Pirmasens
Corona macht Kinder selbstständiger
„Im Haus des Kindes gibt es lediglich kleinere Einschränkungen, der Alltag ist nahezu ganz wieder hergestellt“, sagt Susanne Schmechel, die seit August die Kindertagesstätte auf der Husterhöhe leitet. Als im März die Kindergärten schließen mussten, sei das ein großer Einschnitt gewesen, sowohl für die Kinder und ihre Eltern als auch für die Erzieher. „Wobei wir wirklich sagen müssen, dass die Kinder das fast am besten weggesteckt haben“, hat sie beobachtet.
„Nachdem die ersten Notfallverordnungen in Kraft traten, haben wir schnellstmöglich eine Versorgung für Eltern in systemrelevanten Berufen sichergestellt“, erinnert sich Bettina Walnsch. „Auch hier haben die Kleinen alles gemeistert: eine unbekannte Umgebung ohne vertraute Erzieherinnen und Freunde waren in dieser Übergangszeit in den wenigstens Fällen ein Problem“, berichtet sie.
Krise lässt Erzieher, Eltern und Kinder zusammenrücken
Probleme hatten oft eher die Eltern und die Mitarbeiter in den Kindertagesstätten. „Für uns war die Zeit ohne Kinder schwer“, unterstreicht Schmechel. So gut es ging, hätten sie versucht, mit den Kleinen und ihren Eltern in Kontakt zu bleiben. „Wir mussten und wollten kreativ werden, damit die Kinder sehen, dass wir immer für sie da sind und an sie denken“, sagt sie. So entstanden beispielsweise Videos, Bastelpakete und Osterkarten. „Zudem haben viele Erzieherinnen zur Nähmaschine gegriffen und nahezu die ganze Stadtverwaltung mit Masken versorgt“, erzählt Walnsch. In der Krise habe sich gezeigt, wie sehr die Kollegen, Eltern und Kinder zusammengerückt seien.
Durch die vielen Änderungen und ungewohnten Abläufe seien die Kinder in den letzten Monaten viel selbstständiger geworden, hat Susanne Schmechel beobachtet. Das sei auch ein Grund, warum das Haus des Kindes noch nicht alle Einschränkungen gelockert hat. „Noch immer nehmen wir die Kinder am Eingang unter Einhaltung des Sicherheitsabstands in Empfang, dann gehen sie mit der Erzieherin, aber ohne Eltern zur Garderobe und in ihre Gruppenräume“, sagt Schmechel. Das habe sich bewährt, und so lange die Krise nicht wirklich beendet sei, wolle sie diesen Ablauf auch beibehalten. „Die Kinder können das wirklich sehr gut allein“, sagt sie.
Erzieher tragen nur in Kontakt mit Eltern Maske
In der Arbeit mit den Kindern tragen die Erzieherinnen keine Mund-Nasen-Masken, und auch der Sicherheitsabstand spiele im Umgang mit den Kindern keine Rolle. „Die Nähe und auch die Mimik sind gerade für die Kleinen so wichtig.“ Für die Mitarbeiter gebe es lediglich eine Empfehlung zum Tragen der Maske, durchgesetzt habe sich das nicht. Im Kontakt mit den Eltern hielten sich jedoch alle daran.
Schmechel ist froh, dass inzwischen wieder Normalität eingekehrt ist. Lediglich auf das Thema Hygiene gehe man dabei mit den Kindern noch mehr als ein als vorher. „Sobald wir mit den Kindern arbeiten, sind die Abläufe genauso wie vor Corona“, ergänzt sie. In der Turnhalle wird getobt, einige der Kinder spielen zusammen Brettspiele oder im Kaufladen − Kindergartenalltag. „Wir wünschen uns nichts mehr, als dass es weiterhin so bleibt“, sagt Schmechel.