Meinung
Analyse: Warum ist Pirmasens eine AfD-Hochburg?
Die politische Landschaftskarte der Südwestpfalz ist nach den Bundestagswahlen überwiegend schwarz gefärbt. Guckt man sich jedoch die Zweitstimmen an, gibt es einen unübersehbaren blauen Farbtupfer in der Mitte: die Stadt Pirmasens. Während die Zweitstimmenanteile der AfD in der Landeshauptstadt Mainz gerade einmal 8,4 Prozent erreichen, sind es in Pirmasens 31,9 Prozent. In keiner kreisfreien Stadt im Land haben prozentual mehr Wählerinnen und Wähler ihr Kreuz bei der AfD gemacht als in Pirmasens. In absoluten Zahlen sind das 6891 Menschen, also fast jeder dritte Wähler.
Die Partei profitiert in Pirmasens sicherlich von einem bundes- und landesweiten Trend. In sämtlichen kreisfreien Städten und den Landkreisen in Rheinland-Pfalz liegt das AfD-Ergebnis über ihrem Resultat von 2021. Am größten sind die Zweitstimmengewinne der Partei aber in Pirmasens (plus 16,5 Prozentpunkte). Im Vergleich zur Bundestagswahl 2021 hat sich das AfD-Ergebnis mehr als verdoppelt. Damit setzt sich fort, was sich bei den Kommunalwahlen im vergangenen Sommer schon angedeutet hatte: Damals holte die AfD in Pirmasens 24,3 Prozent der Stimmen, umgerechnet sind das elf von 44 Sitzen im Stadtrat.
Der Erfolg der AfD zeigt sich übrigens auch bei den Erststimmen, selbst wenn Iris Nieland sich da mit Platz zwei hinter Florian Bilic (CDU) abfinden muss, ist das Ergebnis für die CDU kein Grund zum Jubeln. Bilic ist in Pirmasens bekannt und verwurzelt, er sitzt seit Jahren im Stadtrat und ist im städtischen Leben präsent. 6820 Bürger seiner Heimatstadt stimmten für ihn, 6467 für Nieland. Die beiden trennen also gerade einmal 353 Stimmen – und das, obwohl Iris Nieland als Person geradezu unbekannt in Pirmasens ist. Sie stammt aus Nordrhein-Westfalen und wohnt in der Vorderpfalz.
AfD surft auf Welle des Erfolgs
Während im angrenzenden Wahlkreis Kaiserslautern Parteigrößen wie Alice Weidel und Tino Chrupalla im Wahlkampf vorbeischauten, war das in Pirmasens gar nicht erst nötig. Völlig ohne bundespolitische Unterstützung holte die Partei mit ihrer Kandidatin Nieland hier ein überragendes Ergebnis. Die AfD surft in Pirmasens auf einer Welle des Erfolgs. Möglicherweise knüpft sie dabei an Wahlerfolge von mittlerweile mehr oder weniger vergessenen rechten Parteien an. Schließlich ist es noch gar nicht so lange her, dass in Pirmasens sowohl die NPD als auch die Republikaner im Stadtrat vertreten waren. Es lässt sich weder leugnen noch beschönigen: Pirmasens hat ein überdurchschnittlich hohes Klientel, das davon überzeugt ist, dass (nur) die AfD auf die drängenden Fragen der Zeit die richtige Antwort weiß.
Über die Ursachen lässt sich letztlich nur spekulieren. Möglicherweise hängt es mit den großen sozialen Fragen in der Stadt zusammen. Vielleicht spielt aber auch die hohe Arbeitslosigkeit eine Rolle. Oder es sind die überdurchschnittlich vielen Menschen, die aus dem Ausland nach Pirmasens gekommen sind. Es ist nicht unrealistisch, dass eine Kombination aus all dem zu einer hohen Unzufriedenheit mit der persönlichen Situation und dem Alltag in Pirmasens führt. Die Stadt kann diese massiven Probleme zwar als Herausforderungen schönreden, ist aber nicht in der Lage, sie alleine zu regeln. So lange in Pirmasens nicht endlich etwas passiert, damit es auch denen Menschen besser geht, die sich derzeit unverstanden fühlen, wird die AfD bei der nächsten Wahl am Horeb wieder Rekordergebnisse einfahren.
Schlusslicht bei Wahlbeteiligung
Wie frustriert offenbar viele Pirmasenserinnen und Pirmasenser sind, lässt sich auch an der Wahlbeteiligung ablesen. Wie bei allen Bundestagswahlen seit 1980 liegt die Stadt Pirmasens landesweit auf dem letzten Platz. Gerade einmal 73,8 Prozent der Berechtigten gaben ihre Stimme ab. Im landesweiten Durchschnitt war es 83 Prozent, im benachbarten Landkreis Südwestpfalz waren es sogar 87,4 Prozent.
