Fussball Trainerbeben auf dem Betze: Mal wieder Neuanfang beim 1. FC Kaiserslautern
Der 1. FC Kaiserslautern hat sich vier Spieltage vor Saisonende von Cheftrainer Markus Anfang getrennt. Das bestätigte der Verein am späten Dienstagabend. Nachfolger soll demnach der aus Haßloch stammende Torsten Lieberknecht werden, zuletzt Trainer bei Zweitligakonkurrent Darmstadt 98. Auch Anfangs Co-Trainer Florian Junge ist von seinen Aufgaben entbunden. Lieberknecht soll bereits am Mittwoch das Training der Roten Teufel leiten.
"Die Freistellung des Trainergespanns begründet der FCK mit den Eindrücken der vergangenen Wochen, dass die Mannschaft ihr Potential nicht voll ausgeschöpft und ihr Leistungsmaximum nicht erreicht hat. Nach einer eingehenden Analyse fehlt den Verantwortlichen die Überzeugung, diesem Trend in der aktuellen personellen Konstellation entgegenzuwirken", heißt es in der Mitteilung des Vereins.
Wie Florian Plettenberg, Transferjournalist beim Bezahlsender "Sky" berichtet, müssen neben Anfang zwei weitere Staff-Mitglieder gehen. Namen nannte er jedoch keine. Demnach soll die Mannschaft über die Medien vom Trainerwechsel informiert worden sein. Das Team soll sich laut Plettenberg am Mittwoch um 12 Uhr treffen.
FCK mit drei Punkten Rückstand auf Relegationsrang
Anfang (50), der erst zu Saisonbeginn verpflichtet worden war, verlässt den Betzenberg mit einem laufenden Vertrag bis 2026. Derzeit rangieren die Roten Teufel mit 46 Punkten auf Tabellenplatz sieben. Nach zuletzt drei Niederlagen in Serie gegen Magdeburg, Nürnberg und Braunschweig beträgt der Rückstand auf Platz zwei sieben Zähler, zum Relegationsrang drei sind es drei Punkte.
Der Aufstieg – offiziell nie ausgegebenes Saisonziel – ist damit stark gefährdet. Dabei hatte der Verein die Meisterprämie zu Saisonbeginn verdoppelt – auf 1,5 Millionen Euro.
Die Trennung von Anfang kommt nicht völlig überraschend. Bereits am Dienstagvormittag hatte es auf dem Betzenberg interne Gespräche zur Zukunft des Trainers gegeben. Noch am Nachmittag meldeten „Sky“ und „Sport 1“, dass Anfang vorerst bis Saisonende weitermachen dürfe – eine Entscheidung, die wenige Stunden später wieder revidiert wurde. Offenbar war der Druck innerhalb der Vereinsgremien zu groß.
Anfang ein Kandidat auf Schalke?
Einigkeit herrschte dort allerdings auch am Abend nicht. Wer letztlich den Anstoß zur Trainerfrage gab, blieb unklar. Bemerkenswert: Die Informationen sickerten ungewöhnlich schnell durch.
Zur angespannten Lage trug auch das mediale Interesse des FC Schalke 04 an Markus Anfang bei. „Sky“ hatte berichtet, Schalke plane einen Trainerwechsel und habe Anfang im Blick. Nach Informationen dieser Zeitung gab es aber noch keinen persönlichen Kontakt. Auf Schalke wackelt der Stuhl von Kees van Wonderen.
Anfang hingegen geriet in Kaiserslautern zunehmend in die Kritik – nicht nur sportlich. So soll er intern unter anderem wegen zu vieler freier Tage zur Rede gestellt worden sein. Das Verhältnis zu Geschäftsführer Thomas Hengen galt als belastet.
Und der Nachfolger steht schon bereit: Torsten Lieberknecht (51), zuletzt in Darmstadt tätig, kennt den FCK gut. Gemeinsam mit Hengen wurde der Pfälzer 1992 A-Jugend-Meister. Beide pflegen ein enges Verhältnis. Lieberknecht führte bereits Braunschweig und Darmstadt in die Bundesliga. Er trat in Darmstadt im Herbst 2024 freiwillig zurück. Seinen Vertrag bei den "Lilien" hat er laut Plettenberg aufgelöst. Laut FCK bringt er Co-Trainer Carsten Rump mit auf den Betzenberg.
Fünf Trainer unter FCK-Boss Hengen
Für Hengen ist die Trainerdebatte auch eine Frage der Glaubwürdigkeit. Seit seinem Amtsantritt hat der Geschäftsführer fünf Trainer verschlissen. Kritik ist programmiert.
Investor Axel Kemmler hatte bereits im Februar gefordert, der Klub solle offensiver über das Ziel Aufstieg sprechen. Hengen winkte ab – jeder dürfe sagen, was er wolle.
Und nicht nur auf der Trainerbank steht ein Wechsel an. Auch um Stürmer Ragnar Ache gibt es Gerüchte. „Sky“ berichtet von einer Ausstiegsklausel: unter fünf Millionen Euro. Interessenten gab es demnach bereits – im Sommer Union Berlin, im Winter Como.
Klar ist: Der FCK sorgt erneut für Schlagzeilen – nicht wegen sportlicher Erfolge, sondern wegen interner Unruhe. Die Trennung von Anfang ist ein weiteres Kapitel in der langen Geschichte unruhiger Spielzeiten auf dem Betzenberg.
