Pirmasens
Der neue Weg für bessere Schulgebäude
2020 war ein entscheidendes Jahr für die 14 Pirmasenser Schulen mit 5842 Schülern, plus Pirminiusschule und Deutscher Schuhfachschule. Vor sechs Jahren, kurz nach dem Amtsantritt von Oberbürgermeister Markus Zwick, hat die Stadt einen Strategiewechsel vollzogen, wenn es um Unterhaltung, Sanierung und Neubau der Schulgebäude geht. Wurde zuvor, wenn sie nach Jahrzehnten sanierungsbedürftig wurden, auf Generalsanierungen und Neubauten gesetzt, geht es seitdem stärker um Pflege und Unterhaltung. Großprojekte sollen die Ausnahme bleiben, auch wenn sie nicht vollkommen ausgeschlossen sind.
Zwei Generalsanierungen haben der Oberbürgermeister als Schuldezernent und Bürgermeister Michael Maas als Baudezernent denn auch zu Ende geführt: der A-Bau der Berufsbildenden Schule in der Adlerstraße für 16 Millionen Euro und die Landgraf-Ludwig-Realschule plus in der Alleestraße für 17,2 Millionen Euro, für Zwick seitdem „das schönste Schulgebäude weit und breit“. Auch städtebaulich stehe er nach wie vor dazu, die Schule nicht irgendwo in der Stadt neu zu bauen, sondern an diesem Standort zu sanieren: „Es war die richtige Entscheidung, sie in der Innenstadt zu erhalten und jetzt eine Dependance am Nagelschmiedsberg zu bauen.“
Großprojekte nicht mehr als richtigen Weg gesehen
Denn trotz grundsätzlichem Strategiewechsel geht es in Zukunft nicht ohne das eine oder andere Großprojekt, machen Zwick und Maas deutlich. Da ist der zweite Standort der Landgraf-Ludwig-Realschule am Nagelschmiedsberg, für den in diesem Jahr der Architektenwettbewerb gestartet wird. Und auch für den Neubau der Pirminiusschule, einer Sonderschule L der Heinrich-Kimmle-Stiftung, wird der Architektenwettbewerb in diesem Jahr auf den Weg gebracht, eine halbe Million Euro wird allein er verschlingen. Vorgesehen ist ein Neubau der Sonderschule neben der bestehenden Husterhöh-Grundschule, die in diesem Zug auch saniert wird, damit beide Schulen verschiedene Räume gemeinsam nutzen können. Diese beiden Großprojekte machen deutlich, so der Oberbürgermeister, dass auch in den kommenden Jahren noch stark investiert werden muss in die Schulgebäude. Langfristig brauchen die Horeb- und die Wittelsbachgrundschule eine umfassende Sanierung.
Es sind die Großprojekte, die durch ihre finanzielle Größenordnung beeindrucken, aber es ist der neue Pirmasenser Weg im Schulbau, der sich für fast alle Schulen im Stadtgebiet ausgezahlt hat, betont Zwick. Der 2020 eingeleitete Paradigmenwechsel sieht vor, dass Jahr für Jahr in viele Schulgebäude investiert wird, um sie in kleinen Schritten zu modernisieren. „Wir haben uns 2020 gefragt, ob Großbauprojekte wirklich der richtige Weg sind, ob wir den Weg unserer Vorgänger weitergehen wollen“, erinnert Maas daran, wie die neue Strategie entstand. Als Antwort auf diese Fragen wurde die neue Strategie erarbeitet, die auf dem gemeinsamen Schulentwicklungsplan mit dem Landkreis fußt.
Von neuer Strategie profitieren die meisten Schulgebäude
In dieser Schulplanung wurde einer veränderten Schulstruktur und höheren Schülerzahlen Rechnung getragen, so der Baudezernent, mit weitreichenden Konsequenzen. Ein Paradebeispiel dafür ist das Hugo-Ball-Gymnasium in der Lemberger Straße, ergänzt der Oberbürgermeister: „Zuvor gab es ja lange eine öffentliche Diskussion, weil dieser Schulstandort aufgegeben werden sollte. Daher wurde auch lange nichts an den Schulgebäuden gemacht, bevor umgedacht wurde.“ Nach der Entscheidung für den Standorterhalt wurden bis heute rund sieben Millionen Euro in das Gymnasium investiert – seit 2020 wurden jährlich zwischen 500.000 und 1,5 Millionen Euro für die Modernisierung ausgegeben.
Für Maas und Zwick hat sich der neue Weg, zu dem auch Instandsetzungen durch das städtische Gebäudemanagement gehören, bewährt. „Seit 2020 haben fast alle Schulen im Stadtgebiet davon profitiert“, bekräftigt der Oberbürgermeister. Viele Schulgebäude haben deutliche Verbesserungen erfahren, verweist er auf Millioneninvestitionen auch in das Leibniz-Gymnasium und das Winzler Grundschulgebäude. Voraussetzung dafür seien aber auch die engagierte Arbeit des Gebäudemanagements gewesen und die Schulleitungen, die offen seien für die Strategie der Stadt, ergänzt Maas. Und für Zwick steht fest: „Das Gebäudemanagement hat viel Druck rausgenommen, weil viele kleinere Aufgaben an den Schulgebäuden nicht mehr hintenangestellt werden, sondern schnell erledigt werden.“ Sein Fazit: „Wir haben sichtbare Erfolge in der Schulmodernisierung.“
Vor der Bugwelle der Schulsanierungen im Land
Der vor sechs Jahren eingeschlagene Weg hat einige positive Nebeneffekte, macht Maas deutlich. Indem in vielen kleinen Schritten saniert wird, können die Arbeiten weitgehend in die Ferienzeiten gelegt werden, informiert der Baudezernent. Indem von Anfang an großen Wert auf die energetische Sanierung von Schulgebäuden gelegt wurde, hat sich schon in der Energiekrise 2022/23 ausgezahlt, so Maas. Die Stadt konnte den Gasverbrauch in nur drei Jahren um 30 Prozent senken. Und nicht zuletzt wurde in vielen Schulen schrittweise die Elektrik auf den neuesten Stand gebracht, was dem Digitalpakt zu verdanken ist. Denn die Digitalisierung der Schulen erforderte auch moderne elektrische Anlagen.
75 Millionen Euro wurden in nur sechs Jahren in die Schulgebäude investiert, die Hälfte stammt aus Eigenmitteln. „Das sind schon mächtige Zahlen“, meint Maas. Mit dieser Schulbau-Initiative ist Pirmasens deutlich weiter als manch andere Stadt in Rheinland-Pfalz. Woran liegt es aber, dass die Horebstadt diesen Vorsprung hat, wenn es um Schulmodernisierung geht? Maas und Zwick schauen zurück in die 1990er Jahre. Zuvor habe die Stadtpolitik finanziell aus dem Vollen schöpfen können, dann aber kam die finanzielle Talsohle. Gleichzeitig aber seien die Schulen im Stadtgebiet sanierungsbedürftig geworden. „Zunächst wollte man sich nicht verschulden, erst als diese Hemmschwelle überwunden war, hat sich etwas bewegt bei den Investitionen, auch in Schulen“, erklärt der Bau- und Finanzdezernent. Pirmasens habe da schon früher beginnen müssen als andere Städte und schwimme nun etwas vor der Bugwelle im Bundesland. Den Oberbürgermeister treibt, auch als Vorsitzender des rheinland-pfälzischen Städtetags, vor allem die aktuelle finanzielle Situation um: „Wir arbeiten seit 30 Jahren auf Verschleiß. Wir müssten ja noch viel mehr investieren in die Schulen, aber dafür brauchen wir bessere finanzielle Möglichkeiten.“
Zur Serie
Im „Schulreport PS“ geht es um die Situation der Pirmasenser Schulgebäude, die städtischen Investitionen und die anstehenden Projekte. In den kommenden Wochen nehmen wir alle Schulen im Stadtgebiet unter die Lupe.