FCK FCK vorerst gerettet – Gläubiger stimmen Insolvenzplan zu

Die Bühne für die Juristen bei der Gläubigerversammlung im Inneren des Fritz-Walter-Stadions.
Die Bühne für die Juristen bei der Gläubigerversammlung im Inneren des Fritz-Walter-Stadions.

Wichtige Entscheidung für den Fußball-Drittligisten 1. FC Kaiserslautern, der seinen Spiel- und Geschäftsbetrieb nun fortsetzen kann: Der Insolvenzplan ist bei der rund 100-minütigen Gläubigerversammlung an diesem Donnerstag auf dem Betzenberg angenommen worden. Die Gläubiger bekommen laut diesem Plan vier Prozent ihrer jeweiligen Forderung. Damit ist die Profifußball-Sparte des FCK, die FCK GmbH & Co. KGaA, von ihren rund 24 Millionen Euro Schulden befreit. Alle fünf Gläubigergruppen haben zugestimmt – Voraussetzung für die Annahme des Plans. Von 75 Stimmen in allen Gruppen zusammen gab es lediglich eine Gegenstimme. Ein Teil der Stimmen wurde von Bevollmächtigten abgegeben, persönlich anwesend waren nur knapp 40 von zusammen rund 18.000 Gläubigern. Viele dieser 18.000: Ticketinhaber aus der Saison 2019/20 (für Dauerkartenbesitzer nicht mehr zugängliche Geisterspiele). Rund 2400 Gläubiger haben ihre Forderungen geltend gemacht.

Voigt: „Sehr erleichtert“

„Ich bin sehr erleichtert über die Abstimmung“, sagte FCK-Geschäftsführer Soeren Oliver Voigt. „Dass Gläubiger viel Geld verloren haben, ist uns bewusst. Diesen Weg haben wir uns nicht ausgesucht, es war ein alternativloser Weg.“ Bei Ablehnung des Insolvenzplans wären die Gläubiger wohl komplett leer ausgegangen, und der Spielbetrieb wäre eingestellt worden.

Dafür, dass die laufende Saison und ein Teil der kommenden Spielzeit finanziert sind, haben fünf regionale Unternehmer mit dem Einstieg gesorgt: Die Saar-Pfalz-Invest GmbH kauft für elf Millionen Euro 33 Prozent der Aktien der FCK KGaA.

Investorengeld für Spielbetrieb und Gläubiger

Rund eine Million davon ist bereitgestellt, um den Gläubigern nun ihre vier Prozent möglichst rasch zukommen zu lassen. Die elf Millionen bedeuten Eigenkapital. Dadurch wird die bisher klar von teurerem Fremdkapital dominierte Finanzierung abgelöst. Vier Millionen der elf Millionen Euro liegen schon auf einem Treuhandkonto bereit. Der Betrag wird in Tranchen ausgezahlt. Für die laufende Saison sind 6,3 Millionen Euro vorgesehen. Zur Entschuldung des eingetragenen Vereins FCK, die in den nächsten Monaten und Jahren erfolgen soll, ist ebenfalls ein Teil der elf Millionen Euro vorgesehen.

„Der Plan schafft einen finanziellen Ausgleich zwischen den verschiedenen Interessen“, sagte der vom Amtsgericht Kaiserslautern eingesetzte Sachwalter Andreas Kleinschmidt. „Ich glaube, dass der Verein und die Kapitalgesellschaft des FCK wieder auf einem soliden wirtschaftlichen Fundament stehen, auf dem es nun sportlichen Erfolg aufzubauen gilt.“

Kurz vor Fritz Walters 100.

Am 15. Juni hat FCK-Geschäftsführer Voigt den Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung gestellt. Der übliche Neun-Punkte-Abzug für den Antrag wurde vom Deutschen Fußball-Bund wegen der Coronavirus-Krise ausgesetzt. Das Verfahren ist vom Amtsgericht Kaiserslautern am 1. September eröffnet worden. „Ich bin sehr froh, dass wir in ambitioniert kurzer Zeit das alles umsetzen konnten“, sagte Rechtsanwalt Dirk Eichelbaum, der Generalbevollmächtigte des FCK in Sanierungsfragen. In Anspielung auf Fritz Walter, der am 31. Oktober seinen 100. Geburtstag gefeiert hätte, meinte Eichelbaum: „Wir hatten ein klares Ziel: Wir wollten vor Fritz Walters 100. Geburtstag fertig sein, das ist uns gelungen. Und heute Morgen dachte ich: Regnerisch und trüb, das ist dem ,Fritz sei Wetter’.“

Geleitet hat die Versammlung Insolvenzrichter Jochen Waltenberger vom Amtsgericht Kaiserslautern. „Für mich als Richter und als Fan des FCK ein ganz spezielles Verfahren“, sagte Waltenberger. „Man darf hinfallen, aber man muss auch wieder aufstehen. Und das Gericht ist die Instanz, die beim Aufstehen hilft.“

Voigt: „Eine gute Nachricht für den FCK“

Geschäftsführer Voigt betonte: „Dank der regionalen Investoren haben wir nun auch eine Situation, die uns in die Lage versetzt, dass wir weiter investieren können. Das Ergebnis heute ist eine gute Nachricht für den FCK, um in die Zukunft investieren zu können.“

Voigt ergänzte mit Blick auf eine schwierige Zeit seit seinem Amtsantritt am 3. Dezember 2019: „Ich bin schon emotional sehr aufgewühlt. Die vergangenen zehn Monate kommen mir wie ein Jahr vor.“ Erleichtert und dankbar ist er auch für die Mitarbeiter, die diesen Weg mitgegangen sind, mit dem Aufsichtsrat um Markus Merk und Rainer Keßler. In der schwierigen Zeit sei dann noch die Pandemie gekommen, die letztlich dazu geführt habe, dass man den Weg der Insolvenz habe gehen müssen. „Wir waren bis dahin auf einem guten Weg.“ Nur über den Weg des Eigenkapitals könne der FCK wirtschaftlich wieder in die Spur finden. Sein Dank gilt den regionalen Investoren, die diese emotionale Bindung zum Verein haben. „Wir sind aber noch lange nicht fertig.“

Nun gehe es darum, das klassische Klubbusiness zu intensivieren, sich intensiver um Strukturen und die Mitarbeiter zu kümmern, was in den ersten zehn Monaten nicht möglich gewesen sei. „Wir wollen gemeinsam Lösungen finden für die Probleme, die wir haben.“ Der Klub habe nun die Möglichkeit, sich perspektivisch aufzustellen. Die Suche nach strategischen Partnern gehe weiter. „Daran können wir nun in Ruhe arbeiten.“

Ein Signal für die Mannschaft?

Bevollmächtigter Eichelbaum sagte: „Wir versprechen, dass der FCK aus dieser Phase seine Lehren ziehen wird.“ Und fügte mit Blick auf den sportlichen Fehlstart des FCK in die laufende Saison an: „Der Mannschaft möge das ein Signal sein.“ Endgültig abgeschlossen ist das Insolvenzverfahren formell noch nicht – aber alles sieht danach aus, dass das Gericht das Verfahren im Laufe des November aufheben und damit aus Sicht des FCK erfolgreich, sprich mit der kompletten Entschuldung der Kapitalgesellschaft, aufheben kann.

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