verschwand.

Oder sie erzählt von einer Hochzeit, auf der sie gebucht waren, und plötzlich alle anfingen, gegenseitig zu beißen. Irgendwann habe sie begriffen, erklärt die Frontfrau dem Publikum: Wir hatten es hier mit einem Kampf gegen Zombies zu tun. Lustig ist, dass da kräftig gejodelt wird in dem Song. Vielleicht gerade, um die bösen Geister in die Schranken zu weisen.

Besucher wandern an die Bar

Die Mama Shakers, das sind neben Angela Strandberg Hugo Proy an der Klarinette, Rémi Oswald am Banjo, Gabriel Seyer am Kontrabass und Gitarrist Baptiste Hec. Wie es zu dem Bandnamen kam, erklärt die Bandleaderin so: Mama käme in unheimlich vielen Bluessongs vor und Mama stehe immer für eine starke Frau, die emanzipiert und laut ist und sich nicht an die Regeln hält. Das habe ihr gefallen.

Dass nach der Pause ziemlich viele Reihen leer bleiben, heißt nicht, dass die Konzertbesucher das Weite gesucht haben. Viele verziehen sich einfach in Richtung Bar, weil dort die letzten Sonnenstrahlen zu erhaschen sind, und auch, weil viele das Sommerintermezzo-Konzert als Festmeile begreifen, wo es um Genuss auf allen Ebenen geht. In diesem Jahr liegt die Bewirtung erneut in den Händen der Bodega-Etacion“.

Kein Eintritt

Auch das Konzept, keinen Eintritt zu verlangen, geht auf. Viele wollen ausgehen und hätten sich nie eine Eintrittskarte geleistet für das Konzert. So lernen die Pirmasenser ungezwungen ganz andere Musikstile kennen als die, die man sowieso sonst immer in der Stadt zu hören bekommt.

Das Publikum ist begeistert, manche Zuhörer sind sogar richtig aus dem Häuschen. Dass es irgendwann richtig kühl ist auf dem Platz, stört dann nur wenige. Denn sie sind aufgeheizt von dem heißen Rhythmen der Band. Ein gelungener Abend, auch wenn noch sehr viel mehr Gäste hätten kommen können.

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