Pferdesport
Das verspätete Weihnachtsgeschenk der Münchweilerin Nora Cronauer
Auch im abgelaufenen Jahr hat eines der „Münchweiler Mädels“ dem deutschen Galopprennsport wieder kräftig den Stempel aufgedrückt. So werden die drei befreundeten Rennreiterinnen Marie Gast, Larissa Bieß und Nora Cronauer von den Fans genannt, weil das Trio aus der südwestpfälzischen 2700-Seelen-Gemeinde stammt.
Acht Siege bei nur 34 Ritten
Diesmal blickt die jüngste Sportlerin des Trios auf ein Jahr der Superlative zurück: Nora Cronauer sicherte sich mit acht Jahressiegen die Bronzemedaille in der Jahreswertung der Amateur-Rennreiterinnen. Ihr Siegschnitt von fast 24 Prozent ist geradezu sensationell, denn sie absolvierte nur 34 Ritte. Zum Vergleich: Die zweitplatzierte Janina Boysen aus Magdeburg stieg für ihre neun Siege ganze 71-mal in den Sattel. Lediglich Siegerin Nina Baltromei, die mit ihrem Sieg auf Hochkönig als erste weibliche Derbysiegerin Geschichte schrieb, kommt auf einen ähnlichen Schnitt wie Cronauer.
Viele Konkurrentinnen teilen ihre Erfolge ausführlich in den sozialen Medien, Nora Cronauer ist bescheiden und zurückhaltend geblieben. Ihr Jahresziel war der Gewinn eines Rennens, denn mit fünf Lebenssiegen darf man in Frankreich in den großen Rennen reiten.
2026 sogar auf Mauritius?
Wie erklärt sie ihren Erfolg? „Mein Trainer Christian Peterschmitt aus Bottenbach schenkt mir immer wieder das Vertrauen, gibt mir ehrliches Feedback danach und hat ein goldenes Händchen für die Auswahl der richtigen Ritte. Durch die zunehmende Routine minimiere ich permanent meine Fehler“, sagt Cronauer. Es gab viele Höhepunkte in diesem Jahr für sie: Am 21. September sicherte sie sich mit Everstorm, Kamino und Sabiano alle drei Galoppkonkurrenzen des Purzelmarktrenntags im südpfälzischen Billigheim („Das passiert mir im ganzen Leben wohl nie wieder“).
Mit dem fünfjährigen Fuchswallach King’s Crown wurde sie auf Deutschlands Paradehippodrom in Iffezheim in kopfstarken Feldern gegen eigentlich übermächtige Konkurrenz als Außenseiterin Zweite und Dritte. Im hessischen Erbach avancierte sie im Juli zur Doppelsiegerin. Doch das schönste Weihnachtsgeschenk kam für Nora Cronauer nachträglich am vergangenen Sonntag.
Dickes Lob von Trainer Christian Peterschmitt
Beim letzten Renntag des Jahres in Dortmund-Wambel nominierte sie Katja Warmbier, Vizepräsidentin des Amateurverbands, für die Weltmeisterschaft der Amateur-Rennreiterinnen. Die blonde Amazone vertritt 2026 dann die schwarz-rot-goldenen Farben auf den großen Bahnen in England, Frankreich, Italien und Marokko. Meist wird eine Prüfung auch auf Mauritius ausgetragen. Damit erfüllt sich für Nora Cronauer ein absoluter Lebenstraum.
Sie sicherte sich auch das Südwest-Turfchampionat in einem Herzschlagfinale gegen den Franzosen Kevin Braye. Und die Mehl-Mülhens-Stiftung hat sie im April eingeladen zu einem Lehrgang ins englische Newmarket, dem Mekka des europäischen Galoppsports. Ihr Trainer Christian Peterschmitt sagt dazu: „Nora hat sich diese Auszeichnungen verdient. Sie unterstützt die Pferde hervorragend im Endkampf und findet unterwegs ganz oft die ideale Position.“
Weiter täglich in Bottenbach im Stall
Dennoch bleibt Nora Cronauer mit beiden Beinen fest auf dem Boden. Sie verrichtet weiter täglich alle Arbeiten am Bottenbacher Peterschmitt-Stall. Ohne das Herzblut und den Zusammenhalt des ganzen Teams wären ihre Erfolge wohl gar nicht möglich. Ihr Studium für Sportmanagement treibt sie weiter voran, an ein oder zwei Tagen pro Woche unterstützt sie zudem das Team von Baden Galopp in Iffezheim. Ihr dortiger Chef Stephan Buchner ist einer der wichtigsten Protagonisten des deutschen Turfs. Er stellt seiner pfälzischen Mitarbeiterin ein hervorragendes Zeugnis aus: „Nora bringt viel fachliche Expertise ein und ist stets bestens gelaunt. Ich glaube, es hat noch niemand im ganzen Team je ein schlechtes Wort über sie gesagt.“