Pirmasens
Corona-Hilfen: Warum ein Gastronom nicht versteht, dass so viele meckern
Der Pirmasenser Gastronom Andreas Külzer, der zusammen mit seiner Frau Steffi das Café-Bistro Die Hutschachtel betreibt, möchte inmitten der Pandemie eine Lanze für die Politik brechen und sichhl sowofür staatliche Hilfen als auch für Unterstützung der Stadt Pirmasens bedanken. Dass von manchen Menschen nur gemeckert werde, möchte er nicht hinnehmen – vielmehr wünscht er sich Zusammenhalt und gegenseitiges Verständnis.
„Seit Beginn der Pandemie höre ich täglich viel Negatives, dabei gibt es auch positive Effekte, die so eine Krise mit sich bringt“, sagt Külzer. Er habe beobachtet, dass die Menschen ein Stück weit rücksichtsvoller und achtsamer geworden sind, auch wenn viele trotzdem nur das Schlechte sähen oder die Folgen einer Infektion mit dem Coronavirus kleinredeten. „Das wird auch hier in Pirmasens deutlich, wo viele Einheimische sowieso auf ihre Stadt schimpfen“, sagt der gebürtige Mannheimer. Dahingehend sei Pirmasens irgendwo schon ein „negatives Pflaster“, meint Külzer, der mit Frau und Tochter länger auch in Potsdam gelebt hat.
Ohne Hilfen hätte er schließen müssen
Zwar sei die Situation selbst nach über einem Jahr noch ungewohnt – und jeder hadere derzeit mit politischen Entscheidungen. Dennoch sei nicht alles schlecht, wie Külzer im Gespräch mehrfach betont. Vor allem der Blick nach Indien, wo die Corona-Lage aktuell gravierende Probleme verursacht, zeige, dass es den Menschen im Industrieland Deutschland vergleichsweise gut geht. „Klar hat unsere Regierung Fehler bei der Beschaffung des Corona-Impfstoffes gemacht, aber aktuell holt Deutschland auf, was die Zahl der Geimpften angeht. Besonders die, die es selbst nicht besser wissen, reden alles schlecht“, meint Külzer.
Der Gastronom ist froh über Hilfen von Bund und Land, ohne die er sein Café bereits hätte schließen müssen. „Wir hätten sonst nicht gewusst, wie wir überleben sollen. Anstatt sich zu mokieren, dass die finanzielle Unterstützung mancherorts zu spät auf dem Konto landet, sollte man sich vielleicht einmal für die Hilfe bedanken“, sagt Külzer, der in der Hutschachtel aktuell einen Abholservice bietet.
Viele Gläubiger zeigen Verständnis
Gläubiger wie die Stadtwerke oder Vermieter von Restaurants oder Geschäften zeigten in der Krise Verständnis für die finanziellen Nöte ihrer Kunden und Mieter, so Külzers Erfahrung – das sei nicht selbstverständlich. Löbliche Worte findet der Gastronom auch für die Stadt Pirmasens und Oberbürgermeister Markus Zwick. „Er kämpft für seine Stadt, was das Zeug hält, und versucht, den Menschen Mut zu machen. Auch das verdient Respekt“, findet Külzer.
Den Kampfesgeist der Pirmasenser Einzelhändlerin Ilka Knüttel, die im März gegen die Corona-Regeln des Landes klagte, damit allerdings vor dem Verwaltungsgericht in Neustadt scheiterte, bewundert der zugezogene Gastronom ebenso – denn schließlich habe sie in der Krise nicht aufgegeben, sondern die Ärmel hochgekrempelt. „Hätte ich in diesen Zeiten das nötige Kleingeld gehabt, hätte ich mich an der Klage beteiligt. Die Einzelhändler und alle Gastronomen, die einen Abholservice bieten, tun ihr Bestes, um zu überleben und wenigstens ein bisschen Leben in die Stadt zu bringen.“
Andreas und Steffi Külzer hoffen, dass sie zu Pfingsten wieder die ersten Gäste auf ihrer Außenterrasse der Hutschachtel begrüßen dürfen. „Wir sind guter Dinge, dass das Ende Mai möglich sein wird. Ich weiß die Bemühungen aller einfach zu schätzen, und bin sicher, dass das Ganze jetzt in die richtige Richtung geht“, sagt der Gastronom.

