Dahn
Ausstellung in der Kreisgalerie: Skulptur trifft Lyrik
Hölzer und Wörter warten auf die Besucher, wollen gelesen werden. Beim Betreten der beiden früheren Schulsäle fallen natürlich sofort die Holzskulpturen von Georg Becker ins Auge. Der Bildhauer arbeitete für die Dahner Ausstellung mit vielen verschiedenen Holzsorten von Walnuss über Pflaume und Eiche bis zur Linde, die bei allen Bildhauern beliebt ist. Das Holz wurde von Becker so bearbeitet, dass die angelegte Struktur gewahrt bleibt. Der Künstler beobachtete die Form im Holz und hat ein lebendiges Material gesehen. Es züngelt viel in den Hölzern von Georg Becker. Den Vernissagenredner Matthias Strugalla erinnern sie teilweise an Elwetritsche. Andere wecken Assoziationen an Ähren oder Gräser. Der Künstler selbst will alles abstrakt gesehen haben. Auf jeden Fall war der 1949 bei Trier geborene Künstler immer im Dialog mit dem Material, dem lebenden Holz, das auch nach der Fällung nicht mausetot in die Hände des Bildhauers fällt und weiter seine Eigenheiten hat, die er erspürte und betonen wollte.
Becker hat die feinen, sich nach oben verjüngenden Enden herausgearbeitet und in anderen Hölzern Durchbrüche gefunden, die besondere Einblicke in die Umgebung ermöglichen. In einer Serie hat Georg Becker Holzsteine geschaffen, die auf dem Boden liegen können. Allen gemein ist das dem Auge des Betrachters schmeichelnde Holz, das zum Anfassen geradezu einlädt, um die Struktur zu spüren, über das geschliffene Holz zu streichen. Das sagt auch der Künstler selbst. „Meine Skulpturen möchten angefasst werden“, meint Becker, der großen Respekt vor seinem Arbeitsmaterial hat. Deshalb benennt er die Werke auch nicht mit klassischen Titeln, die allzu oft auf eine falsche Fährte lenken. Walnuss, Pflaume, Olivenholz, Wildkirsche oder Zedernholz lauten stattdessen die Titel und ermöglichen seltene Einblicke in die Eigenheiten der jeweiligen Bäume. Die Walnuss liefert ein helles Holz mit markanter Färbung. Die Linde ist auch hell und weich scheinend, während die Pflaume ein spannend dunkles Holz hervorbringt, das in Teilen ein bisschen rissig werden kann.
Gedichte an den Wänden
Die Arbeiten mit Durchbrüchen lenken den Blick des Betrachters zu den Gedichten an den Wänden. Gisela Becker-Berens hat die wenige Zeilen umfassenden Gedichte verfasst. Auch wer den gleichen Nachnamen der beiden Aussteller nicht bemerkt, kann die Verbundenheit von Becker-Behrens mit Georg Becker klar erkennen. So wie in dem Gedicht „Baum des Lebens“. „Doch zuweilen kommt einer und blickt euch ins Herz, erkennt eure Herkunft aus unsterblichem Hain“, schreibt Gisela Becker-Behrens und verweist auf die Skulpturen im Raum, die Form und Gestalt dem Baum zurückgeben können. Zumindest wenn sie von ihrem Ehemann bearbeitet wurden. Andere Verse lesen sich wie eine Beschreibung der Kunst Beckers. „Atmend lebend unter der polierten Haut, steingleich geformt, steinschwer, nicht aber steinkalt beim berühren“, schreibt die Lyrikerin in dem Gedicht „Baumstück“. Und auf einem weiteren Blatt betont sie, dass sie wie Becker aus dem gleichen Holz sei.
Vergangenheit und Lebensweg
In den Texten von Gisela Becker-Behrens werden Vergangenheit und Lebensweg berührt. Die Autorin setzt Traumwelten gegen die Wirklichkeit, ist sehr leise und pointiert und ermöglicht immer Ausgangspunkte für eigene Gedanken. Die früher im Saarland arbeitende Lehrerin ist sparsam mit ihren Worten. Eine Ausnahmeerscheinung in der geschwätzigen Welt von heute. Die Konzentration ihrer wenigen Worte passen perfekt zur ebenfalls konzentrierten Form in den Holzarbeiten ihres Mannes. Einfühlsam ist das richtige Wort für die Kunst der Beiden. Einfühlsam ist auch die Hängung der Lyrik. Wo andere die Wände voll gehängt hätten, lässt Becker-Berens den weißen Raum und das Holz ihres Mannes schön wirken.
Becker stammt aus der Nähe von Trier, war beruflich zunächst Buchhändler, wechselte zum Kunststudium nach Köln, wo er später auch eine Lehrtätigkeit ausübte. Seit 1999 ist er freischaffender Bildhauer. Seine Frau stammt aus Hermeskeil und publiziert ihre Werke in verschiedenen Verlagen. Zusammen mit ihrem Mann organisiert sie Lesungen und Lyrikabende in Bergisch-Gladbach, wo beide heute leben. Die gemeinsame Ausstellung ist nicht die erste und wird auch nicht die letzte sein. Es passt einfach, wie Georg Becker mit seinem Holz und seine Frau mit den Worten umgehen.
Info
Die Ausstellung ist bis 5. Oktober täglich außer Montag von 15 bis 18 Uhr in der Kreisgalerie Dahn zu sehen.