Pirmasens
Coronavirus beschert Pirmasenser Firma „Conserva“ Überstunden und volle Auftragsbücher
2012 hat der Pirmasenser Unternehmer Ralph Hensel mit dem Kauf der Marke „Conserva“ offenbar auf das richtige Pferd gesetzt. Aktuell ist „Conserva“ laut Hensel zwar noch nicht restlos ausverkauft. Die Mitarbeiter im Logistikzentrum auf der Husterhöhe arbeiten jedoch am Limit, wie Hensel per Telefon vom aktuellen Firmensitz der Convar-Holding im englischen Rochester berichten kann. „Conserva“ vertreibt Notpakete mit Lebensmitteln und Wasserfiltern und produziert Emergency-Riegel, Dosenbrot oder auch Fertiggerichte, die sehr lange haltbar sind. Im Dezember habe Conserva noch Lieferzeiten von ein bis drei Tagen anbieten können, berichtet Hensel. Jetzt seien bis zu 25 Tagen Lieferzeit nötig, um die Bestellung zu erledigen. „Tendenz steigend“, so Hensel.
Das Unternehmen fährt zusätzliche Schichten
Es hängt an der logistischen Abwicklung. Während früher rund 150 Aufträge pro Tag abgearbeitet worden seien, laufen derzeit laut Hensel über 500 Aufträge am Tag in das Logistikzentrum in Pirmasens. „Das lässt sich nicht einfach hochregeln“, bedauert der Unternehmer. Die Mitarbeiter würden bereits Samstagsschichten fahren. Allerdings hänge es nicht nur an der menschlichen Arbeitskraft. Zeitweise fehlten die Kartons für den Versand. Zudem machen sich Beschränkungen im internationalen Warenverkehr bemerkbar. „Wir beliefern ja nicht nur den deutschen Markt“, so Hensel. Für Lieferungen nach Frankreich oder Italien gebe es Probleme. Viele Speditionen weigerten sich inzwischen nach Italien zu fahren, da sie nicht sicher seien, ob sie auch wirklich über die Grenze kommen und der Fahrer anschließend auch wieder zurück darf.
Es gibt keine Ladenhüter in der aktuellen Situation
Das umfangreiche Conserva-Sortiment sei komplett gefragt, berichtet Hensel. Ladenhüter gebe es aktuell nicht. Während die Kunden früher nach Geschmack aussuchten und sich beispielsweise für Hirschgulasch oder Sauerbraten entschieden, werde aktuell alles bestellt. „Jetzt wird genommen, was verfügbar ist.“ Klassiker wie die von Conserva entwickelte „Street-Worschd“, eine Pirmasenser Variante der Currywurst in Dosen, sind schon lange ausverkauft. Selbst rein vegetarische Gerichte sind nicht mehr lieferbar. Die Kunden suchten bei Conserva einen Notpuffer, was Hensel als verständlich ansieht und für den Pirmasenser eine vernünftige Maßnahme darstellt. „Die Leute kaufen sich doch auch einen Feuerlöscher und Verbandskasten nicht erst, wenn es brennt oder sich jemand geschnitten hat“, stellt Hensel seine Sicht auf so genannte Hamsterkäufe dar.
Zu den 85 Mitarbeitern sollen weiter dazu kommen
Bei „Conserva“ auf der Husterhöhe arbeiten laut Hensel aktuell 85 Mitarbeiter in der Logistik und beim Kundenkontakt. Diese Zahl werde weiter steigen, versichert der Unternehmer. Mit dem Unternehmen „Conserva“ hat Convar bereits seit 2002 zusammengearbeitet. 2012 wurde der Betrieb dann übernommen. „Conserva“ vertreibt so genannte Notvorratpakete für einen Tag, eine Woche oder einen Monat. Außerdem werden mindestens zehn Jahre lang haltbare Lebensmittel auch einzeln in Dosen verschickt. Das Vorratspaket für eine Woche beinhaltet beispielsweise mehrere verschiedene Gerichte wie Bratkartoffeln mit Speck, Curryfrikadellen und Tortellini in Schinken-Sahnesoße. Dazu kommen noch Milchreis und Energieriegel. Von den Notvorratpaketen ist aktuell nur noch die Basisversion verfügbar. Die Premiumpakete sind ausverkauft. Neben dem Vertrieb eingekaufter Produkte hat „Conserva“ auch mehrere Eigenmarken, die selbst entwickelt und produziert werden.