Wasserball
Zweite Liga: SC Neustadt gegen Schlusslicht mit Sand im Getriebe
Mit 12:8 (2:2, 3:3, 4:1, 3:2) bezwingt der SC Neustadt am Samstag im Stadionbad Mitaufsteiger Laatzen in der 2. Wasserball-Bundesliga Süd. Doch vor der Partie hätte man durchaus mit einem deutlicheren Ergebnis für die Gastgeber rechnen dürfen. Laatzen steht ohne Punkt auf dem letzten Tabellenplatz. Was war da in der ersten Spielhälfte los? Warum gab es kein Schützenfest? Wer zu Hause das Spiel am Livestream auf dem Youtube-Kanal verfolgt hat, musste sich einen Teil der Spielzüge zusammenreimen. Die beiden Kameras waren jeweils auf die beiden Bereiche der Tore gerichtet, das Mittelfeld blieb ohne Kameraüberwachung.
Die Neustadter Jugend-forscht-AG unter ihrem Motor Sergej Buragin kümmert sich um die Technik und experimentiert noch, wie die Übertragung qualitativ verbessert werden kann. Beim Wasserball ist es ohnehin wichtiger, dass die Fans vor Ort sind, um ihr Team lautstark anzufeuern. Diesmal sind viele Anhänger zu Hause geblieben, weil sie eine einseitige Partie erwartet hatten.
Frust statt Lust
Doch sie dürfen sich vor dem Bildschirm die Augen reiben. Das Schlusslicht Laatzen geht in Führung, der SCN vertändelt grottenschlecht seine Angriffe. Selbst von den zahlreichen Überzahlgelegenheiten nach Zeitstrafen für Laatzen profitieren die SCN-Angreifer kaum. Sie erzielen nur eine 22-Prozent-Quote in Überzahl. Überhastet, unkonzentriert, zu schnelle Abschlüsse statt eines überlegten Aufbaus sorgen in den ersten beiden Vierteln für Frust. Im Dialog am Live-Mikrofon mit Moderator Ege Engin ist Michael Heinz. Heinz, Manager der Wasserball-Abteilung, erfahrener Trainer und Wasserballspieler sowie SCN-Vorsitzender, schnauft tief durch. Er wusste schon vorher: „Wir dürfen Laatzen nicht unterschätzen.“ Doch nach der ersten Hälfte erkennt er: „Wir haben unsere Chancen nicht verwertet. Wir hatten fünf Überzahlspiele, alle fünf nicht genutzt. Aber wir sind konditionell besser drauf.“
So war es auch. Heinz knurrte zwar bei manch vertanen Chancen weiter ins Mikrofon, doch Laatzen ließ nach. Die kurze Pausenansprache von SCN-Coach Milos Sekulic hat sein Team wachgerüttelt. Schnell zieht der SCN auf 9:5 davon. Laatzen bleibt sechs Minuten ohne Treffer. Wie immer steht die Defensive des SCN gut, Keeper Konstantin Wolgin verhindert Gegentore. Artem Kamlov verwandelt sicher drei Fünfmeter und erzielt insgesamt fünf Treffer.
Vor dem Spitzenspiel
Die Ausbeute der Gäste bei Überzahl beträgt nur magere 25 Prozent. Dennoch kommt Laatzen noch einmal auf 10:8 heran. Den Schlusspunkt setzt Matteo Ananias mit dem Tor zum 12:8. Für Coach Sekulic war klar, dass sein Team am Ende siegt: „Daran hatte ich nie einen Zweifel. Es war heute einer dieser Tage, wo man als Favorit reingeht und nicht das spielt, was man kann.“ Sekulic wäre jedoch nicht ein erfahrener Trainer, würde er nicht auch aus solch einer verkrampften Partie seinen Nutzen ziehen. Es sei schwer, aus so einer Situation herauszukommen, man habe aber jetzt gelernt, dass man auch solch eine Partie gewinnen könne, wenn es nicht so gut laufe, betont er. Auch SCN-Kapitän Matthias Held findet fast die gleichen Worte. „Es gibt solche Tage, wo man miserabel beginnt. Immerhin war diesmal unser drittes Viertel besser. Solch ein Spiel ist einfach schwierig, wenn ein Gegner kommt, der bisher null Punkte hat.“ Der 41-jährige Grünstadter blickt bereits auf den kommenden Samstag. Dann gastiert der Tabellenzweite Krefeld im Stadionbad. „Zum Spitzenspiel gehen wir mit einer ganz anderen Spannung, wir brauchen jetzt eine gute Trainingswoche“, erklärt er.
Momentan steht Aufsteiger SC Neustadt sogar auf dem dritten Rang. Mit einem Sieg über Krefeld könnte der SCN auf Rang zwei vorrücken. Aber dann ist auch klar, das Team braucht eine volle Bude im Stadionbad. Die Fans sollten sich aufraffen und Sofa und Bildschirm mit einem warmen Platz im Stadionbad tauschen.