Pirmasens „Außer Stroh nichts drin“
Seit 70 Jahren gehören Richard und Willi Folz, Hans Haasis und Rudi Geißler der Pfadfindergruppe Pirmasens an, die 1947 gegründet wurde und Mitglied im „Deutschen Pfadfinderbund Mosaik“ ist, der wiederum zum „Deutschen Pfadfinderbund“ gehört. Die RHEINPFALZ unterhielt sich mit dem 82-jährigen Ehrenvorsitzenden Richard Folz, dem 78 Jahre alten Ehrenmitglied Hans Haasis und dem derzeitigen Vorsitzenden Wolfgang Folz (62) über vergangene Tage und die aktuelle Situation bei den Pfadfindern.
„Die Gründung des Vereins erfolgte 1947 in einer Waschküche in einem Privathaus“, so Richard Folz. Die Gruppenstunden mussten allerdings im Freien abgehalten werden. „Es war ja nichts da“, erinnert sich Folz. „Erst in den fünfziger Jahren haben wir in der Starkenburgstraße auf dem Horeb einen Gruppenraum gebaut, und zwar mit Backsteinen von den umstehenden Häuserruinen.“ Zwei Jahre nach Kriegsende existierte zwar eine Pfadfindergruppe, aber es war ein Verein ohne Mittel. Besonders deutlich wurde dies bei Weihnachtsfeiern, wo man sich die Tombola-Lose selbst bastelte und Geschenke für fünf Pfennige im damaligen Kaufhaus Moster besorgte. Dafür wurden die Kameradschaft und die Verbundenheit mit der Natur und Umwelt umso höher eingestuft. Mangels Handy und Internet plante man Ausflüge mit den Fahrrädern, die „wir uns selbst zusammengebosselt hatten. Auf dem Hinterrad ein Vollballon, und vorne ein Viertelballon. Mein lieber Mann. Den Berg ist man mit den Dingern fast nicht hinaufgekommen“. Jugendherbergen wurden angesteuert, beispielsweise die in Bad Kreuznach, wo zu jenen Zeiten die Zimmer mehr oder weniger einem ,Bett im Kornfeld’ glichen. „Da war nichts drin als Stroh“, so Folz. Auch die Loreley war ein beliebtes Ausflugsziel. „Die weiten Strecken auf Fahrrädern?“ - „Natürlich. Da sind wir oft nachts um zwei/drei Uhr zu Hause angekommen und um sieben Uhr mussten wir schon wieder zur Arbeit. Immer haben wir uns nachher geschworen: nächstes Mal fahren wir nicht mehr. Trotzdem sind wir immer wieder gefahren.“ Es musste also was dran sein, was junge Menschen dazu bewegte, der Pfadfinderbewegung beizutreten. „Es ging um das gemeinsame Erlebnis. Da hat man ein Feuerchen gemacht, drumherum gesessen und einer hat auf der Klampfe Lieder angestimmt.“ Der heutige Vorsitzende Wolfgang Folz hat das Pfadfinderleben von klein auf mitbekommen. Der Sohn von Richard und Rita Folz war natürlich bei den „Ausflügen“ und den Zeltlagern der Eltern immer mit dabei. Er ist inzwischen auch schon für 50-jährige Mitgliedschaft geehrt worden und sieht es als eine seiner Aufgaben an, Jugendliche beiderlei Geschlechts für die Pfadfinder zu rekrutieren. „Wir verteilen beispielsweise Handzettel an den Schulen und hoffen, dass jemand Interesse hat und zwei oder drei Freunde mitbringt.“ Gruppenstunden werden in der Adlerstraße 19, in einem Hintergebäude abgehalten. Hier haben Jungen und Mädchen gemeinsame Gruppenstunden. „Wir zelten, wandern, schwimmen, basteln spielen Fußball und machen vieles mehr“, zählt Wolfgang Folz einige Aktivitäten auf. Obwohl der Beitrag lediglich zwei Euro im Monat beträgt, seien „leider sind nicht so viele Jugendliche da. Es fehlt uns die Altersgruppe zwischen zehn und zwölf Jahren“. Dazu meint Hans Haasis: „Die Zeiten sind halt so. Die Jugend hat heute andere Interessen.“ Es seien eher die älteren Mitglieder, die im Verein aktiv sind. Sie halten sich am liebsten im vereinseigenem Landheim „Baden-Powell“ (Robert Baden-Powell ist der Gründer der Pfadfinderbewegung) im „Großen Tal“ bei Kröppen auf, 15 Kilometer entfernt von Pirmasens, 500 Meter vor der französischen Grenze. Dieses Vereinsheim nimmt im Geschichtsbuch der Pirmasenser Pfadfinder ebenfalls viele Seiten ein. Es wurde nämlich Stück für Stück zusammengefügt, bis zu seiner heutigen Größe von 33 Metern Länge und einer Breite zwischen sechs und zehn Meter. Anfang der 60-er Jahre begann der Bau. Folz und Haasis erinnern sich: „Wir hatten zunächst mal gesammelt, um ein Schiff zu bauen. Das kam aber nicht zustande, weil der Wasgausee nicht realisiert wurde. Dann haben wir dieses Geld genommen und ein Grundstück auf dem Hochstellerhof gekauft, worauf wir letztlich aber doch nicht bauen durften.“ Deshalb haben wir es getauscht mit einem Grundstück bei Kröppen. Der Bau erfolgte vollständig in Eigenleistung und anfangs mit Holz aus Frankreich. Bei Walschbronn, kurz hinter der Grenze bei Kröppen, standen damals alte Holzbaracken, die abgerissen wurden. „Wir haben dann von den Franzosen das Holz für billiges Geld gekauft“, blicken Folz und Haasis auf diese Ära zurück. |pt