Kanu RHEINPFALZ Plus Artikel Die Asse üben in Augsburg: Jung-Brüder aus Höheischweiler im Olympia-Eiskanal

Das darf Angel Perez (links) nur in seiner Doppelrolle: Vor dem ersten Training der Kanuten der Wassersportfreunde hilft er sein
Das darf Angel Perez (links) nur in seiner Doppelrolle: Vor dem ersten Training der Kanuten der Wassersportfreunde hilft er seiner Tochter Smilla ins Boot. Wegen der Abstandsregel kann er das aber bei seinen anderen Schützlingen nicht machen – da muss jeweils ein Elternteil ran.

Sie trainieren irgendwie fürs Irgendwann. Aber immerhin konnten die Kanuten auch seit Beginn der Krise ihrem Sport alleine weiter nachgehen, neuerdings sogar in Gruppen. Die Kanuten der Wassersportfreunde haben am Mittwoch wieder mit dem Training begonnen. Holger Jung aus Höheischweiler muss sich erst mal den Frust der gestrichenen WM aus den Knochen paddeln.

Um die Spritzdecke an einem Kanu anzubringen, brauchen zumindest kleine Kanuten helfende Hände, zum Tragen eines Boots auch. Bei den jüngsten Paddlern der Wassersportfreunde (Wsf) Zweibrücken sind da derzeit die Eltern gefragt. Denn auch in dieser Sportart macht die Corona-Krise besondere Maßnahmen nötig. Auf die Pelle rücken darf den kleinen Kanufahrern nur jemand aus dem gleichen Haushalt. Am Mittwoch begannen die Wsf-Paddler auf dem Schwarzbach wieder mit dem Training.

Jung-Brüder im Eiskanal

Die Brüder Ulf und Holger Jung aus Höheischweiler waren nicht dabei: Die Aushängeschilder der Wsf-Kanu-Abteilung hatten sich am Mittag bereits zum Training nach Augsburg aufgemacht. „Da fährt man schon regelmäßig hin“, erklärt Wsf-Trainer Stefan Loch. Die Anlage von den Olympischen Spielen 1972 sei nach wie vor eine beliebte Trainingsstrecke. Der dortige Eiskanal sei krisenbedingt gesperrt gewesen, jetzt könne man ihn aber wieder nutzen.

Hoffen auf September

Was Loch und sein Trainerkollege Angel Perez am Mittwoch in Zweibrücken aufs Wasser brachten, waren zehn Kanusportler im Alter von sechs bis 15 Jahren. Die eine Hälfte trainierte mit Perez an der Fischtreppe, Loch hatte sich mit den anderen fünf Kanuten in die andere Richtung nach Contwig aufgemacht. Dass aktuell sehr schwierige Bedingungen herrschen, unterschreibt Loch. Allerdings habe man es als Kanute im Vergleich etwa zu Fußballern noch gut. Wenn man erst mal auf dem Wasser sei, könne das gewohnte Training absolviert werden.

„Wenn man im Boot sitzt, geht’s. Näher als 1,50 Meter kommen wir uns ohnehin nicht“, sagt er. Die eingangs erwähnten helfenden Hände bräuchten die „Wettkampfleute“ natürlich nicht mehr. Alles in allem sei die Situation natürlich nicht ideal, denn derzeit könne man nicht sagen, wofür man genau trainiere. Wie Stefan Loch sagt, hätte es jetzt bald an der saarländisch-französischen Grenze eine Regatta geben sollen. „Aber da braucht man gar nicht drüber reden“, bedauert der Coach. Am letzten Wochenende im September stehe auch ein Rennen in Bad Kreuznach im Wettbewerbskalender. Bei günstigen Corona-Fallzahlen bestehe die Hoffnung, dass dieses tatsächlich ausgetragen werde.

Jungs WM-Traum zerplatzt

Die Frustration bei den jungen Sportlern sei natürlich zu spüren, allen voran habe Holger Jung einen harten Rückschlag hinnehmen müssen. Vom Jahrgang her hätte Jung Anfang Mai zum letzten Mal bei einer Junioren-Weltmeisterschaft im Kanuslalom starten dürfen, er habe auf diesen Termin hart hingearbeitet. „Er hätte Chancen gehabt“, sagt Trainer Loch. Nun seien die Träume leider zerplatzt, man müsse sich mit der Situation arrangieren. An deutsche Meisterschaften und ähnlich hochwertige Wettkämpfe zu denken, nutze im Moment nichts. Der Tunnelblick müsse sich auf die nächste Trainingseinheit richten. Montags, mittwochs und donnerstags könne man was tun fürs Irgendwann.

Erste Wettkämpfe in NRW?

Über dem Ganzen steht halt weiter ein großes Fragezeichen. „Es wird ja spekuliert, dass bald in Nordrhein-Westfalen kleinere Veranstaltungen stattfinden. Da müsste man halt als Rheinland-Pfälzer hinfahren. Aber das sind noch ungelegte Eier“, findet Loch.

Die jungen Kanusportler, die am Mittwoch um die Stangen an der Fischtreppe paddelten, waren froh, dass es überhaupt mal wieder losging. „Wir schauen, dass es den Kindern und Jugendlichen nicht langweilig wird, lassen spielerisch trainieren“, erklärt der Wsf-Coach.

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