Pirmasens Besonderes Spiel für die Balljungs
«PIRMASENS.» Dem Lockruf des Deutschen Fußballbunds in den Sportpark Husterhöhe zum Länderspiel seiner U16 (Jahrgang 2003) gegen die belgische Auswahl folgten gestern letztlich 858 Zuschauer – der mit Abstand schlechteste Besuch eines deutschen Junioren-Länderspiels im 2004 eröffneten Stadion. Trotz der 1:4-Niederlage der Deutschen feierten die Kinder und Jugendlichen im Publikum ihr Team.
Möglich machte das Länderspiel in Pirmasens der DFB-Vizepräsident Jugend, Hans-Dieter Drewitz (Haßloch). „Ich hatte ihn Anfang des Jahres beim Spiel unserer ersten Mannschaft gefragt, ob es mal wieder möglich ist, ein Länderspiel auszutragen“, erzählte der Präsident des FK Pirmasens, Edgar Schütz, „und er sagte gleich, dass da bald was passieren kann“. „Bei uns gibt es keine zehn Jahre Wartezeit“, merkte der gestern auf der Tribüne sitzende Drewitz dazu an. Dass es „nur“ ein U16-Länderspiel wurde, lag auch daran, dass die Stadionkapazität nicht mehr ausreicht, um ein Länderspiel der mit Bundesligaprofis besetzten U21 auszurichten. Schütz: „Da haben sich die Statuten geändert.“ Drewitz freute sich mit dem FKP, dass er ihm kürzlich die FCK-Profis im Verbandspokal-Achtelfinale als Gegner zugelost hat: „Darauf hat die ganze Region gewartet. Ich bin mir sicher, das Spiel wird ausverkauft sein.“ Im Stadion-Innenraum rannten die Einlaufkinder, die mit DFB-Jerseys ausgestatteten F-Jugendlichen des Ludwigshafener SC, gerade mit einem Lächeln vom Spielfeld, da fing die Arbeit für die Balljungen erst richtig an. Für den 14-jährigen Nico Jeckel aus der C-Jugend des FKP war es ein besonderes Spiel. „Es ist sehr schön, hier zu sein. Wir haben auch vorhin schon mit unserem Team darüber gesprochen, ob da vielleicht ein Spieler dabei ist, der mal ein Star wird“, sagte der FKP-Nachwuchsspieler, der auch gerne beim Verbandspokal-Hit gegen den FCK an der Seitenlinie gestanden hätte. Doch dafür sei ein anderes Jugendteam des FKP nominiert worden. Für Nico Jeckel hatte die Vorbereitung auf seinen ersten DFB-Einsatz zwei Tage zuvor begonnen. „Wir sind von unserem Trainer Patrick Müller vorab informiert worden, wie wir uns während des Spiels verhalten sollen.“ Bereits zwei Stunden vor dem Anpfiff waren die Balljungs gestern im Stadion. Sie probten, wie die Flagge beim Abspielen der Nationalhymnen vor dem Anpfiff zu zeigen war. Auch rund 30 mitgereiste belgische Fans feuerten ihre Farben an. „Sehr schönes Stadion, tolle Atmosphäre. Auch das Hotel in Homburg und die Trainingsbedingungen waren super“, schwärmte der Co-Trainer der „Roten Teufel“, David Penneman, nach dem 4:1-Sieg seines Teams. Die Anhänger der U16 Belgiens knipsten nach Spielende noch eifrig Erinnerungsbilder und feierten ihre Spieler. Im Publikum war auch eine Jugendmannschaft des SV Lemberg. „Die Spieler waren gleich Feuer und Flamme, als ich vorschlug, zu dem Spiel zu gehen“, berichtete Marc-Kevin Schaf, C-Jugend-Trainer und Jugendleiter beim SVL. 15 Spieler seines Teams kamen ins Stadion. „Es ist sehr interessant für meine Jungs. Die Spieler der U16 sind gerade mal ein Jahr älter als sie. Da sehen sie mal, welche Unterschiede es da gibt“, meinte der Finanzbeamte. Unweit der Lemberger Delegation saß Fritz Fuchs, der die U16-Nationalspieler ganz genau beobachtete. Der einstige Bundesligaspieler- und -trainer, heute Berater der A-Nationalspieler Antonio Rüdiger (FC Chelsea) und Amin Younes (SSC Neapel), hielt Ausschau nach jungen Talenten. Der frühere Trainer des FKP und des SV Hermersberg bemängelte die Spielweise der DFB-Elf: „Wir machen das Spiel, und die anderen schießen die Tore. Es ist genau das, weshalb wir bei der Weltmeisterschaft frühzeitig ausgeschieden sind.“ Beim DFB sei jedoch inzwischen ein Umdenkprozess hinsichtlich der Spielausrichtung angestoßen worden. Gespräche mit den U16-Spielern wolle er allerdings jetzt noch nicht führen. „Die Spieler kommen dann später auf uns zu, meist wenn sie nicht mehr zufrieden sind mit ihrem Klub. Wir versuchen dann, den richtigen Trainer und Verein für sie zu finden“, sagte Fuchs. Bericht im überregionalen Sportteil