Doppeltrapschießen
Der jüngste deutsche Meister kommt aus Vinningen
Da stand dieser 15-Jährige auf der Wurfscheibenanlage der Olympischen Spiele von 1972 in München, den Hörschutz über den Ohren, die Flinte im Voranschlag. Er gab ein kurzes Okay, und innerhalb der nächsten Sekunde warf eine Maschine zwei Scheiben mit 110 Millimeter Durchmesser mit einer Geschwindigkeit von rund 70 Stundenkilometern in die bayrische Luft. Tim Pfundstein – von ihm ist hier die Rede – hatte zwei Schrotpatronen im Lauf seiner Perazzi MX8. Jetzt musste er blitzschnell und präzise sein. In Sekundenbruchteilen drückte er zweimal den Abzug seiner Flinte. Im Idealfall zerlegte der Vinninger die beiden Wurfscheiben in Dutzende Teile. In fünf Durchgängen versuchte er, jeweils 15-mal die fliegenden Ziele zu treffen. Und dem herkömmlichen, intensiven Zielen kommt hier aufgrund des Zeitmangels nur eine untergeordnete Rolle zu. Es gilt vor allem, blitzschnell zu sein, wobei man das Ziel natürlich immer im Auge hat.
„Ich war sehr nervös, bin aber immer konzentriert geblieben“, sagt der Schüler an der Konrad-Adenauerschule in Vinningen zu seinem großen Wettkampf Ende August. 112 von möglichen 150 Treffern hatte er erzielt und damit satte elf Scheiben mehr als der Zweitplatzierte. Tim Pfundstein ist deutscher Meister der Junioren II (bis 18 Jahre) im Doppeltrap. „Einen jüngeren deutschen Meister gibt es nicht“, ist Papa Pfundstein, der ebenfalls im Trap unterwegs ist, stolz auf seinen Filius.
Am Gardasee angefangen
Erst mit 14 Jahren darf man eine Flinte in die Hand nehmen. Tim tat dies zum ersten Mal im Urlaub am Gardasee, wo ein imposanter Schießstand einlädt. „Ich will auch mal schießen“, habe er zu seinem Vater gesagt. „Und man hat sofort gesehen, dass er Talent hat“, berichtet Martin Pfundstein von den Erstlingsschüssen. Wieder daheim, ging Tim seinem neuen Hobby Schießen nach. „Er wurde peu à peu besser. Er erreichte schon nach kurzer Zeit Platz sechs bei den deutschen Meisterschaften in seiner Altersklasse“, erzählt Martin Pfundstein.
Weil das Doppeltrapschießen seit 2020 nicht mehr olympisch ist, wurde die Förderung des Schießens in dieser Disziplin weitgehend eingestellt. In der Pfalz könne man nur – und dies eingeschränkt – in Bad Dürkheim diese spezielle Disziplin schießen, sagt Pfundstein senior. In der Pirmasenser Schießanlage Fumbach ist nur einfaches Trapschießen möglich. Der nächste Doppeltrapschießstand befindet sich im hessischen Wiesbaden. Und dorthin sind die Pfundsteins jeden Samstag unterwegs, denn das Training ist gerade bei dem Wurfscheibenschießen sehr wichtig. „Aber es macht mir sehr viel Spaß, und mein Ehrgeiz ist groß“, verdeutlicht Tim, dass er die Flinte so schnell nicht ins Korn wirft.
2025 im Bundeskader?
Obwohl Tim Pfundstein den Titel gewann, gehört er noch nicht dem nationalen Kader der Junioren II an, denn hierzu muss man mindestens 16 Jahre alt sein. „Im kommenden Jahr könnte er es schaffen“, sagt sein beim Jagd- und Sportschützenclub Pirmasens schießender Vater. „Tim ist auf einem guten Weg.“ Nur als Mitglied im nationalen Kader hat Tim eine Startberechtigung für Europameisterschaften. Der junge Schießsportler indes ist Mitglied des hessischen Kleinkaliber-Schützenvereins Rüddingshausen (bei Gießen), dem führenden Flintenverein in Hessen.