75 Jahre Pirmasenser Rundschau
Augenzeugen erinnern sich: St. Anton wird 1971 Opfer von Flammen
Als ob es gestern gewesen wäre, erinnert sich Gudrun Bauer noch heute sofort an den Tag. „Ich bin zehn Minuten vor zwölf nach Hause gekommen und habe den Rauch aus dem Dachstuhl gesehen“, erzählt die Pirmasenserin, die in der Kronprinzenstraße, direkt an der Kirche wohnt. Ihr Mann Hans habe sofort die Polizei angerufen, die jedoch bereits informiert gewesen sei. Die Pirmasenser Feuerwehr sei gleich gekommen, habe jedoch nicht löschen können, da kein Hydrant zu finden gewesen sei. Abhilfe schaffte erst die Feuerwehr der US-amerikanischen Streitkräfte. „Die kamen mit einem Riesentank und Wasserkanonen“, schildert Gudrun Bauer die dramatischen Ereignisse an diesem Tag und den offenbar beeindruckenden Einsatz der US-Feuerwehr
US-Militär muss helfen
ie selbst habe noch gekocht, das Essen serviert. Die Familie sei aber nicht zum Essen gekommen, da plötzlich Polizeibeamte in der Wohnung standen und die Familie zum Verlassen des Hauses aufforderten. „Die hatten Angst, dass der Turm einstürzt, der dann vielleicht auf unser Haus gefallen wäre“, erzählt Bauer. Die Familie musste sofort das Haus verlassen.
Zu diesem Zeitpunkt sei die Straße schon voller Menschen gewesen, erinnert sich Werner Roth, der damals in der nahen Blocksbergstraße wohnte und das Feuer live mitbekommen hatte. „Die Straße war schwarz vor lauter Leuten“, erinnert sich Roth. Die US-amerikanischen Feuerwehrmänner hätten versucht, die Türme nass zu halten, um ein Übergreifen der Flammen und den Einsturz der Türme zu verhindern, so Roths Beobachtung.
Keine Verletzten
Albert Jung war dienstlich als Mitglied des Malteser-Hilfsdiensts bei dem Brand im Einsatz. Der Rettungssanitäter brauchte jedoch glücklicherweise niemanden zu retten. Bei dem Großbrand wurde kein Mensch verletzt. „Wir sind mit den Maltesern rübergefahren und auch kurz über eine Seitentür in das brennende Gebäude rein. Da hat sich auch schon die Decke auf die Orgel gesenkt“, erzählt Albert Jung von dem denkwürdigen Einsatz. Die Malteser hätten sich sofort zurückgezogen.
Die Brandursache wurde nie ermittelt. Gebrannt hatte es zunächst über der Empore, schildert Albert Jung, der das Feuer selbst in der Kirche gesehen hatte. Sein Bruder Josef Jung, der heute in der Blocksbergstraße wohnt, kann berichten, dass zunächst von einer falsch angeklemmten Leitung im Bereich der Orgel als Brandursache ausgegangen worden war. In der RHEINPFALZ war damals allerdings zu lesen, dass es vielleicht rauchende Jugendliche gewesen sein könnten, die sich in einem Zimmer auf dem Dachstuhl getroffen hatten. „Da war ja damals alles voller alter Zeitungen. Dort wurden die alten „Pilger“-Ausgaben gesammelt“, erinnert sich Gudrun Bauer. Fakt ist, dass die Polizei nichts ermitteln konnte.
Tausende Schaulustige
Das heute grassierende Problem der Gaffer scheint 1971 auch schon vorhanden gewesen zu sein. Die Feuerwehr beklagte im Nachhinein, dass die vielen Schaulustigen, in der RHEINPFALZ wurde ihre Zahl auf „Tausende“ geschätzt, die Löscharbeiten erheblich behindert hätten.
Gegen 13.10 Uhr sei der Brand gelöscht gewesen. Das Mittelschiff der Kirche stürzte ein, begrub die erst 1968 eingeweihte Orgel mit ihren 45 Registern. Die Türme blieben stehen. Der Schaden wurde auf zwei Millionen Mark geschätzt. 250.000 Mark davon allein für die Orgel.
Kirche wird wieder aufgebaut
Der große Saal des Jugendhauses St. Anton diente als Notkirche, erinnert sich Gudrun Bauer, die immer noch wehmütig an den früheren Kirchenbau denkt. „Das war unsere Kirche. Dort haben wir geheiratet und die Kinder wurden dort getauft.“
Wenige Tage nach dem Feuer wurde mit den Aufräumarbeiten und den Plänen für den Wiederaufbau begonnen. Über Sammelaktionen und die Brandversicherung kamen die Gelder wieder zusammen, wie Josef Jung berichtet . Am 8. April 1973 schon konnte die dann zum zweiten Mal wieder aufgebaute Kirche eingeweiht werden. Das Gotteshaus war erst 1923 erbaut worden. 22 Jahre später, im Jahr 1945, legte ein Bombenangriff die Kirche in Schutt und Asche. 26 Jahre später das Feuer vom 30. September 1971
