Fussball RHEINPFALZ Plus Artikel Das Bundesliga-Jahr der Pirmasenser B-Junioren: Jede Menge Erzählstoff für mögliche Enkel

520 Zuschauer erlebten das erste Bundesliga-Spiel der FKP-Geschichte gegen Greuther Fürth und diesen Zweikampf von FKP-Verteidig
520 Zuschauer erlebten das erste Bundesliga-Spiel der FKP-Geschichte gegen Greuther Fürth und diesen Zweikampf von FKP-Verteidiger Alexander Heinze (links) mit dem damaligen Junioren-Nationalspieler Marino Müller.

Im Jahr 2010 stieg der FK Pirmasens aus der B-Junioren-Bundesliga ab. Dort waren jetzige A-Nationalspieler wie Matthias Ginter, Emre Can und Philipp Max Gegenspieler der Südwestpfälzer. Was sagen die damaligen FKP-Talente heute über das Erlebnis in der Eliteklasse, und was machen sie zehn Jahre später? Die RHEINPFALZ hat sich umgehört.

2008/2009 spielten die B-Junioren-Fußballer des FK Pirmasens eine fantastische Saison, meißelten etwas in die Vereinschronik ein, das unauslöschlich sein wird. Sie wurden unter dem Trainergespann Marco Geib/Stefan Wagner Meister der Regionalliga Südwest, bezwangen Hessenmeister SV Wehen Wiesbaden in zwei heißen Duellen und stiegen als erste FKP-Mannschaft überhaupt in die Bundesliga auf. Dort spielten sie unter anderem gegen Bayern München, Eintracht Frankfurt, den VfB Stuttgart, den SC Freiburg und die TSG Hoffenheim.

„Die Spieler, wir Trainer, Jugendkoordinator Rolf Fischer und auch die Eltern mussten für dieses Bundesliga-Jahr enorm viel auf sich nehmen. Aber es war für alle Beteiligten ein Jahr voller Erlebnisse, die auch keiner mehr vergessen wird“, spricht auch Peter Ohliger, der das Team in der U17-Eliteklasse dann coachte, von einem Höhepunkt seiner Karriere.

Tolle Meistersaison des FKP

Nur eine Begegnung verloren die FKP-B-Junioren in der Regionalliga-Meistersaison. „In Koblenz zogen wir einmal den Kürzeren, ansonsten war dieses Jahr das Schönste, was ich im Fußball erleben durfte. Es hatte einfach alles gepasst. Die Spieler, die Trainer, die Eltern – der Verein stand hinter uns. Das Zwischenmenschliche, die Kameradschaft – das habe ich so extrem nie mehr erlebt“, schwärmt Timo Helfrich, der beim 1:0-Sieg im Aufstiegsspiel gegen Wehen Wiesbaden vor 1000 Zuschauern im Stadion Spesbach bester Spieler auf dem Platz war und auch das einzige, entscheidende Tor köpfte.

Aber es war nicht der Meisterjahrgang 1993, der dann für den FKP in der Bundesliga spielte. Innenverteidiger Helfrich wechselte zur U19 der TSG Hoffenheim, Torjäger Christopher Ludy aus Leimen zum SC Freiburg und Junioren-Nationalspieler Felix Müller aus Rodalben zum FSV Mainz 05. Die FKP-U17 hatte auf sich aufmerksam gemacht.

Helfrich ist heute Bauleiter

„Ich hatte dann das Ziel, Profifußballer zu werden“, bekennt Timo Helfrich. Es sah auch lange gut aus. Er holte mit Hoffenheims U19 den Junioren-DFB-Pokal, schaffte als Regionalliga-Profi mit der SV Elversberg den Aufstieg in die Dritte Liga, und er spielte bis zum Sommer 2014 für den SVN Zweibrücken in der Regionalliga. „Da merkte ich aber langsam, dass es für ganz oben nicht reicht und habe daher immer mehr das Berufliche in den Vordergrund gestellt“, erklärt Helfrich. Heute ist er 28 Jahre alt, spielt in der A-Klasse für den SV Obersimten und hat es bei der Firma Karl Otto zum Bauleiter gebracht. „Ich bin in der Heimat geblieben und fühle mich superwohl“, sagt der waschechte Pirmasenser heute strahlend.

Gegen Bayern und Emre Can

Die Aufgabe, nach der Regionalliga-Meisterschaft eine neue U17 aufzubauen, die auch in der höchsten Liga mithalten kann, fiel Jugendkoordinator Rolf Fischer sowie den Trainern Ohliger und Andreas Grawert zu. „Ich glaube, wir konnten uns nach diesem unvergesslichen Jahr erhobenen Hauptes wieder aus der Bundesliga verabschieden. Wir haben immer anständige Ergebnisse abgeliefert“, führt Ohliger exemplarisch die 1:2-Niederlage auf der Husterhöhe gegen den FC Bayern München an. Der heute 53-jährige Angestellte der Stadtwerke weiß noch genau: „Coach bei den Bayern war Stefan Beckenbauer, der leider früh verstorbene Sohn von Franz Beckenbauer, und das Siegtor für die Bayern erzielte Emre Can per Kopfball.“ Ohliger spielte selbst für den FKP in der Oberliga und trainierte zehn Jahre lang den Nachwuchs von der U13 bis zur U19, hat jetzt aber viel Abstand zum Fußball. Sein Hobby heute? „Ich gehe gerne mit meiner Frau Alexandra und unserem Hund Rosa wandern.“

Heinze kickt heute bei Alemannia Aachen

Am weitesten gebracht im Fußball hat es aus der damaligen Bundesliga-Mannschaft Alexander Heinze. Der heute 26-Jährige blieb lange beim FKP, mit dem er in die Regionalliga aufstieg und dort Stammkraft war. „Die Reisen, die Übernachtungen in Hotels oder Jugendherbergen, die top Sportanlagen der Nachwuchsleistungszentren, dann die weite Reise nach Burghausen oder das Hotel in Fürth, wo wir den Mike Büskens, der damals Schalke 04 trainiert hat, im Schwimmbad getroffen haben“ – Heinze ist gleich auf Betriebstemperatur, wenn es um dieses eine Jahr in der B-Junioren-Bundesliga geht.

Als der FKP vor dreieinhalb Jahren unglücklich aus der Regionalliga abstieg, wechselte Heinze zu Alemannia Aachen. „Ich wollte dieses Niveau weiter spielen. Der Aachener Tivoli – das ist schon eine besondere Atmosphäre. Der Verein hat ein tolles Umfeld, genießt ein hohes Ansehen und will mittelfristig rauf in die Dritte Liga“, erzählt Heinze, der es beim Ex-Bundesligisten inzwischen zum Kapitän gebracht hat.

Und freitags war schulfrei

„Das war die größte Erfahrung, die ich im Fußball machen durfte.“ Auch Philipp Schneider muss nicht lange nachdenken, wenn es um das Jahr in der Bundesliga geht. „Ich habe gesehen, dass ich auch mit den Besten mithalten kann“, sagt der 27-Jährige, der nach erfolgreichem Studium als Beamter bei der Verbandsgemeinde Enkenbach-Alsenborn arbeitet, und geht sofort zu den Erlebnissen von damals über. Da die Pirmasenser meist freitags zu Auswärtsspielen anreisten, mussten sich die 17-jährigen Schüler stets eine Befreiung von der Schule einholen. „Das Gesicht von meinem Lehrer vergesse ich nicht, als ich ihm den Antrag zum ersten Mal vorlegte. ,Ist das dein Ernst?’, hatte er wohl den Verdacht einem Schüler-Scherz zu erliegen“, berichtet Schneider lachend. „Wir haben uns auf alle Gegner gefreut. In der U17 von Bayern München spielte damals Emre Can ebenso wie der Neu-Nationalspieler Philipp Max. Beim SC Freiburg war Matthias Ginter unser Gegenspieler“, sagt Schneider, da kämen beim Bundesliga schauen im TV heute immer noch Erinnerungen hoch. „Da ist doch jede Menge drin, wovon ich später mal meinen Enkeln erzählen kann“, erzählt Schneider, der heute für den FC Queidersbach in der Bezirksliga spielt, auch über seinen damaligen Mitspieler Timo Sammel. „Timo hatte einen wahnsinnig guten linken Fuß, geriet dann aber zum Pechvogel der Mannschaft“, leitet der Queidersbacher zum heutigen Trainer des TuS/DJK Pirmasens über.

Timo Sammel – vom Held zum Pechvogel

Jener Timo Sammel hat sich ganz besonders in der FKP-Chronik verewigt. Denn er erzielte beim 1:1 zu Hause gegen den 1. FC Nürnberg den 1:0-Führungstreffer und somit das erste Bundesliga-Tor der Pirmasenser. „Es war der dritte Spieltag. Wir spielten im Stadion vor eigenem Publikum, Julian Kölsch hatte mir nach einem schnellen Angriff über die rechte Seite im Strafraum quergelegt – und ich habe getroffen. Der Jubel war unbeschreiblich“, schildert Sammel sein ganz besonderes Tor. Es sei für ihn mit Sicherheit die schönste Zeit im Fußball gewesen. „Wir haben ja gegen den VfB Stuttgart, gegen 1860 München und gegen die Bayern geführt. Auch wenn es am Ende nicht gereicht hat: Wir hatten echt Qualität in der Mannschaft“, findet der waschechte Pirmasenser.

Sammel erlitt einen Kreuzbandriss, versuchte im U19-Bereich noch mal zurückzukommen. „Aber ich kam nie mehr an dieses Niveau heran. Die Schnelligkeit, die mich zuvor ausgezeichnet hatte, war einfach weg.“ Es kam die bittere Zeit für den leidenschaftlichen Fußballer. Ganz bitter wurde es, als er mit dem TuS/DJK Pirmasens zum Auswärtsspiel gereist war und er sich wegen Spielermangels überreden ließ, doch noch einmal aufzulaufen. „Nach zehn Minuten riss dann das zweite Kreuzband. Das war’s dann endgültig mit Fußball.“

Ein Hauch Professionalität umweht die B-Junioren

„Da hat uns schon ein Hauch Professionalität umweht. Wir mussten einen deutlich höheren Aufwand betreiben in diesem Jahr. Aber es hat sich gelohnt“, versichert Florian Hasemann, der mit drei Bundesliga-Treffern drittbester Torschütze des Teams war. Er kann sich an alle drei Treffer noch ganz genau erinnern. Das erste Tor gelang ihm gegen den 1. FC Kaiserslautern. „Am selben Tag hatte ich Geburtstag! Das zweite Tor war gegen den Karlsruher SC eine Volleyabnahme mit dem linken Fuß, meinem eigentlich schwachen Fuß.“ Beim dritten Mal traf er gegen 1860 München.

Hasemann spielte, bevor er zum FKP wechselte, beim FCK zusammen mit Willi Orban, der jetzt mit RB Leipzig in der Champions League am Ball ist. Nachdem er mit der zweiten Herrenmannschaft des FK Pirmasens in die Oberliga aufgestiegen war, wechselte er zu Mitaufsteiger FSV Jägersburg, bei dem er nun im sechsten Jahr aktiv ist. „Mir war auch das berufliche Standbein sehr wichtig“, betont der 27-jährige Beamte der Kreisverwaltung Kusel. „Im Fußball muss jeder irgendwann einmal der Realität ins Auge sehen und erkennen, wann es nicht mehr weiter nach oben geht.“

Nach Burger-Sause raucht’s ordentlich

Der Hinterweidenthaler Daniel Tretter wäre nicht er selbst, wenn ihm zu seinem einzigen Spieljahr in der Bundesliga nicht auch was Lustiges einfallen würde: „Wir waren in München vor dem Samstagsspiel vom Hotel aus noch ins McDonald’s gegangen. Da der Trainer das spitzgekriegt hat, hat es dann aber mal ordentlich geraucht.“ Er werde dieses Jahr nie vergessen. Tretter: „Auch wenn wir viermal in der Woche trainiert haben, freitags zum Auswärtsspiel gestartet sind, samstags gespielt haben und kaum einen freien Tag hatten – schön war’s!“ Heute ist Tretter Co-Spielertrainer des SV Hinterweidenthal in der Landesliga. Das ganze Drumherum bei den Nachwuchsteams der Profivereine hat ihm schon imponiert.

Fünf Jahre spielte der heutige Groß- und Außenhandelskaufmann bei den FKP-Junioren, um dann sieben Jahre auf der Husterhöhe Nachwuchsteams zu trainieren. „Eine gescheite Grundausbildung im Fußball bleibt einem erhalten. Der Spieler profitiert immer davon. Ich bin stolz, dass ich dem Verein auch etwas davon zurückgeben konnte, was er mir ermöglicht hat.“

Nach 26 Spieltagen in der höchsten Spielklasse für U17-Fußballer schloss der FK Pirmasens die Saison 2009/10 als Tabellen-13. ab. Neben zwei Siegen beim SSV Ulm (3:1) und zu Hause gegen Mitaufsteiger TuS Ergenzingen (1:0) erreichte der FKP zwei Unentschieden gegen den 1. FC Nürnberg (1:1) und den Karlsruher SC (0:0). Mit acht Punkten und einem Torverhältnis von 18:72 stieg die Mannschaft zusammen mit Wacker Burghausen und Ergenzingen wieder aus der Bundesliga ab.

Der Weg in die Bundesliga

1. Bundesliga-Aufstiegsspiel am 13. Juni 2009:

FK Pirmasens - SV Wehen Wiesbaden 1:0

FK Pirmasens: Hektor - Sammel, Will, Helfrich, Weishaar - Conzelmann (57. Megel), Müller, Nagel, Schmitt - Hoffmann, Ludy (76. Malter)

Tor: 1:0 Helfrich (6.) - Zuschauer: 1000

2. Bundesliga-Aufstiegsspiel am 21. Juni 2009:

SV Wehen Wiesbaden - FKP 1:1

FK Pirmasens: Hektor - Weishaar, Helfrich, Will, Sammel - Conzelmann (63. Megel), Nagel, Müller, Schmitt - Hoffmann, Ludy (66. Burkhard)

Tore: 0:1 Schmitt (13.), 1:1 Triadis (59.) - Zuschauer: 1500.

Das Bundesligateam

Alle Einsätze, alle Tore

Torhüter: Thorsten Hektor 20 Bundesliga-Einsätze/2 Tore, René Schreiner 7/0, Florian Miszkowiak 0

Abwehr: Alexander Heinze 21/1, Manuel Megel 21/0, Philipp Schneider 25/0, Sebastian Glaser 25/0, Julian Raquet 25/0, Mischa Fisterer 18/1, Michael Krauch 14/0, Florian Steinhauer 11/1, Espoire Lenda Mbote 4/0, Gerit Fremgen 1/0, Felix Assel 1/0, René Wenz 1/0

Mittelfeld und Angriff: Timo Sammel 25/2, Redha Tergou 23/1, Jonas Kölsch 21/6, Marcel Brödel 3/0, Jeffrey Renner 23/0, Andreas Lechner 6/0, Fabian Groh 2/0, Florian Hasemann 26/3, Fabian Hirschinger 2/0, Manuel Malter 15/0, Marvin Höbel 3/0, Daniel Tretter 14/0, Michael Bittner 10/0, Phil Lutter 9/1

Der Kader für die erste und bislang einzige Bundesliga-Saison des FK Pirmasens (hintere Reihe von links): Michael Bittner, Jeffr
Der Kader für die erste und bislang einzige Bundesliga-Saison des FK Pirmasens (hintere Reihe von links): Michael Bittner, Jeffrey Renner, Sebastian Glaser, René Wenz, Manuel Megel, Marcel Brödel und (mittlere Reihe) Trainer Peter Ohliger, Co-Trainer Andreas Grawert, Alexander Heinze, Michael Krauch, Philipp Schneider, Julian Raquet, Florian Hasemann, Phil Luther und sowie (sitzend) Timo Sammel, Manuel Malter, René Schreiner, Thorsten Hektor, Max Wolfsteiner, Florian Miszkowiak und Marvin Höbel. Es fehlen Co-Trainer Pascal Ott, Daniel Tretter und Jonas Kölsch.
Emre Can (rechts), heute A-Nationalspieler und im Sommer für 25 Millionen Euro von Juventus Turin zu Borussia Dortmund gewechsel
Emre Can (rechts), heute A-Nationalspieler und im Sommer für 25 Millionen Euro von Juventus Turin zu Borussia Dortmund gewechselt, spielte als B-Junior für Bayern München in der U17-Bundesliga und traf dort im Sportpark Husterhöhe auf Mischa Fisterer vom FK Pirmasens.
Der damalige Junioren-Nationalspieler Felix Müller aus Rodalben (im Vordergrund rechts, heute Drittliga-Profi bei der Spielverei
Der damalige Junioren-Nationalspieler Felix Müller aus Rodalben (im Vordergrund rechts, heute Drittliga-Profi bei der Spielvereinigung Unterhaching) war einer der wesentlichen FKP-Akteure bei der Meisterschaft 2009 in der B-Junioren-Regionalliga und dem 1:0-Sieg im Bundesliga-Aufstiegsspiel vor 1000 Zuschauern im Stadion Spesbach gegen Hessenmeister SV Wehen Wiesbaden – hiervon diese Szene mit Dominik Will (links, heute Landesliga-Spieler bei den Sportfreunden Bundenthal) und dem Wiesbadener Balcan Sari (später Oberliga-Spieler beim SV Gonsenheim).
Schoss gegen den 1. FC Nürnberg das erste Bundesliga-Tor der FKP-Geschichte: Timo Sammel, heute Trainer des TuS/DJK Pirmasens in
Schoss gegen den 1. FC Nürnberg das erste Bundesliga-Tor der FKP-Geschichte: Timo Sammel, heute Trainer des TuS/DJK Pirmasens in der B-Klasse.
x