Pirmasens „Ausbildungsmarkt ist lehrlingsorientiert“

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Dass Handwerksberufe durchaus Zukunft haben, will der Tag des Handwerks deutlich aufzeigen. Michael Lindenschmitt, Abteilungsleiter der Kreishandwerkerschaft Westpfalz, spricht über geänderte Arbeitswelten und Berufsbilder.

Das Handwerk hat ja viel mit Tradition zu tun. Gleichzeitig hat sich in den vergangenen 20 Jahren viel bezüglich Berufsbildern und -bezeichnungen oder Ausbildungsinhalten verändert.

Das Handwerk ist natürlich auch den Entwicklungen und Fortschritten in Wirtschaft und Gesellschaft unterworfen. Bis vor wenigen Jahren gab es zum Beispiel den Beruf des Radio- und Fernsehtechnikers und den des Büromaschinenmechanikers. Diese beiden Berufe sind jetzt verschmolzen zum Informationstechniker mit den Fachrichtungen Geräte- und Systemtechnik oder EDV-Netzwerktechnik. Gerade auch in den Lebensmittelhandwerken haben wir schon seit Jahren aufgrund eines geänderten Ess- und Lebensverhaltens der Menschen Probleme. Betriebe fallen weg oder werden aufgegeben. Da ist es schwer, in diesem Bereich Nachwuchs zu gewinnen. Das sind doch auch die Befürchtungen von Schulabgängern, die sie davon abhalten, eine Ausbildung in diesen Berufen anzustreben. Wer sich als Bäcker auf dem Dorf oder in der Stadt in seiner Nische einrichtet und wirklich konsequent eine bestimmte Qualitätssparte für sich auswählt, kann sich darin einrichten und sich einen Kundenstamm ziehen. Da hat Handwerk schon noch goldenen Boden. Das kostet sehr viel Überzeugungsarbeit und ist ein mühseliger und langwieriger Prozess. Wer als junger Mensch Bäcker werden will, dem stehen alle Türen offen. Auch in der Region Pirmasens gibt es zahlreiche freie Ausbildungsstellen. Mit einer fundierten Ausbildung ist man gesucht und hat gute Chancen. Meine Überzeugung, warum junge Menschen diesen Weg nicht einschlagen wollen, sind eher die Arbeitszeiten in diesen Handwerken. Eine Ausbildung könnte ja auch ein Sprungbrett in die Selbstständigkeit sein. Ja, das gilt nicht nur im Bäckerhandwerk, sondern in allen Gewerken. Viele Betriebe stehen an der Schwelle, an der sie schon die Weichen für eine Betriebsübergabe in zehn Jahren stellen müssen. Als Kreishandwerkerschaft helfen wir den Betrieben dabei so gut es geht. Es sind auch neue Berufe entstanden, die stark technisiert sind. Das Tischlerhandwerk hat noch stark mit dem Grundstoff Holz zu tun. Da geht es wirklich noch um Holzbearbeitung. Das ist noch klassisch, aber natürlich mit modernsten Geräten wie elektrisch betriebenen Sägen, teilweise auch automatisierten oder halbautomatisierten Vorgängen in der Produktion. Ganz augenfällig ist das beim Feinwerkmechaniker, da gibt es die CNC-Technik. Da sind Computerkenntnisse gefragt, aber man muss natürlich auch Werkstoffkenntnisse haben. Die Grundlagen sind immer noch erforderlich. Ist der Kfz-Mechatroniker noch immer einer der beliebtesten Ausbildungsberufe? Ja, bei den Jungs neben Elektro, Sanitär, Heizung, Klima, Metallhandwerk, Maler oder Land- und Baumaschinentechnik. Und natürlich das Friseurhandwerk bei dem weiblichen Nachwuchs. Soll der Tag des Handwerks auch dazu dienen, neue Berufe vorzustellen und auch Vorurteile abzubauen. Ja, selbstverständlich. Das aktuelle Handwerk gibt es in seinen Facetten zu sehen. Was macht ein Orthopädiemechaniker oder der Elektrofachbetrieb? Da geht es heute zum Beispiel um Techniken wie „Smart Home“. Unsere Betriebe sind dafür gerüstet und warten quasi darauf, dass die Kundschaft das abfragt. Viele Kunden stecken ihr Erspartes in die Sanierung ihres Eigenheims oder ihrer Wohnung. Da geht es um Barrierefreiheit oder um Komfort. Dieser Trend ist stark spürbar und das kommt unseren Betrieben zugute. Die Leute greifen auf die Handwerksbetriebe zurück, weil sie wissen, dass es Fachbetriebe sind, die das können. Wie viele Ausbildungsbetriebe sind der Kreishandwerkerschaft Westpfalz angeschlossen und wie viele freie Ausbildungsplätze stehen derzeit zur Verfügung? Im gesamten Bezirk Westpfalz sind es etwa 2000 Betriebe, die potenziell alle Ausbildungsbetriebe sind, organisiert in zirka 50 Innungen und Verbänden. Sicherlich gibt es auch in diesem Jahr wieder zahlreiche Lehrstellen, die nicht besetzt werden können. Das heißt, das ist ein Ausbildungsmarkt, der sehr stark lehrlingsorientiert ist. Ein Auszubildender kann sich heutzutage seinen Ausbildungsbetrieb aussuchen. Er fragt, guckt sich seinen Ausbildungsbetrieb an, macht ein Praktikum und entscheidet. Haben Sie einen besonderen Tipp für Jugendliche und Erwachsene, die am Tag des Handwerks bei der Festhalle vorbeischauen? Nehmen Sie teil am Gewinnspiel! Das ist sehr interessant, denn im Grund müssen alle Innungsstände besucht werden, um auf die Lösungen zu kommen. So lernen sie die Vielfalt des Handwerks kennen. Die Jugendlichen sollten vorbeikommen, um zu sehen, was Handwerk so alles an Ausbildungsmöglichkeiten bietet, insbesondere welche Möglichkeiten sie nach der Ausbildung haben, um sich weiterzubilden, aufzusteigen, den Meisterbrief zu erwerben und sich so über ihren beruflichen Lebensweg zu informieren. (lmo)

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