Meinung
Demokratie funktioniert mit Diskurs, nicht mit Gewalt
Neuer Büchereistandort: Keine schlechte Idee
Die Stadtbücherei bekommt jetzt wirklich ein neues Domizil. Was die Büchereileiterin Ulrike Weil wohl erst glauben wird, wenn sie den Schlüssel für ihren neuen Arbeitsplatz in Händen hält, hat sich von der Idee des Kulturdezernenten zum schon etwas konkreteren Plan gewandelt. So weit war es aber auch schon mal und wurde dann doch nichts. Vor der Kommunalwahl hatte Kulturdezernent Denis Clauer die Idee einer Bücherei im früheren Rupprecht-Kaufhaus ins Spiel gebracht. Es gab sogar richtige Pläne, wo welche Abteilung rein soll. Offiziell wurde nichts daraus, weil der Vermieter kein echtes Interesse daran gehabt haben soll. Jetzt soll es die Bauhilfe richten und dafür hat die Stadt ihre Sahnegrundstücke in der Höfelsgasse bereits an diese übereignet, wie zu hören ist. Dem Vernehmen nach sollen sogar schon die ersten Pläne gezeichnet werden. Es scheint diesmal wirklich ernst gemeint zu sein. Die Bauhilfe könnte neben der früheren Kaufhalle ein schmuckes neues Gebäude für die Bücherei bauen. Gar nicht mal so schlecht die Idee, wenn die frühere Kaufhalle mit Café, AOK und Minisupermarkt über die angrenzende Bücherei zum Medicenter mit einem weiteren Café führt.
Diskussion statt Gewalt: So geht Demokratie
Da werden sich schon bald Besucherströme von der Schloßstraße und Fußgängerzone verlagern. Und damit werden auch die politischen Parteien nicht mehr in der Schloßstraße für sich werben, wie es die AfD beispielsweise gerne und oft tut, egal ob Wahlkampf ist oder nicht. Am vergangenen Samstag hat das einen Passanten so aufgeregt, dass er handgreiflich geworden sein soll. Die Polizei ermittelt noch, wie es tatsächlich war. Fakt ist, dass der Passant der AfD damit mit Sicherheit nicht geschadet, sondern eher genutzt hat. Die Partei fühlt sich in der Opferrolle sehr wohl und weiß das für sich auszuschlachten. Hat der mutmaßlich schlagende Passant etwa gedacht, dass der Geschlagene vor Schreck sofort seine Arbeit für die AfD bleiben lässt und die Partei vor Angst sich nicht mehr blicken lassen will? Mit Gewalt und Aggression werden keine demokratischen Prozesse geführt. Da hat es ein anderer Passant am Samstag schon viel besser gemacht. Der angesehene Pirmasenser Mediziner hat mit den AfDlern über Widersprüche in den Äußerungen ihrer Bundesspitze diskutiert. Ohne Geschrei oder gar Handgreiflichkeiten. So gehen demokratische Prozesse. Mit Rede und Gegenrede.
Kultur-Experimente: Die Zeiten sind vorbei
Diese Woche wurde im Kulturausschuss das neue Programm für die kommende Saison präsentiert. Es ist jetzt ein Programm, das komplett von der neuen Leitung und Sachbearbeitung erstellt wurde – was ihm anzusehen ist. Es passt zu Städten wie Pirmasens. In früheren Jahren wurde der Kulturinteressierte mehrfach pro Saison angenehm überrascht mit Theater und Konzerten, die so in Pirmasens nicht zu erwarten waren. Da trug das Programm noch klar die Handschrift der Sachgebietsleiterin Sonja Mäß, die genau genommen das Kulturamt leitete, aber offiziell nur als Sachgebietsleiterin eingestuft war. Nach ihrem Ruhestand wollte der frisch eingestellte Giuseppe Scorzelli richtig aufdrehen und engagierte Künstler, die kaum jemand auf einer Pirmasenser Bühne für möglich gehalten hätte. Gut gemeint war es, aber auch richtig überzogen, vor allem, was den Kulturetat betraf. Manche der Engagements von Scorzelli kamen trotzdem nach Pirmasens. Das war spannend, ist aber nun endgültig vorbei. Corona hat mit dazu beigetragen, dass sich niemand mehr Experimente zutraut. Die einbrechenden Besucherzahlen hatten Kulturdezernent Denis Clauer derart eingeschüchtert, dass nur noch die Devise zu gelten scheint, wonach es wenig kosten darf und gleichzeitig viele Menschen anziehen muss. Zwei Maximen, die den sicheren Tod für anspruchsvollere Stücke und Künstler darstellen.