Pirmasens Anlauf auf den Weltmarkt
Olympia im Winter, Fußball-Weltmeisterschaft im Sommer: Solche Höhepunkte spürt die Sportartikelindustrie oft sehr stark. Nicht so der Pirmasenser Gerätehersteller Ergo-Fit. Denn dort verschieben sich Schwerpunkte: vom klassischen Fitnessstudio hin zur Medizin und – neu – zu LED-Lampen. Eine Erweiterung der Produktion steht wieder im Raum.
Da stehen sie in Reih und Glied, Metallfuß an Metallfuß, marschbereit für die Reise zu den Kunden. Gut 150 Trainingsgeräte warten an diesem Tag in der Ausgangshalle der Ergo-Fit GmbH & Co KG in Pirmasens auf ihre Verpackung und Verladung. Ein Kunde habe mal gesagt, dieses Bild erinnere ihn an den Film „I-Robot“, bemerkt Marketing-Leiter Markus Hodyas amüsiert. Davon trennen die Kraft- und Cardio-Geräte freilich Welten: Noch müssen ihre künftigen Besitzer die ganze Arbeit selbst machen. Schließlich sind die Ergometer, Crosstrainer und weiteren Geräte gerade dafür gemacht, dass der Mensch selbst auf ihnen strampelt und schwitzt. Zwischen 6000 und 7000 Geräte im Jahr stellt Ergo-Fit her, vor allem für den deutschen Markt. Etwa 40 Prozent gehen an klassische Fitnessstudios, 60 Prozent in den medizinischen (Reha)-Bereich, etwa an Kliniken und Physiotherapeuten. Über die Jahre ist der Anteil der Studios am Umsatz kleiner geworden; das hat für den Marketingleiter auch damit zu tun, dass zunehmend Ketten eröffnet haben, die mehr auf günstigere Standard-Geräte, etwa aus Asien, zurückgreifen – Discountware sozusagen. Mehr Wachstumspotenzial, zumindest langfristig, verspricht hingegen der medizinische Bereich, für den Ergo-Fit schon 1973 das erste Fahrradergometer entwickelt hatte – ein Vorreiter für den Fitnessbereich. Therapeuten orientierten sich inzwischen aufgrund abnehmender Verordnungen um, böten etwa eigene kleine Reha-Trainingseinheiten an, erläutert Hodyas. Um den Bereich Medizin zu stärken, hat Ergo-Fit Ende 2013 die Marke Cardiowise übernommen; dafür hatten die Pirmasenser bereits einige Geräte für die kardiologische Reha produziert und stellen nun die komplette Palette in Pirmasens her. Die demografische Entwicklung kommt Ergo-Fit hier ebenfalls zupass. Unternehmen kümmern sich zunehmend um die Gesundheit ihrer Mitarbeiter, die schließlich lange fit bleiben müssen. Dem Lebensmittelkonzern Dr. Oetker hätten sie gerade am Standort Wittlich einen 200 Quadratmeter großen Fitnessraum ausgestattet, berichtet Hodyas. Neben Fitness und Medizin baut sich das Unternehmen gerade ein ganz anderes Standbein auf: die Produktion von LED-Leuchten. Schon seit einiger Zeit produziert Ergo-Fit diese Leuchten, unter anderem für die seit drei Jahren bestehende Pirmasenser Street-Light Germany GmbH. Mit dem Entwickler Rüdiger Lanz hat sich Ergo-Fit jetzt zusammengetan und vor wenigen Wochen das gemeinsame Produktionsunternehmen Lanz Manufaktur GmbH gegründet. Die Lampen werden in Pirmasens gebaut, noch auf kleiner Fläche. Das könnte sich bald ändern. Denn die Pirmasenser bewerben sich um große Aufträge, darunter für den Automobilzulieferer Magna und für die Ausstattung eines Flughafens im Sultanat Oman. Und wenn sie bei mehreren Projekten zum Zug kämen, so Firmenchef Michael Resch, dürfte in den nächsten zwei Jahren die Produktion vergrößert werden; im Raum steht ein Investitionsvolumen von über zwei Millionen Euro. Erst 2011 wurde die Fertigung durch den Anbau einer Halle auf rund 9000 Quadratmeter erweitert. Produziert werden auch die Fitness- und Krafttrainingsgeräte in Pirmasens. Zugekauft wird nur Weniges wie Plastikteile. 100 Menschen arbeiten hier heute für Ergo-Fit; in den zurückliegenden Jahren wurde aufgestockt. Dazu kommen sieben Außendienstler in ganz Deutschland, die durch ein Netz freier Servicetechniker ergänzt werden. Zehn junge Leute bildet Ergo-Fit zurzeit aus: als Industriekaufleute, Zerspanungsmechaniker, Industriemechaniker, Fachinformatiker und Technischer Produktdesigner. „Made in Germany“ steht auf den fertig gepackten Kartons in der Ausgangshalle. Und dabei soll es bleiben, betont Michael Resch. Auch wenn er hier für Löhne und Material mehr bezahlen müsse, als es in Asien der Fall wäre. Denn das Qualitätsversprechen lässt sich für ihn besser mit der deutschen Produktion erfüllen. Schon am Anfang der Kette steht hier eine Qualitätskontrolle: Ankommende Materialien und Waren werden geprüft, ebenso wie später jedes fertiggestellte Gerät getestet wird. Auch die Montage ist keine Fließbandarbeit: Ein Mitarbeiter montiert ein komplettes Gerät. „Das ist keine Massenanfertigung“, betont auch Markus Hodyas – „wir können gar nicht billig“. Wer Wert auf Qualität nach Maß legt, wird wohl auch künftig mehr dafür bezahlen als beim Discounter. Dafür könnte er oder sie sich zum Beispiel auch das Gerät mit chipgesteuertem Trainingssystem fertigen lassen. Dann organisiert ein kleiner Computer das optimale Training – und der Mensch muss nur noch schwitzen.