FUSSBALL
Amelie Matheis aus Leimen spielt in der Bundesliga
Amelie Matheis war zwei Jahre alt, als sie auf die Frage, wie sie heißt, mit „Amelie Fußball-Matheis“ antwortete. Darüber amüsiert sich ihre Oma Helga Payne heute noch köstlich. Was damals im Wohnzimmer in Leimen niemand ahnen konnte: Amelie ist jetzt 15 Jahre alt und Stammspielerin beim FC Speyer in der B-Juniorinnen-Bundesliga West/Südwest. Dort spielt sie unter anderem gegen Bayer Leverkusen, Borussia Mönchengladbach und den 1. FC Köln.
„Ich war als Kind immer dabei, wenn mein Vater mit dem TuS Leimen gespielt hat“, erinnert sich Amelie gerne an diese unbeschwerte Zeit, die sie zwangsläufig immer wieder mit Ball und Spielen in Verbindung brachte. Papa Klaus war immer für seinen Heimatverein am Ball und feierte 2019 mit 52 Jahren noch mal ein spektakuläres Comeback mit zwei Toren. Er steht bei seiner Tochter als Ratgeber in Sachen Fußball hoch im Kurs.
Schwimmen und Gardetanz
Amelie begann bei den Bambini (bis sieben Jahre) mit dem Fußballspielen im Verein. „Der Spaß wollte sich aber nicht so recht einstellen, weil immer wieder einige Jungs blöde Sprüche wie ,Mäde spiele doch käh Fußball’ abgesondert haben“, kann sie heute darüber schmunzeln. Es folgte eine Zeit mit Turnen, Schwimmen, Zumba und Gardetanz. „Ohne Sport geht bei Amelie nichts“, erzählt Mutter Jessica lachend. Talent hatte sie offensichtlich für alles, was mit Sport zu tun hat. Pokale, Urkunden und Medaillen sprechen eine deutliche Sprache.
Im Mai 2014 stand Amelie beim VfB Rotenstein Münchweiler mit den E-Juniorinnen der „Turbinchen“ erstmals wieder auf dem Fußballplatz. „Sie wurde von Anfang an als Libera aufgeboten, ließ nichts zu und hatte sich fortan auf dieser Position fest gespielt“, erinnert sich ihre Mutter. „Da war der Spaß wieder da. Ergebnisse, Niederlagen – das war uns nicht wichtig. Wir hatten einfach unsere Freude am gemeinsamen Kicken.“
Förderer Mayer
Es dauerte nicht lange, bis die nächste und vielleicht entscheidendste Weichenstellung in ihrer jungen Karriere kam. Achim Mayer, Mädchenfußball-Bezirksfördertrainer aus Pirmasens-Winzeln, erschien beim Training in Münchweiler und lud alle Mädchen zu sich ins Stützpunkttraining nach Hochspeyer ein. Zwei Mädels aus Münchweiler und zwei aus Leimen folgten dem Ruf. „Mein Auto war voll“, berichtet Mutter Jessica. Sie schlüpfte jetzt immer intensiver in die Rolle der Chauffeuse für ihre Tochter. „Das Stützpunkttraining bei Achim Mayer war Gold wert! Wir lernten dort die Fußball-Basics, entwickelten Ballgefühl, und unsere Mitspielerinnen im Verein profitierten gleichfalls davon“, präzisiert Amelie.
Mit elf Jahren trainierte sie dreimal in der Woche und spielte am Wochenende oft zweimal: einmal mit den D-Mädchen, einmal mit den D-Jungs. „Das war wieder eine harte Zeit, denn die Jungs waren alle besser als ich“, gibt sie zu. 2016 wurde sie für die Mädchen-Südwestauswahl nominiert, mit der sie 2017 das Regionalturnier in Saarbrücken gewann. „Durch die Stützpunkte habe ich einen großen Sprung nach vorne gemacht. Die Lehrgänge haben mich gepuscht“, sagt die Schülerin der 10 a des Pirmasenser Hugo-Ball-Gymnasiums. Sie war gerade 14 und Stammspielerin in Münchweilers Landesliga-Jungenmannschaft geworden.
Gleich mal nach Kitzbühel
Dann kam die Sprachnachricht, die „Amelie-Fußball-Matheis“ einen Weg öffnete, von dem die meisten Kickerinnen nur träumen. Carina Schmitt vom FC Speyer lud sie zum Probetraining ein. „Sie kam wie ein Flummi durch die Wohnung gehüpft, so hat sie sich gefreut“, erzählt ihre Mutter lachend. „Auf der Fahrt ins Probetraining war ich total aufgeregt. Ich habe versucht, mich mit Vokabelnlernen abzulenken. Das ging natürlich voll daneben“, erinnert sich Amelie. Aber kaum hatte sie die Fußballschuhe an, bewies sie, dass sie auf den Punkt da sein kann. Denn die FCS-Trainerin war gleich angetan von der Leistungsstärke des Nudelfans aus der Südwestpfalz. „Dann musste erst einmal unser Familienrat tagen. Aber das Gesamtkonzept, das uns der Verein in Speyer präsentiert hat, überzeugte total“, betont Jessica Matheis.
„Das war absolut der richtige Schritt. Die Mitspielerinnen sind super nett und auf einem tollen Niveau unterwegs. Das Training macht total Spaß“, erzählt Amelie voller Begeisterung. Sie durfte als Gastspielerin sofort mit den C-Juniorinnen des FCS zum Cordial-Cup nach Kitzbühel.
Kaum war sie nach dem Urlaub pünktlich zum ersten Testspiel vor der Saison 2019/2020 bei der neu formierten B-Junioren-Mannschaft zurück, da türmte sich mit Eintracht Frankfurt der erste Berg auf. Amelie Matheis: „Wir haben ein tolles Spiel abgeliefert, mit 4:2 gewonnen, und wir waren erleichtert, weil wir festgestellt haben: Wir können auf diesem Niveau mitspielen!“
Tor gegen Eintracht Frankfurt
Was hat ihr diese erste Saison auf dem höchsten Niveau für 15- und 16-jährige Fußballerinnen schon gebracht! Das beidfüßige Talent aus Leimen hat sich durch Laufstärke, Kampfkraft, überzeugendes Kopfballspiel und präzises Passspiel auf drei Positionen schon bewährt. Die einstige Abwehrspielerin darf auch als Außenspielerin im Mittelfeld ran oder – und das spielt sie am liebsten – ihre Stärken auf der Sechserposition einbringen. Von dieser Position gelang ihr auch ihr erstes Tor für Speyer: Im Rückspiel gegen die Frankfurter Eintracht nahm sie eine Flanke mit der Brust an und erzielte per Volleyabnahme den 2:1-Siegtreffer.
Bus säubern und Balldienst
So verwöhnt wie die Herren-Bundesliga-Stars wird bei den Mädels niemand. Da gehören das Bus-Saubermachen, Ball- und Spieldienst zu den rotierenden Aufgaben der Spielerinnen. „Auch an das ,Essen auf Rädern’ habe ich mich längst gewöhnt“, lacht Amelie über die Aufnahme ihres Abendessens auch der Heimfahrt nach dem Training.