Pirmasens Acht Meter hoher Turm als Blickfang

91-58692340.jpg

Eine dreiviertel Million Euro beträgt das Budget für das neue Gotteshaus, das die Neuapostolische Kirche auf dem Grundstück zwischen Adam-Müller- und Arnulfstraße baut. Zur Grundsteinlegung am heutigen Freitag haben sich Apostel Clément Haeck und Bischof Pascal Strobel angesagt.

Bereits im Herbst 2011 hatte der Stadtrat einer Bauvoranfrage der Neuapostolischen Kirche für ein neues Gemeindezentrums zugestimmt. Allerdings wurden die Investitionen von Kirchenseite zunächst zurückgestellt, um die Ergebnisse einer Strukturreform abzuwarten. Auf deren Grundlage hat der Landesvorstand der öffentlich -rechtlichen Kirche entschieden, trotz des prognostizierten Bevölkerungsverlustes in der Südwestpfalz, in einen langfristigen Erhalt des Kirchenstandortes zu investieren. Den Auftrag zum Bau erhielt das Pirmasenser Architekturbüro Arnold und Partner. Außerdem legte die Kirche Wert darauf, dass die Aufträge für die Errichtung an Unternehmen in der Region vergeben wurden. „Das Kirchenschiff soll 100 Sitzplätze fassen und außerdem mit Neben- und Funktionsräumen ausgestattet sein“, so Pascal Strobel, zuständiger Bischof für die Gemeinden in der Westpfalz und im Saarland. Die Mittel für den Bau der Kirche stammen allesamt aus Spenden der Mitglieder der Gebietskirche Hessen/Rheinland-Pfalz/Saarland. Dass die Finanzierung ohne Inanspruchnahme von Kirchensteuern möglich sei, verdanke sie einer hohen Bereitschaft zum ehrenamtlichen Einsatz in den Gemeinden. „Unsere Kirche lebt vom Mitmachen. Musikalisches Engagement, Vermittlung biblischen Wissens an Kinder und Jugendliche, seelsorgerische Betreuung aller Altersgruppen, Zuwendung für Kranke und Behinderte und auch der Dienst der Geistlichen in den Gemeinden: All das geschieht ohne finanzielle Gegenleistung“, so Bischof Strobel. Das gelte auch für die Kirchengemeinde in Pirmasens, die 1921 gegründet wurde und aktuell 300 Mitglieder hat. Vorsteher ist der Mediziner Paul Forcher. In seinem seelsorgerischen Dienst wird er von fünf Priestern unterstützt. Bis zur Fertigstellung des Neubaus feiern die neuapostolischen Christen in Pirmasens und Umgebung weiterhin ihre Gottesdienste in der Max-Reger-Straße 2. Für die Nutzung der dortigen Kirche läuft noch bis 2024 ein Pachtvertrag. Dieses 60 Jahre alte Gebäude hätte nach Schätzungen der Kirche für rund 400.000 Euro saniert werden müssen. Die Pläne für den Neubau, die das Architekturbüro Arnold und Partner in der Volksgartenstraße entwickelt hat, sehen auf dem rund 1200 Quadratmeter großen Areal ein Gemeindezentrum mit einer Nutzfläche von 265 Quadratmeter vor. „Der Kirchenraum ist rund 100 Quadratmeter groß. Außerdem entstehen zwei Unterrichtsräume, die Sakristei, sanitäre Anlagen und ein Technikraum“, so Architekt Christoph Arnold im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Zum Baustart Anfang Oktober ist zunächst ein Streifenfundament ausgehoben worden; im nächsten Schritt erfolge das Bewehren und Betonieren der Bodenplatte. Da überwiegend in Fertigbauweise (Stahlbetonteile) gearbeitet werde, hofft Arnold, dass „wir die Hülle dieses Jahr noch dicht kriegen. Das wird aber schwer. Wir arbeiten so gut es geht“, dämpft er allzu große Erwartungen. Mit der Fertigstellung von Gebäude und Außenfläche sei bis zur Jahresmitte 2015 zu rechnen. Die Fassade des schlichten Flachbaus soll in hellen Farben gehalten werden. Angeschlossen wird das Gebäude ans Gasnetz. Bischof Strobel geht davon aus, dass die Heizkosten im neuen Domizil drastisch reduziert werden. Dazu beitragen soll nach Ansicht von Christoph Arnold die wärmegedämmte Fassade sowie eine Fußbodenheizung samt Radiatoren im Kirchenschiff. Blickfang der Immobilie wird ein acht Meter hoher Turm. Glocken werden in der offenen Konstruktion allerdings nicht klingen. Der Grund: Die Neuapostolischen Christen verfügen nicht über ein sogenanntes Läuterecht. Im nördlichen Teil des dreieckigen Grundstücks, das seit dem Abriss einer Esso-Tankstelle in den 90er Jahren weitgehend brach liegt, werde eine kleine Fläche für die Nutzung des Außenbereiches vorgesehen und Parkplätze ausgewiesen. Gegenüber des Gebäudes der Bauhilfe sei auch der Eingangsbereich zum Gemeindezentrum vorgesehen. Für 50.000 Euro hatte sich die Frankfurter Kirchenverwaltung der Neuapostolischen Kirche das Areal von einer Münchner Erbengemeinschaft gesichert. (pt)

x