Pirmasens
Brahms’ „Magelone“ beim Festival „Euroclassic“: Der verliebte Ritter
Der in Pirmasens bestens bekannte Bassbariton Klaus Mertens (70) faszinierte am Sonntag beim Euroclassic Festival mit seiner Interpretation des selten aufgeführten 90-minütigen Liederzyklus „Die schöne Magelone“ von Johannes Brahms etwa 170 Besucher in der Alten Post.
„Die schöne Magelone“ nach einer Erzählung von Ludwig Tieck geht zurück auf die altprovenzalische Liebesgeschichte des Grafen Peter und der Prinzessin Magelone von Neapel aus dem 15. Jahrhundert und knüpft an die Tradition der mittelalterlichen Minnelieder an. Brahms machte aus den 18 Romanzen der Tieck-Erzählung 15 Lieder.
Unaufgeregt und doch voll Eindringlichkeit gestaltete Klaus Mertens, der auch die Rolle des Erzählers übernahm, mit dem jungen ukrainischen Pianisten Volodymyr Lawrynenko diese Ballade. Sie beschwor immer wieder szenische Bilder vor dem inneren Auge der Zuhörer herauf. Lyrische Form, Erzählcharakter und szenische Direktheit verbinden sich zu einer stimmigen Einheit.
Wachsende Erregung
Die ersten Lieder des 1869 veröffentlichten Zyklus beschreiben die Gefühle des frisch verliebten und verwirrten Ritters Peter. Zu den verhalten perlenden Klavierakkorden zeichnete Mertens mit seinem schlanken und doch voll tönenden Bassbariton die wachsende Erregung des jungen Mannes nach. Tief grollten die Akkorde am Flügel. Sie wühlten sich immer tiefer in die Melodie hinein, als Mertens voller Leidenschaft Gehör für seine Liebe einforderte. Immer wieder fiel die lautmalerische Melodie in sich zusammen, ein Moment der Erschlaffung, aus dem sich Mertens’ klangvoll aufblühende Stimme mit einem metallischen Unterton wieder zu neuer Kraft erhob. Im ersten Zusammentreffen Peters mit Magelone eskalierten die Gefühle: Bebende Erregung und Schwung lebten in der Stimme des Sängers im Lied „So willst du des Armen dich gnädig erbarmen?“ auf. Die Freude des Ritters Peter über die Erwiderung seiner Gefühle ließ Mertens zu einer munteren Weise in schmiegsam-weichen Klängen lebendig werden.
Die Flucht des Liebespaars
Die ganze Spanne der Emotionen des jungen Mannes brachte Mertens in der Ballade „Ruhe, Süßliebchen“ zum Ausdruck, als er sich während ihrer Flucht in den Anblick der schlafenden Geliebten verliebt. Leuchtende Höhe, weiche Intonation und weit geschwungene Melodiebögen hob Mertens hier nuancenreich hervor. Die hell-perlenden Klavierakkorde steigerten sich zu einer wogenden Weise, in die Mertens kraftvoll einfiel.
Das Glück schlug in erregt brandende Akkorde und hektisch vibrierenden Gesang um, als Peter bei der Verfolgung eines Raben, der Magelones Ring gestohlen hat, in Seenot gerät.
Rettung im Wald
Doch beide sollten gerettet werden – die im Wald auf der Suche nach Peter umherirrende Magelone von einem alten Fischerpaar, Peter von einem heidnischen Schiff. Als sich Sulima, die Tochter des Sultans, in ihn verliebt, flieht er und findet Magelone wieder. Mertens entfaltete hier ein reiches Gefühlspanorama sowohl aus der Perspektive des Ritters als auch der seiner Geliebten. Seine facettenreiche Interpretation, die Lawrynenko mit feinfühligem Spiel begleitete, fesselte durch subtil ausschattierte Nuancen und Gestaltungstiefe.
Auch als Erzähler zog Mertens die Zuhörer mit seinem bewusst zurückhaltenden und gerade dadurch so intensiven Vortrag in seinen Bann.