Open-Air
Burg Lemberg: Show von System Of A Stu begeistert Fans
Im Vergleich zum Festivalauftakt am Vortag, an dem die fünf Bon-Jovi-Verehrer von Bounce das Publikum im Alter von Ende 40 / Anfang 50 ansprachen, wurden am Samstagabend die jüngeren Jahrgänge bedient. Denn die Vorbilder der beiden auf die Burg gebuchten Bands, System Of A Down und Limp Bizkit, schafften es um die Jahrtausendwende, weltweit zu Superstars zu werden.
Die Band System Of A Down aus Kalifornien um Sänger und Mastermind Serj Tankian veröffentlichte im Zeitraum von 1998 bis 2005 fünf mehrfach mit Platin veredelte Studioalben. Das Quartett ist als Liveband weiterhin aktiv, sieht sich aufgrund von kreativen Konflikten zwischen Tankian und Gitarrist Daron Malakian jedoch außerstande, gemeinsam neue Songs aufzunehmen – und Konzerte gibt´s nur alle Schaltjahre zu besonderen Anlässen, etwa auf großen Festivals.
Da steht den Fans der Mund offen
Vor diesem Hintergrund kommt der deutsche Nachlassverwalter System Of A Stu aus Heinsberg bei Köln ins Spiel und stößt seit 2019 kompetent und spielfreudig – zumindest in Deutschland – in die durch die Missstimmung bei den Vorbildern entstandene Marktlücke. So auch am 31. August in Lemberg auf der großzügigen Bühne in den Ruinen der einstigen Burgkapelle auf dem Festivalgelände in luftigen 458 Metern über Normalnull mit seiner beeindruckenden Aussicht.
Schon mit dem brachialen „Suite Pee“ gab das Quintett bei seinem Lemberg-Debüt die Marschrichtung für die kommenden neunzig Minuten vor: spielfreudig, instrumental beeindruckend kompetent und mit brachialem Sound ausgestattet. Da stand so manchem Fan ob der vom Fleck weg in den Bann ziehenden Authentizität der Mund weit offen.
Tolle Stimmung
Der agile Sänger Denis Funk legte im Laufe des Abends etliche Meter auf der Bühne zurück und vermochte es innerhalb kürzester Zeit, das Publikum vorbildlich ins Konzertgeschehen zu integrieren, was die Stimmung im weiten Rund immer mehr anheizte. Matthias Jung am Bass und Schlagzeuger Patrick Decker bildeten das immens groovende Rhythmusfundament, auf dem die vorbildlich aufspielenden Gitarristen Julian Chambers und Ralf Sontag glänzen konnten. Natürlich präsentierte die Band die größten Hits des Originals wie etwa „Toxity“, das rasend schnelle „B.Y.O.B.“ sowie „I-E-A-I-A-I-O“ inklusive hymnischem Ohrwurm-Refrain, das regelrecht abgefeiert wurde.
Die Mixtur verschiedenster Stile von Alternative Metal, Nu Metal, Heavy Metal über Grunge, Progressive Metal, Psychedelic Rock und Punkrock bis hin zur armenischen Folklore kam wohl am besten im furios gecoverten „Cigaro“ vom 2005 erschienenen Mezmerize-Album zur Geltung. So mancher neutrale Rockmusik-Anhänger würde diesen Song wahrscheinlich eher als „Queen zu Freddie-Mercury-Zeiten auf LSD“ bezeichnen. Die zahlreichen System-Of-A- Down-Anhänger dagegen bildeten direkt vor der Bühne gar einen Moshpit, also einen Kreis, in dem die Zuschauer tanzen, als Ventil für ihre Begeisterung und ihren Bewegungsdrang. Doch auch „Lonely Day“ und der Ohrwurm „Chop Suey“ erhielten begeistertes Feedback von den Zuschauern, die System Of A Stu mit lange anhaltendem Beifall und lautstarkem Gejohle verabschiedeten.
Pimp Blitzkid lassen sich Zeit
Die Limp Bizkit-Klone Pimp Blitzkid ließen sich danach viel zu lange Zeit, um die Bühne zu entern. Anstatt den relativ rasch erfolgten Umbau und die durch System Of A Stu kreierte famose Partystimmung auszunutzen, dauerte es eine gefühlte Ewigkeit, bis die Formation aus Kirn endlich mit „Hot Dog“ loslegte. Zwar hatte die Gruppe um Frontmann Rich Durst mit „Nookie“, „Rollin'“, „Break Stuff“, „Behind Blue Eyes“ und „My Way“ zahlreiche große Hits der Vorbilder aus Florida im Gepäck, doch an die von System Of A Stu erzeugte Feierstimmung vermochten sie nicht mehr ganz anknüpfen.
Nichtsdestotrotz muss von einem gelungenen zweiten Tag des Open-Airs auf Burg Lemberg gesprochen werden, da vom 20-köpfigen Veranstalter-Team über alle Musiker bis hin zum Publikum nur fröhliche und gut gelaunte Leute zu sehen waren.
Nächstes Konzert am 6. September
Das Open-Air findet traditionell am letzten August- und ersten September-Wochenende statt. Am 6. September spielen Mad Zeppelin und Foo Fighterz auf der Burgruine, tags darauf Brothers In Arms und Journeye. Tickets gibt´s im Vorverkauf auf der Seite pfalzshow.de/bands/burglemberg und, falls noch verfügbar, auch an der Abendkasse. Beginn ist jeweils um 20.30 Uhr.