Pirmasens ÖPNV: Binnen zehn Jahren 600.000 weniger Fahrgäste in Pirmasens
Gert Steigner, Leiter der Pirmasenser Verkehrsbetriebe, hat zuletzt Kritik einstecken müssen, weil auf einigen Buslinien Fahrten gestrichen werden. Im Gespräch mit der RHEINPFALZ verteidigt der ÖPNV-Fachmann dieses Vorgehen und sagt: „Unser Angebot ist gut.“ Die Pirmasenser seien aber in erster Linie Autofahrer. Selbst Jobtickets seien hier nicht gefragt.
In zehn Jahren ist die Zahl der Fahrgäste, die den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) in Pirmasens nutzen, von 2,6 auf rund 2 Millionen im Jahr gesunken. „Am Angebot liegt das nicht“, sagt der Leiter der Verkehrsbetriebe, Gert Steigner. Das sei gut. Er vermutet, dass viele Pirmasenser „ein Stück weit auch aus Bequemlichkeit“ nicht Bus fahren, außerdem sei die Parkplatzsituation im Vergleich zu anderen Städten „sehr komfortabel“. In erster Linie nutzten Schüler die Stadtbusse (40 Prozent), gefolgt von Senioren (25 Prozent) und Berufstätigen (20 Prozent). Die Busse fahren in der Stadt im Halbstunden-Takt, auf Hauptachsen wie der Alleestraße sogar im 15-Minuten-Takt, in den Vororten stündlich. Im Schnitt sei der Fußweg zur nächsten Haltestelle nicht weiter als 300, höchstens 500 Meter, erläutert Steigner. Das werde auch in Zukunft so bleiben. Mit der Fahrplanumstellung am 11. Juni werde keine der elf Linien gestrichen, lediglich Touren, die nur von ganz wenigen Personen genutzt wurden, fielen weg (wir berichteten). Das ist zum Beispiel am Steinig Bühl der Fall (die Busse wenden jetzt an der Platte) und auf der Husterhöhe, wo die Stichfahrt in die Mississippi-Avenue gestrichen worden ist. Das Defizit der Verkehrsbetriebe bewege sich bei 1,5 Millionen Euro. „Wir sind gezwungen, zu sparen“, so Steigner, der darauf verweist, dass das gesamte Stadtgebiet sehr gut erschlossen bleibe. Am Preis – der Einzelfahrschein kostet 2,10 Euro – kann Steigner nichts machen. Das seien die Tarife des Verkehrsverbundes Rhein-Neckar, dem Pirmasens angeschlossen ist. Er verweist aber auf interessante Offerten, wie die Jahreskarte für Menschen ab 60, die 42,10 Euro im Monat koste und womit bis nach Würzburg gefahren werden kann. „Da haben wir recht gute Zuwächse“, freut sich Steigner, der auf die Senioren in Zukunft mehr zugehen will. So solle es Schulungen für Rollator-Fahrer geben, die neuen Busse böten mehr Abstellflächen für die Gehhilfen. Mit allen Jahreskarten, beispielsweise auch denen für Auszubildende, könne das Ruftaxi-Angebot am Abend kostenlos genutzt werden. Das sei auch ein guter Service. „Man kann das Ruftaxi auch nur für eine Fahrt zur nächsten Haltestelle nutzen“, nennt Steigner Vorzüge. Auf Wunsch bringe der Taxifahrer die Leute sogar bis zur Haustür. Das koste dann aber einen Zuschlag von 1,70 Euro. Die Ruftaxen verkehrten auf allen Linien einmal die Stunde bis zur letzten Fahrt um 23.45 Uhr. „Man muss nur eine Stunde vor Abfahrt bei der Zentrale anrufen und den Wagen bestellen“, erläutert der Leiter der Verkehrsbetriebe, wie das System funktioniert. Steigner zufolge sind die Ruftaxis im Schnitt mit zwei Fahrgästen besetzt, „die Nachfrage ist rege“. Man sei mittlerweile auf reine Taxifahrzeuge umgestiegen, das sei vor allem für die älteren Menschen bequemer. Laut Steigner gab es schon viele Überlegungen, um den ÖPNV anzukurbeln. „Auch Car-Sharing war schon ein Thema.“ Doch während in anderen Kommunen das Autoteilen im Aufwind ist, interessiere sich in Pirmasens kaum jemand dafür. „Unternehmen, die wir angesprochen haben, sagen uns, Pirmasens sei zu klein, um hier Autos zu platzieren.“ Jetzt gebe es Überlegungen, dass die Stadtwerke quasi als Ankermieter für die Leihfahrzeuge auftreten und diese mitnutzen. Das Thema Leihfahrräder könne eventuell in Verbindung mit der Jugendherberge interessant werden. „Wir sind da am Denken“, sagt Steigner. Auch Jobtickets will in Pirmasens offenbar niemand nutzen: „Wir haben vor ein paar Jahren ganz viele Betriebe in der Stadt angeschrieben – auch im Erlenteich – und auf die Möglichkeiten hingewiesen. Da gab es null Resonanz“, klagt Steigner. Werbekampagnen, bei denen auf Bussen der Schriftzug „Mit uns kommen sie weiter als zur nächsten Tankstelle“ prangte, waren nicht von Erfolg gekrönt. Wenn der Fahrplan der Stadtbusse im Juni gestrafft wird, müsse das nicht endgültig sein, gibt sich Steigner offen. Man sei mit Kunden, die von den Fahrplanänderungen betroffen sind, in Kontakt. „Wir bleiben dran.“