Interview RHEINPFALZ Plus Artikel Der Pirmasenser Gunnar Henges erinnert sich an seine Erlebnisse mit prominenten Musikern

Gunnar Henges (2. von rechts) posiert in den 90er Jahren mit seiner Band „Scarlett“
Gunnar Henges (2. von rechts) posiert in den 90er Jahren mit seiner Band »Scarlett« Foto: Scarlett

Gegen die Kollegen von „Uriah Heep“ Fußball gespielt

In Sachen Rockmusik gehört Gunnar Henges inzwischen zu den Altvorderen der Pirmasenser Szene. Der Bassist hat mit seinem Engagement Bands wie „Katmandu“, „Limerick“, „Diva“, „The D-Fact“, mit „Scarlett“ und „Tumbleweed“ eine beeindruckende Vita vorzuweisen. Zudem ist er seit vielen Jahren hauptberuflich im Musikgeschäft tätig: 13 Jahre bei der EMI und nun bereits 15 Jahre als Sales-Manager bei Warner Music. Peter Schneider hat sich mit Henges über dessen Erlebnisse und Erfahrungen rund um die Musik unterhalten.

Im Herbst 1982 waren Sie mit der Band „Limerick“ zur Aufnahme des Albums „On Tour“ beim Star-Produzenten Ralph Siegel in dessen Olympia Studios in München. Das war doch sicher eine spannende Zeit?
Das war natürlich für uns gerade mal Anfang 20-jährige Buben aus der Provinz eine große Sache. Unser damaliger Manager Sigfried Ipach hatte den Kontakt hergestellt. In einem professionellen Tonstudio in München unsere Songs aufnehmen zu dürfen, war eine tolle Erfahrung, vor allem, weil das Ganze uns keinen Pfennig gekostet hatte, ebenso wie die sieben Übernachtungen im Hotel. Die LP „On Tour“ hat sich dann vor allem durch unsere zahlreichen Auftritte auch gut in vierstelliger Höhe verkauft. Leider hatten wir Ralph Siegel nicht persönlich kennengelernt, dafür aber beispielsweise Michael Holm und Leslie Mandoki, die damals auch bei Siegel unter Vertrag waren.

Ihr Auftritt mit „Diva“, einer weiteren Band aus Pirmasens, im Jahr 1985 als Vorgruppe der Rocker von „Uriah Heep“ in der Pirmasenser Messehalle war bestimmt auch sehr interessant? Es wird unter anderem von einem Fußballspiel „Diva“ gegen „Uriah Heep“ in der Soundcheck-Pause gemunkelt. Was ist denn noch so passiert an diesem Tag?
Ja, das ist richtig. Wir spielten gegen einige „Heep“-Musiker und deren Techniker – das war schon witzig. Ich weiß nicht mehr, wie das Spiel ausging, kann mich aber noch gut an diesen Auftritt erinnern. Unser Sänger René Weber war in Topform und hatte zusammen mit der Gastsängerin Jodie Rocco die Halle gerockt. Der Sound war gut und auch das Publikum hatten wir gut im Griff. Das war für „Diva“ der größte Auftritt in der Bandgeschichte vor knapp 2000 Zuschauern.

Die inzwischen reformierte Melodic-Rock-Gruppe „Scarlett“ stand Mitte der 90er Jahre kurz vor dem Durchbruch und hat auch einige Konzerte als Vorgruppe von „Pur“ absolviert. Gibt es dazu einige interessante Anekdoten oder Backstage-Geschichten?
Oh, da gibt es etliche Geschichten, die aber nicht für die Öffentlichkeit bestimmt sind. Ich kann mich noch erinnern, dass 1993 bei einem Open Air in Kaiserslautern, bei dem unter anderem „Pur“ einen Unplugged-Auftritt hatte, deren Sänger Hartmut Engler sichtlich davon beeindruckt war, dass „Scarlett“ so gut bei den über 3000 Besuchern ankam. Das hat er uns im Backstage-Bereich erzählt und bei dieser Gelegenheit auch sogleich unseren damaligen Gitarristen DJ Elesky gerügt, er solle doch bitte seine Füße vom Tisch nehmen. Nach unserem Konzert im gleichen Jahr in der Pirmasenser Messehalle waren wir danach noch im ehemaligen Parkplatz, dem heutigen Z1, um mit der Band zu feiern. Hier waren auch einige Fußballspieler der Profimannschaft des 1. FC Kaiserslautern mit dabei – unter anderem Stefan Kunz.

Von welchen Bands und Musikern waren und sind Sie beeindruckt oder sogar beeinflusst?
Ich bin ja ein Kind der 70er Jahre und damit natürlich beeinflusst und geprägt von den Rockgrößen dieser Zeit – also beispielsweise „Deep Purple“, „Led Zeppelin“ und „Pink Floyd“. Meine Lieblingsband war aber „The Sweet“, eine, von vielen Hardrock-Fans unterschätzte Band, die vor allem auf ihren Alben etliche progressive Hardrock-Songs hatte, wie etwa „Set Me Free“, „Windy City“, eine brachiale Cover-Version von „My Generation“ von den „Who“ oder den Evergreen „Love Is Like Oxygen“.

Sie sind seit über vier Jahrzehnten als Musiker und Konzertveranstalter tätig. Welchen Rat würden Sie jungen Musikern geben, die ihr Hobby zum Beruf machen wollen?
Heute ist alles viel schnelllebiger. Die Halbwertszeit von sogenannten Künstlern ist extrem kurz – ich bekomme das ja durch meine Arbeit bei Warner Music täglich mit, wie Charaktere „gemacht“ werden für die Generation Facebook und Co. Ein Beispiel waren die „Lochis“, die es jetzt gar nicht mehr gibt. Ab der Jahrtausendwende haben mich nur verhältnismäßig wenige Bands beeindruckt, dazu gehören „Coldplay“, „Linkin Park“, „Muse“ und „Volbeat“. Junge Musiker haben heute natürlich viel mehr Möglichkeiten, sich direkt zu vermarkten über die ganzen Social-Media-Kanäle als wir das zu unserer Zeit hatten. Trotzdem benötigt man vor allem Talent, Bereitschaft und das Herzblut, das man einbringen muss, um etwas zu bewegen. Das kostet Zeit, Geld, Nerven und Privatleben. Und man darf nicht aufgeben nach der ersten Absage. „Immer weiter“, wie es Oliver Kahn einmal gesagt hat.

Infos

Mehr zu Gunnar Henges steht im Internet unter https://scarlett-rocks.de/.

Und das ist der Bassist Gunnar Henges heute bei einem Konzert mit seiner Band „Limerick“.
Und das ist der Bassist Gunnar Henges heute bei einem Konzert mit seiner Band »Limerick«. Foto: ider
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