Dahn Das „Comedy Sandwich“ kommt beim Publikum nicht gut an

Ein Programm für die Jugend, die aber nicht kommt: Die Dahner Sommerspiele präsentieren „The Comedy Sandwich“ im Otfried-von-Wei
Ein Programm für die Jugend, die aber nicht kommt: Die Dahner Sommerspiele präsentieren »The Comedy Sandwich« im Otfried-von-Weißenburg-Gymnasium. Tobi Freudenthal ist der klare Star des Abends.

Da will einfach keine Stimmung aufkommen. Am Samstag hat das „Comedy Sandwich“ seine liebe Mühe mit dem Dahner Publikum und der Technik.

Es ist aber auch wirklich blöd gelaufen. Nachdem der Soundcheck am Nachmittag reibungslos über die Bühne ging, knisterten und knackten die Lautsprecher fast durch den kompletten ersten Teil hindurch. „Das ist halt live“, meint Moderator Lennard Rosar und lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. Im Gegenteil.

Er erzählt von Datingapps und sagt, worauf es ihm ankommt mit der Show. Zusammen Spaß haben und lachen, das will er mit dem Dahner Publikum. Aber gerade das will nicht so recht gelingen. Nicht mit den Bemerkungen über die roten Teufel vom Betzenberg, aber schon ein bisschen mehr, als er isländische Worte vorführt, die so niedlich und komisch klingen. Doch die Bemerkung, dass es in Island eine Dating-App gebe, die den Verwandtschaftsgrad mit dem Gegenüber angibt, hebt die Stimmung nicht. Besonders weil der Kölner dann zu bedenken gibt, dass es im Dahner Tal auch so etwas bräuchte. Mit seinem Klatsch-Barometer kommt dann heraus, dass fast alle Theaterbesucher verheiratet sind. Außer eben den Jugendlichen und einer Handvoll Singles.

Tobi Freundenthal ist der Star

Witzig finden die Leute die Geschichte vom Pfefferspray zur Selbstverteidigung, das jemand zum Würzen von Grillfleisch genutzt hat und die Bewertung ins Netz gestellt hat - mit minuziöser Beschreibung des Geschmacks. Natürlich hat er noch viel mehr Bewertungswahn auf Lager.

Tobi Freudenthal dagegen erobert die Herzen des Publikums spontan. Er beschäftigt sich mit den Absurditäten des Alltags, und zwischen all den Banalitäten strömen verrückte Fantasien aus ihm heraus. Mit seinen Erinnerungen an Schwimmbadbesuche, wo er in der Rutschenröhre hängenbleibt. Oder wenn er über seinen schnarchenden Vater erzählt, der „als Eber die Trüffel sucht“ und er ihm am liebsten eine reinhauen würde - wenn er nicht so zufrieden aussehen würde im Schlaf. Es überrascht nicht, dass der Kölner zahlreiche Auszeichnungen bekommen hat: die Quatsch Talentschmiede 2019, den Constantin Comedy Preis 2019, den RTL Comedy Grand Prix 2018.

Laura Brümmer versteht keiner

Am wenigsten punkten kann Laura Brümmer, deren Humor fast keiner versteht. Als sie von ihrem Helden, dem „Shitman“ erzählt, verlassen sogar zwei Besucher den Saal. Den „Shitman“ habe sie während ihres Jobs am Empfang einer Frauenarztpraxis getroffen, als er ein Stuhlprobe seiner Frau abgab. Das sei ein Liebesbeweis. Seitdem betrachte sie die Männer in der Straßenbahn mit anderen Augen.

Enormen Respekt habe sie auch vor selbstbewussten Menschen, die Pilze suchen und ihre Familie bekochen. Aber was soll man dazu sagen im Pfälzerwald, wo praktisch jeder Pilze selbst sucht? Da war die Geschichte mit ihrer Mutter im katholischen Gottesdienst in Köln schon besser. Denn da singt sie – richtig gut, hat sie doch früher in Musicals gesungen, zuletzt die Schlange in „Tarzan - das Musical“.

Robert Alan findet es anstrengend

„Wenn du das hier schaffst, schaffst du es auch in Pirmasens“, sagt Robert Alan aus Würzburg, der das Publikum mit seinen Songs amüsiert. Die spielt er meist nur an, singt absurde Texte und macht keinen Hehl daraus, dass er es ziemlich anstrengend findet in Dahn. „Ihr ward ein …Publikum“, sagt er. Und tröstet kurz vor Schluss: „Wir haben es gleich geschafft.“ Dabei war die Bemerkung zum Ende hin, dass er sich mit Dinosauriern identifizieren kann, ganz witzig: großes Maul, großer Schwanz und Schuppen.

Im zweiten Teil lief alles besser. Vielleicht weil das Eis inzwischen gebrochen war. Die Lacher sind jetzt viel lauter und häufiger. Eine Frau kommt aus dem Kichern gar nicht mehr heraus.

Wenn das falsche Publikum kommt

Doch wenn man bedenkt, dass nur circa hundert Leute da waren, ist es nicht genug, wenn nur die Hälfte den Abend genießt. Immerhin ist die Veranstaltung ins Programm gekommen, weil die Macher der Sommerspiele kritisiert wurden, zu wenig für junge Leute zu bieten. Doch ausgerechnet die haben am Samstag gefehlt. Gekommen ist, sind die, die immer da sind, aber nur hundert. Stand-up-Comedy ist eben nicht jedermanns Sache, und wenn der Funke nicht überspringt, funktioniert gleich nichts. Das merken die Besucher. Sie applaudieren noch brav, es gibt vereinzelte begeisterte Rufe. Aber die Künstler kamen nicht zurück, um sich für dem Applaus zu bedanken, geschweige denn eine Zugabe zu geben.

Mehr zum Thema
x