Pirmasens
Adolf Ludwig: Wie sich ein engagierter Schuhmacher gegen Hitler stellte
Dass der am 27. Juni 1892 in Pirmasens Geborene nach der Volks- und Realschule eine Schuhmacherlehre absolvierte, passt dabei ins Bild. Bereits mit 16 Jahren war er Vorsitzender der sozialistischen Arbeiterjugend in Pirmasens, mit 18 Jahren engagierte er sich in der Schuhmachergewerkschaft. Nach dem Ersten Weltkrieg, zu dem er 1915 eingezogen worden war, führte er von 1919 bis 1933 die Geschäfte des Schuhmacherverbandes in Pirmasens.
Mit Begeisterung verfolgte er im November 1918 den Sturz der Wittelsbacher in München und wurde anschließend Vorsitzender des Arbeiter- und Soldatenrates in Pirmasens. Ludwig war zwischen 1917 und 1922 Mitglied der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (USPD) und von 1920 bis 1930 Dritter Bürgermeister von Pirmasens. Nach dem Zweiten Weltkrieg beteiligte er sich an der Gründung der Gewerkschaft Schuh und Leder (später Gewerkschaft Leder) und war in der Pfalz deren Vorsitzender. 1947 wurde er Landesvorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB).
Er konnte sich nach Metz absetzen
Ludwig durfte mit 18 Jahren zwar noch nicht wählen, doch er schloss sich bereits als Heranwachsender der SPD an, wie im Stadtarchiv zu erfahren ist. In den Jahren 1932 und 1933 gehörte er als SPD-Abgeordneter dem bayrischen Landtag an. Er war eines der wenigen Parlamentsmitglieder, die es wagten, gegen das Ermächtigungsgesetz der Nationalsozialisten zu stimmen. Dabei war das Parlament zur Abstimmung bereits abgeriegelt gewesen und Ludwigs Verhaftung sicher. Dennoch gelang es dem Pirmasenser 1933, sich zunächst ins Saargebiet und später nach Metz abzusetzen.
Als dann die Wehrmacht in Frankreich einmarschierte, zog sich Ludwig bis nach Südfrankreich zurück. Seine Ehefrau bestritt als Putzfrau im Wesentlichen den Lebensunterhalt. 1943 schloss er sich in Frankreich der Bewegung „Freies Deutschland für den Westen“ an, und ab Februar 1945 war er Mitglied der „Landesgruppe deutscher Sozialdemokraten in Frankreich“.
„Unliebsamer Ausländer“
Direkt nach dem Zweiten Weltkrieg durfte Ludwig nicht wieder zurück nach Pirmasens, weil die Franzosen überlegten, die Pfalz zu annektieren, und sich weigerten, Ludwig einen Pass auszustellen. Ein Freund in der französischen Verwaltung half ihm: Ludwig wurde als „unliebsamer Ausländer“ aus Frankreich in die Pfalz abgeschoben, wie Werner Ludwig, Sohn von Adolf Ludwig, im Rahmen eines Vortrages in Ludwigshafen erzählte.
Ludwig startete durch. 1945 wurde er provisorischer Bezirksvorsitzender der SPD in der Pfalz, 1946/47 dann gemeinsam mit Franz Bögler erster Vorsitzender. Er war 1946/47 Mitglied der beratenden Landesversammlung von Rheinland-Pfalz und von 1947 bis 1949 Landtagsabgeordneter in Rheinland-Pfalz.
Straße auf der Ruhbank nach ihm benannt
Seit der ersten Bundestagswahl (14. August 1949) bis 1961 und erneut vom 6. Januar 1962, als er für Friedrich Wilhelm Wagner nachrückte, war der SPDler Mitglied des Bundestages − bis zu seinem Tod 1962. Adolfs Ludwigs 1926 in Pirmasens geborener Sohn Werner war von 1965 bis 1993 Oberbürgermeister von Ludwigshafen und setzte die lange sozialdemokratische Familientradition fort.
Am 19. Juli 1965 benannte die Stadt Pirmasens im Stadtteil Ruhbank eine Straße nach Ludwig: den Adolf-Ludwig-Ring.
Info:
Pirmasens zählt 460 Straßen. Bei manchen wie der Exerzierplatzstraße erklärt sich der Name von selbst, doch zahlreiche sind nach historischen Persönlichkeiten benannt. Wer waren etwa Richard Dippold und Ludwig Kieffer, und was haben sie mit Pirmasens zu tun? In der Serie „Straßengeschichte(n)“ geht die RHEINPFALZ auf Spurensuche.