Neustadt Zwei Siege und ein Olympiateilnehmer

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Einziger Wermutstropfen im Becken des SC Neustadt ist der bevorstehende Abschied von Trainer Janusz Gogola. Wie berichtet, erklärte der 54-jährige Frankfurter seinen Rücktritt bis Ende Januar. Manager Michael Heinz teilte gestern mit, dass jetzt ein Nachfolger verpflichtet wurde. Mit Dragan Matutinovic kommt ein Coach, der international große Erfolge einfahren konnte. So führte der 59-jährige Kroate das Nationalteam von Spanien 1992 zur Silbermedaille bei den Olympischen Spielen in Barcelona. Sein 30-jähriger Sohn Bojan spielt in der zweiten Saison für den SCN. Im Spiel gegen Tabellenführer Potsdam zeigte der SCN die beste Leistung seit Jahren. Zunächst sah es allerdings nicht gut aus. Im ersten Viertel beharkten sich beide Seiten mit sehr rustikalen Mitteln. Es wurde gezogen, gezerrt, gestoßen, die Ellbogen eingesetzt. Die beiden Unparteiischen, Ralf Talaga und Mirko Amtzen aus Duisburg, ließen die Gäste die gesamte erste Hälfte bei ihren unfairen Aktionen zu oft gewähren. So musste Bojan Matutinovic einige Zeit aus dem Becken, nachdem er eine blutende Wunde am Kinn hatte. Doch nicht nur die Schiedsrichter, auch die SCN-Spieler selbst sorgten für unnötige Spannung, indem sie einige hundertprozentige Chancen vergaben. So scheiterte Barnabas Albert frei vorm Tor, auch Laurence Tummings brachte den Ball in aussichtsreicher Position nicht an dem hervorragenden Gästetorhüter Jakob Nößler vorbei. „Wichtig war in dieser Phase, dass es keine Schuldvorwürfe in unserem Team gab. Die Spieler haben nie aufgegeben“, so SCN-Coach Gogola. Im SCN-Gehäuse sorgte Abel Müller erneut für Sicherheit. Er parierte zahlreiche Versuche der Gäste. Anfang des dritten Viertels ging Potsdam durch Spencer Hamby mit 6:3 in Führung. Bojan Matutinovic sorgte mit einem scharfen Aufsetzer für den Anschluss zum 6:4. Erneut kam es zum Drei-Tore-Vorsprung für Potsdam, nachdem ein Neustadter Angriff mit überhartem Einsatz ausgebremst wurde. Doch dann kippte mit dem Spielausschluss nach jeweils drei Fouls für die Potsdamer Matteo Dufour und Lukas Küppers das Spiel. Die engen Zweikämpfe brachten das Wasser im Becken sprichwörtlich zum brodeln, phasenweise entwickelte sich eine Wasserschlacht, die Zuschauer feuerten ihr Team rhythmisch klatschend an. Jetzt verwerteten die Neustadter Stürmer ihre Chancen. Ein Doppelschlag durch Martin Görge sorgte für den Ausgleich. Barnabas Albert löste sich mustergültige von seinem Bewacher und erzielte die Führung zum 10:9. Die Entscheidung brachte das 11:9 durch Routinier Stefan Ehrenklau. Enttäuschung herrschte bei den Potsdamer Spielern. „Es war einfach ein sehr hartes Spiel für uns. Entscheidend war, dass zwei wichtige Spieler nach den Zeitstrafen nicht mehr ins Wasser durften“, so der Australier Jack Collier. OSC-Coach Alexander Tschigir sagte: „Wir haben nicht verkraftet, dass Neustadt den Willen hatte, über und unter Wasser alles zu geben. Im letzten Viertel, das mit 5:1 an Neustadt ging, haben wir komplett die Nerven verloren.“ SCN-Spieler Jorge Mongrell meinte, das Spiel sei körperlich mit harten Attacken sehr anstrengend gewesen, aber die Kampfbereitschaft seines Teams hätte den Ausschlag gegeben. „Es war bereits im dritten Viertel zu sehen, dass Potsdam schwankte und ungenau zu spielen begann. Trotzdem überraschte es, dass der Gegner konditionell so stark einbrach“, betonte SCN-Coach Janusz Gogola. Auf einem Notizzettel hatte er akribisch notiert, wie er seine Spieler während der Begegnung rotieren lassen wollte, um ihnen Verschnaufpausen zu verschaffen. In der zweiten Begegnung des Wochenendes war der SCN am Sonntag im Stadionbad klarer Favorit. Wedding Berlin hatte nach dem Sieg in Leimen am Tag zuvor erst drei Zähler auf dem Konto. Der SCN indes lag das schwere Spiel gegen Potsdam im Magen. Das wurde von Beginn an in der schlechten Chancenauswertung der Pfälzer sichtbar. Trotz des klaren 10:4-Erfolges war es ein unattraktives Spiel für die Fans. Vor allem die zahlreichen Überzahlgelegenheiten nach insgesamt 14 Wasserverweisen für Berlin wurden nur selten verwertet. Im dritten Viertel erhielt der SCN zudem einen Strafwurf zugesprochen, doch Jorge Mongrell vergab beim Stand von 7:3. Im Gegenzug gab es auch einen Fünfmeter für Berlin. Marton Sarosi scheiterte an Abel Müller. Der 21-jährige Neustadter Keeper, der für den erkrankten Michael Knelangen vor drei Spielen ins Tor rückte, war erneut ein starker Rückhalt und wurde zum Spieler des Tages gekürt. Der im Vergleich zu seinem über zwei Meter großen Kollegen Knelangen mit 1,91 Metern eher kleingewachsene Keeper, arbeitet hart für seine Fähigkeit, möglichst lange und möglichst hoch aus dem Wasser zu steigen. „Ich halte im Training einen vier Kilogramm schweren Medizinball für rund 40 oder 50 Sekunden mit den Armen über mir“, erklärte er. Für Michael Knelangen ist die Konkurrenz kein Problem: „Abel hat gut gehalten und steht jetzt verdient im Tor. Es ist gut zu wissen, dass ein gleichwertiger Ersatz da ist. Wer besser ist, wird dann vom Trainer aufgestellt.“ Zu seinem ersten Einsatz in der höchsten Spielklasse kam Johannes Weigert. Das 17-jährige SCN-Eigengewächs verpasste bei einem couragierten Angriff mit einem klugen Heber nur knapp das Tor. Sven Marschalek, Pressesprecher des Gästeteams, meinte: „Zu Beginn haben wir gut mitgehalten, dann gingen unsere Bälle nicht mehr rein. Neustadt war besser, mehr war für uns heute nicht drin.“ SCN-Coach Janusz Gogola sagte: „Wir waren heute müde. Matthias Held zum Beispiel hatte gestern eine enorme Strecke zurückgelegt. Berlin war überraschend stark und ich musste umstellen.“ Eine gute Vorstellung lieferte Rechtsaußen Martin Görge ab. Der Linkshänder erzielte fünf Treffer und war nach Torhüter Müller der auffälligste Neustadter Spieler. Görge profitierte dabei auch einmal vom uneigennützigen Zuspiel Bojan Matutinovics, der statt selbst zu schießen im Doppelpass an Görge weitergab.

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