Wasserball
Zweitligist SC Neustadt ist ungeschlagener Tabellenführer
Wasserball verbindet Freunde und Familie quer über die Kontinente. Bei der Heimpartie in der Zweiten Wasserball-Liga Süd des SC Neustadt am Samstag waren Neuseeländer begeisterte Zuschauer im Stadionbad. Die Besucher vom anderen Ende der Welt bejubelten beim 15:6 (4:2, 4:0, 5:2, 2:2)-Erfolg der Gastgeber gegen den VfB Friedberg besonders die beiden Ananias-Brüder.
Acht Wochen „Sommerferien“ haben der 15-jährige Charlie und sein achtjähriger Bruder James im Moment. Denn die Jahreszeiten sind Down Under bekanntlich entgegengesetzt zu denen der westlichen Erdhalbkugel. Charlie verbrachte seine Kindergartenzeit in Neustadt, Papa Christian Müller kommt ursprünglich aus Hambach. Seine Frau Natalie lernte er nach dem Studium in London kennen. Eine Zeit lang lebte die Familie in Neustadt. Einer der besten Freunde Charlies war damals Matteo Ananias. Über diese Verbindung bekam dann 2019 Matteos Bruder Luis ebenfalls die Gelegenheit, sechs Monate in Neuseeland zur Schule zu gehen und bei der Familie zu wohnen.
Wintergrillen nach dem Spiel
Der Gegenbesuch in der Pfalz sollte viel früher geschehen. „Wir hatten 2020 schon die Tickets, doch dann kam Corona“, erzählt Christian Müller. Und er hat selbst eine Verbindung zu Peter Jacqué, dem Junioren-Coach des SCN. „Er war mein Lehrer am Leibniz-Gymnasium und hat mir das Schwimmen beigebracht“, verrät Müller. Die Pläne der Neuseeländer für den jetzigen Aufenthalt in Neustadt sind vielfältig. So ging es am Samstag nach dem Spiel zum „Wintergrillen“. Schließlich wurde Matteo just an dem Spieltag 15 Jahre. Er erhielt ein besonderes Präsent. Der U16-Spieler durfte in der Zweitliga-Partie der Männer ins Wasser. Peter Jacqué erklärt: „Laut den Statuten muss man mindestens 15 Jahre alt sein, wenn man bei den Männern mitspielt.“ Ein weiteres Geschenk machte sich Matteo selbst: Er erzielte den Treffer zum 11:3.
Mit der 86-jährigen Oma
Eine weitere Familie feuerte den SCN ebenfalls an. Denn Timo van der Bosch, Neuzugang und ehemaliger Nationalspieler, hat eine wasserballverrückte Verwandtschaft. Mutter Silke war Spielerin des Frauen-Bundesligisten SV Nikar Heidelberg. Schwester Sina ist noch aktive Spielerin. Vater Kai trainiert das Team. Sogar die 86-jährige Oma, ihr Sohn Henning und die 14 Monate alte Tochter von Sina waren als Zuschauer im Stadionbad. Silke van der Bosch bringt es auf den Punkt: „Wir sind Familie. Wir lieben Wasserball. Es ist ein Stück unseres Lebens. Die Kinder sind damit aufgewachsen.“ Selbst im Winter reisen van der Boschs aus Lambsheim und Heidelberg an. „Solange es wettertechnisch machbar ist, kommen wir“, betont sie.
Die Fans mussten am Samstag nur in den ersten drei Minuten um den Erfolg des SCN bangen. Die Gastgeber vergaben ihre ersten beiden Torchancen, Friedberg nutzte dagegen den ersten Angriff zum 1:0 in der dritten Minute. SCN-Keeper Hendrik Hummel ließ den Ball durch seine Hände flutschen. Es blieb die einzige Unsicherheit von Hummel. Seine Mitspieler konzentrierten sich besser und folgten der lautstarken Aufforderung von Trainer Thorsten Preuß: „Die Aktionen müssen früher kommen.“
Ananias-Brüder treffen
Auch das 4:2 für den SCN folgte auf Preuß’ Zurufen: „Vorwärts spielen.“ Derweil verrieten die Gäste aus Neuseeland, dass sie sich auch das Finale der Fußball-WM zusammen mit Familie Ananias anschauen wollten. Wenn auch mit einer leichten Enttäuschung. „Wir hatten schon erwartet, dass Deutschland weiter mitmischt“, gesteht Christian Müller. Doch die Ananias-Brüder sorgten für einen gewissen Ausgleich und Gelegenheit zum Jubeln. Denn auch Luis Ananias trug sich mit zwei Treffern in den Spielbericht ein.
Der zweite Anzug spielt
Die letzten sechs Minuten gehörten sogar dem „zweiten Anzug“ des SCN. Zur letzten Viertelpause sagt Preuß zu seinen Leuten auf der Bank: „Klärt ab, wer wo spielt, wer ist Center. Ihr spielt dann durch, wenn der nächste Treffer gefallen ist.“ So kam auch Matteo noch einmal ins Wasser. Zwar war bei seinen Mitspielern deutlich zu sehen, dass ihnen noch die Spielpraxis fehlt. Doch Preuß denkt weiter: „Der Sieg war ungefährdet. Da ist es egal, wie hoch er ausfällt. Es sollen alle zum Einsatz kommen.“
Der SC Neustadt ist nach drei Spielen ungeschlagener Tabellenführer. Matthias Held (10 Tore), Xaver Schädler und van der Bosch (je 9 Treffer) führen die Torjägerliste an. So lässt es sich gut überwintern: Die nächste Partie des SCN ist ein Heimspiel am 5. Februar gegen Vorwärts Ludwigshafen.
So spielten sie
SC Neustadt: Hendrik Hummel – Vagts (1 Tor), van der Bosch (3), Stubenvoll, Beck, Vlantoussis (1), Tim Schwarzkopf (2), Guth, Matteo Ananias (1), Luis Ananias (2), Schädler (4), Benedikt Hummel, Held (1).