Afghanistan IS bekennt sich zu Anschlägen am Flughafen in Kabul: Mindestens 13 Tote
[Aktualisiert 22.15 Uhr] Bei den Anschlägen am Flughafen von Kabul sind bis zu 20 Menschen getötet und 52 verletzt worden. Der Taliban-Sprecher Sabihullah Mudschahid sagte der Nachrichtenagentur AFP am Donnerstag, nach ersten Informationen seien „zwischen 13 und 20“ Menschen getötet worden. Nach bisherigen Erkenntnissen des Auswärtigen Amts habe es keine deutschen Opfer gegeben. Mehr als 60 weitere Menschen seien verletzt worden, teilte die Nichtregierungsorganisation Emergency am Donnerstag auf Twitter mit.
Die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) hat den verheerenden Anschlag nahe des Flughafens von Kabul mittlerweile für sich in Anspruch genommen. Wie das auf die Überwachung extremistischer Gruppen im Internet spezialisierte US-Unternehmen Site am Donnerstag mitteilte, erklärte der IS über sein Propaganda-Sprachrohr Amaq, einer seiner Kämpfer habe sich am Flughafen in die Luft gesprengt.
Erklärung eines Selbstmordattentäters
Der Kämpfer des regionalen IS-Ablegers Provinz Chorasan (ISKP) habe alle Sicherheitsabsperrungen überwinden und sich US-Soldaten auf „nicht mehr als fünf Meter“ nähern können. Er habe dann seine Sprengstoffweste detonieren lassen. Veröffentlicht wurde auch ein Foto des Angreifers.
In der Erklärung ist nur von einem Selbstmordattentäter die Rede. Nach Angaben der US-Streitkräfte sprengten sich zwei Angreifer an zwei Orten in die Luft. Der Chef des Zentralkommandos der US-Streitkräfte, General Kenneth McKenzie, machte am Donnerstag ebenfalls den IS für die Attacke verantwortlich.
Am frühen Freitagmorgen (Ortszeit) ist die Stadt nach Angaben von Mitarbeitern der Nachrichtenagentur AFP erneut von einer starken Explosion erschüttert worden. Die Ursache der Explosion, die sich wenige Stunden nach dem Doppelanschlag vor dem Flughafen von Kabul ereignete, war zunächst unklar.
Viele Warnungen davor, sich an den Flughafen zu begeben
Westliche Staaten hatten zuletzt vor Anschlägen am Flughafen gewarnt, wo derzeit ein großangelegter Evakuierungseinsatz läuft. Die Bundeswehr sprach von mehreren Selbstmordattentätern in der Stadt. Befürchtet wurden Anschläge von einem örtlichen Ableger der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS). Westliche Staatsangehörige wurden davor gewarnt, sich zum Flughafen zu begeben.
Nach der Explosion hätten US-Soldaten an einem anderen Flughafengate Tränengas eingesetzt, um die Menschen auseinander zu treiben, sagte ein Bewohner Kabuls, der an diesem Gate war. Er schätzte, zu dem Zeitpunkt seien dort 2000 bis 4000 Menschen gestanden. Mehrere Frauen und Mädchen seien durch das Tränengas verletzt worden.
Merkel: „Man geht von einem oder mehreren Selbstomordanschlägen aus“
Die Sicherheitslage rund um den Flughafen hatte sich in den vergangenen Stunden noch einmal deutlich zugespitzt. Die deutsche Botschaft in Afghanistan und andere Stellen hatten vor einer Terrorgefahr gewarnt. Die US-Botschaft hatte US-Bürger, die sich am Abbey Gate, East Gate oder North Gate aufhielten, in der Nacht zu Donnerstag dazu aufgerufen, das Gebiet „sofort“ zu verlassen.
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) geht davon aus, dass es sich um Selbstmordanschläge handelte: „Man geht davon aus, dass es ein Selbstmordanschlag oder mehrere Selbstmordanschläge gewesen sind. Es hat in den letzten Tagen ja immer wieder Warnungen vor solchen Anschlägen gegeben“, sagte Merkel. „Und dass das nun eingetreten ist, ist natürlich eine bedrückende Nachricht.“ Es seien noch nicht alle Einzelheiten bekannt. „Aber die Terroristen haben auf Menschen gezielt, die vor den Flughafentoren gewartet haben.“