Pirmasens
B 10: Warum die Sanierung der Fehrbachtunnel so lange dauert und so teuer ist
22 Millionen Euro hatten die B-10-Tunnel bei ihrer Einweihung 2003 gekostet. Jetzt musste der Landesbetrieb Mobilität (LBM) noch mal die Hälfte dieser Summe draufpacken, um die zwei Tunnelröhren so sicher zu machen, wie es die aktuellen Vorschriften wollen. Und die ändern sich schneller, als der LBM bauen kann. Noch während der im März 2018 gestarteten Sanierung kamen weitere Vorschriften dazu, das Projekt wurde teurer und dauerte länger. „Die Entwicklung ist wahnsinnig schnell. Das wird der modernste Tunnel im Land. Dabei ist es gar kein reiner Tunnel“, meint der Kaiserslauterer LBM-Leiter Richard Lutz. Die Planer hätten sich jedoch dafür entschieden, die 250 Meter langen Röhren mit 555 Meter offener Galerie wie einen normalen Tunnel zu behandeln.
Differenzen zwischen Plan und Realität
Einer der größten Kostentreiber war der Durchgang von der Südseite der Tunnelgalerie zur Nordseite mit einem Rettungsmeldepunkt. Vor Ort ist eine unscheinbare Tür in der massiven Betonwand zu sehen, die es aber in sich hatte. Der Durchbruch offenbarte, dass die Pläne nicht stimmten. Im Plan war ein ganz anderes Niveau angegeben, erklärt Lutz. Wie es zu der Differenz zwischen Plan und Realität gekommen ist, kann Lutz nicht sagen. Verschiedene Dienststellen seien damals vor 20 Jahren mit dem Bau befasst gewesen. Das lasse sich jetzt nicht mehr klären.
Ein weiterer Kostentreiber waren die Löschwasserleitungen. Die sollten eigentlich im Tunnel an der Decke verlegt werden. Dann änderten sich die Richtlinien und die Leitungen müssen künftig einer gewissen Zeit im Feuer widerstehen, was im Tunnel nicht der Fall sei, weshalb die Leitungen über dem Tunnel verlegt werden mussten. Das kostete erneut zusätzliches Geld und natürlich auch mehr Zeit.
Hohes Sicherheitsniveau
Beeindruckend ist das Sicherheitsniveau der Tunnel, die künftig noch moderner als die B-10-Tunnel bei Annweiler und viele andere Tunnel sein werden, wie Lutz versichert. An jede Eventualität wurde gedacht. Am Staffelhof steht ein vier Meter hoher und 100 Kubikmeter fassender Bau, in dem permanent das Löschwasser für den Fall der Fälle vorgehalten wird. Das Wasser werde immer bewegt, um im Winter zu verhindern, dass es einfriert. In 1,25 Minuten werden damit die Löschwasserleitungen im gesamten Tunnel gefüllt und die Feuerwehr kann an sechs Hydranten mit dem Löschen loslegen. Allerdings nicht nur bei einem Feuer im Tunnel. Sollte am Staffelhof oder in der Baumgartenstraße von Fehrbach ein größeres Feuer ausbrechen, dürfe das Wasserreservoir natürlich auch angezapft werden, betont Lutz.
Neben dem Reservoir finden sich zwei Betriebsgebäude, die mit dutzenden Schaltschränken gefüllt sind. Von dort aus wird die gesamte Sicherheitstechnik autark gesteuert. Ein eigener Trafo sorgt für die passende Spannung und rund 100 Akkus für die Notstromversorgung – sollte dummerweise der Strom ausfallen, wenn im Tunnel ein Unfall passiert. Dann geht die Meldung in Sekundenbruchteilen an die Rettungsleitstelle, Feuerwehr und Polizei. Die Schranken vor den Tunneln sowie an den Zufahrten schließen sich automatisch und die Notbeleuchtung wird eingeschaltet. Wenn die Feuerwehr ankommt, weiß sie schon auf den Meter genau, wo der Unfall war. Die Tunnel sind nämlich in 82 Blöcke unterteilt und deren Sensoren teilen mit, wo es brennt. Zusätzlich gibt es noch neun Notrufboxen vor und in den Tunneln, in denen Autofahrer Alarm schlagen können.
Noch eine Vollsperrung der B 10
Ende Oktober werde es einen Testlauf für die ganze Sicherheitstechnik geben, kündigte Lutz an. Dazu werde die B 10 vollgesperrt. Anschließend wird nachjustiert und Anfang November werden die zwei Röhren wieder für den Verkehr freigegeben.