Hintergrund
Das langsame Sterben des Kegelsports in der Region Pirmasens
In den 1960er- und 1970er-Jahren boomte das Kegeln in der Südwestpfalz. Allein beim KV Pirmasens betrieben 1978 über 600 Mitglieder aktiv ihren Sport. Bis in die 1990er-Jahre hielt die Hochphase an. Doch seither beklagen die Kegler einen rasanten Mitgliederschwund, wodurch in Pirmasens und Umgebung bei den Frauen 14 und bei den Männern 30 Kegelklubs aufgelöst wurden. Fast alle bestanden aus mehreren Mannschaften. Nur wenige hatten nur ein Team im Sportbetrieb.
Aktuell hat der SKK Teufelstisch Hinterweidenthal, bei dem zu Spitzenzeiten vier Mannschaften dem Kegelsport frönten, nach 48 Jahren seinen Sportbetrieb eingestellt. Zuletzt gab es nur noch eine im Sportpark Dahn spielende Vierer-Mannschaft. Diese musste nun abgemeldet werden, weil ihre Mitglieder zu alt, verletzt oder krank waren. Der Vorsitzende des SKK Teufelstisch, Robert Schütz, weiß zu berichten, dass 1993 in seiner Amtszeit als Sportwart des KV Pirmasens dort 483 Kegler spielten.
Der Nachwuchs fehlt
Bei den meisten Klubs und Vereinen fehlt der Nachwuchs. Viele kämpfen schon seit Jahren mit der Überalterung ihrer Teams. Abgänge werden kaum noch ausgeglichen. Dazu kam das „Sterben“ vieler Kegelbahnen. In Zeiten des Internets und unzähliger Freizeitangebote sind die Aussichten alles andere als rosig. Dabei kämpfen alle um Aufmerksamkeit. Über Mitgliederaktionen sowie Schulkooperationen wurde einiges ausprobiert, doch verlief vieles im Sande. Mit Ausnahme des in der Frauen-Bundesliga etablierten ESV Pirmasens und des KSC Pirmasens kann aktuell kein Klub auf eine erfolgreiche Jugendarbeit bauen.
Der Pirmasenser Gerhard Ross, der 1956 als 17-Jähriger mit dem Kegeln begann und in den 1960er-Jahren zum Nationalspieler avancierte, stellt bedauernd fest: „Es ist traurig, den Niedergang in der Breite in unserem Raum zu erleben. Früher war der Kegelsport sehr angesagt. Man spielte auf Kreisebene von der D-Klasse bis zur Bezirksliga. Doch in einem schleichenden Prozess haben sich die Klubs und Vereine aufgelöst.“
Erloschener Glanz
Komet Pirmasens, sein Klub, entstand aus ehemaligen Fußballern. Sie brauchten keine lange Anlaufzeit, um in der rheinland-pfälzischen und deutschen Spitze erfolgreich mitzumischen. Doch Mitte der 1970er erlosch der Glanz von Komet, es erfolgte der Abstieg in die Zweitklassigkeit. Später agierten sie nur noch als Gesellschaftskegler.
Der unter dem Namen „Neuntöter“ 1959 gegründete Sportkegelklub Grün-Weiß Pirmasens brachte es auf Landesebene zu erheblichen Erfolgen, der Aufstieg in die Zweite Bundesliga wurde nur knapp verpasst. Der Aufstieg in die höchste Landesklasse gelang auch dem SKK Absolvia, der Fortuna Pirmasens und dem TV Pirmasens.
Lange Liste nicht mehr bestehender Klubs
Zu den Urgesteinen des Pirmasenser Kegelsports gehörten weiter der SKK Pirat 1927, der SKK Record 1928 und der Sportkegelklub Spalter. Die Spalter lösten sich trotz einiger hoffnungsvoller Spieler auf. Pirat und Record, beide ebenfalls erfolgreiche Klubs, konnten letztlich nur noch einige Jahre in Spielgemeinschaften überstehen. Die Liste setzt sich fort mit Olympia Pirmasens, Gelb-Schwarz, Horeb, Stadtwerke, Keglerfreunde, Rewe (später Markant), Rot-Weiß, KSK 53, Polizei SV, Alle Neune, Spar, Viktoria, Krankenhaus, Top-Team und Waldesruh.
Aushängeschilder des Frauen-Kegelns waren der KSC, Frisch Auf, Tempo, der TVP und der PSV.
Auch außerhalb der Schuhstadt war der Aderlass in der Keglerszene enorm. Mit Gut Holz Eppenbrunn verschwand vor zwei Jahren ein ehemaliger Bundesligist von der Bildfläche, dessen Frauenteam auf Landesebene für Furore gesorgt hatte. In Rodalben traf es Eintracht, Olympia (Frauen und Männer), Komet (Frauen und Männer) sowie Viktoria (Frauen), in Thaleischweiler Alle Neune, Frisch Auf (beide Männer), Blau-Weiß (Frauen) und Phönix (Frauen), in Hermersberg den KV Holzland. Die Keglergilde Heltersberg spielte bis vor einem Jahr in verschiedenen Frauen-Bundesligen mit Erfolg. Nun sind in Heltersberg nur noch gemischte und Herrenteams an den Kugeln.
Weinkauf: Menschen haben sich geändert
Übrig blieben in Pirmasens mit unterschiedlich großem Erfolg nur der ESV, Rapid und der KSC, während in Rodalben die TSR (Männer und Frauen) sowie die Männer der Fortunen noch ihrem Sport frönen. Jetzt existieren in der Region Pirmasens noch 17 Kegel-Mannschaften mit insgesamt etwa 120 Spielerinnen und Spielern.
Werner Weinkauff, ehemaliger Nationalspieler, zweimaliger Weltmeisterschaftsteilnehmer und früherer Kegel-Ästhet, merkt dazu an: „Die vielen sich bietenden Möglichkeiten haben das Freizeitverhalten über alle Altersklassen hinweg geändert. Die Menschen haben sich geändert. Es fehlen auch die Personen, die sich für den Kegelsport begeistern können und Jugend heranziehen. Zudem fehlen die Lokalkämpfe, bei denen früher die Hallen gefüllt waren. Es fehlen auch die Pokalturniere wie der Karl-Emmler-Pokal, bei dem alle Klubs, egal in welcher Klasse spielend, teilnehmen konnten. Es ist der Zahn der Zeit, ein Rädchen greift ins andere. Mittlerweile greift das Desinteresse sogar im lokalen Fußballgeschehen. Da gab es schon Abmeldungen, weitere werden bestimmt folgen.“