Maikammer RHEINPFALZ Plus Artikel Ziegen als Landschaftspfleger: Sie kommen auch mit Brombeerhecken klar

Ziegen-Mamas: Claudia Zwick-Schönung (links) und Stefanie Funk mit den drei Wochen alten Vierlingen.
Ziegen-Mamas: Claudia Zwick-Schönung (links) und Stefanie Funk mit den drei Wochen alten Vierlingen.

Die Ziegen von Stefanie Funk aus Maikammer sind wahre Landschaftspfleger: Stark verbuschte Hänge werden dank der Paarhufer wieder zugänglich, neue Freiflächen entstehen.

„Die Ziegen sind unser Hobby, es macht unheimlich viel Spaß!“: Stefanie Funk sitzt mit ihrer Freundin Claudia Zwick-Schönung auf einer Holzbank, die Sonne scheint, rundum blühen die ersten Bäume. Auf dem idyllischen Anwesen der Familie Funk am Wetterkreuzberg ist viel los: Eine Herde Heidschnucken grast mit ihren schwarzen Lämmern, und auf dem ganzen Areal verstreut tummeln sich, neben ein paar Hausziegen, die Burenziegen samt Nachwuchs. Charakteristisch für die Rasse: Kopf und Hals sind braun, der Körper weiß. Aus Afrika stammten sie ursprünglich, sagt Funk, und bei ihr auf dem Anwesen lebten ihre Tiere seit 2015.

Wie die Heidschnucken, die schon etwas länger bei Stefanie Funk sind, werden auch die „Buren“ als Landschaftspfleger eingesetzt. Dafür seien gerade die Ziegen perfekt geeignet, erklärt die 56-Jährige, denn die Tiere tun sich sogar an den schwer zugänglichen Brombeerhecken gütlich. „Sie fressen die Blätter ab und drücken dabei die Verbuschung runter“, erzählt Funk, und dies Jahr für Jahr. „So entstehen dann neue Freiflächen und Wiesen“, erklärt sie. Der Eichelberg beispielsweise, oder auch das Anwesen hier am Wetterstein, seien früher komplett verbuscht und nicht zugänglich gewesen. Erst durch den beherzten Einsatz der Ziegen wurden daraus Terrassen und Grasflächen, wie wir sie heute sehen.

Scheren, Wurmkuren und Klauenpflege

Und wie anspruchsvoll sind die „Buren“ allgemein? Im Winter oder jetzt, wenn Nachwuchs da ist, benötigten die Tiere Kraftfutter und Heu, sagt Stefanie Funk, aber „ab Mai, wenn sie auf die Weideflächen gehen, ernähren sie sich nur von Brombeerblättern, Blättern und Gras“. Nur abends, „wenn wir kommen, legen wir ihnen ein bisschen was hin – so dass wir sehen, es sind alle 14 da“.

Funk und Zwick-Schönung schauen gut nach den Tieren. Und eine genaue Beobachtung, das sei das A und O. Wie ist das Verhalten, wie ist der Gesundheitszustand? Regelmäßige Wurmkuren sowie Klauenpflege gehören dabei ebenso dazu wie das Scheren der höchst genügsamen Heidschnucken, das von Zeit zu Zeit anfällt und von den Frauen in Eigenregie durchgeführt wird. Das Tierwohl, sagen sie, stehe immer an oberster Stelle.

Jetzt im Frühjahr hat es bei den Burenziegen Nachwuchs gegeben. Und mit den Zicklein gilt es besonders aufmerksam zu sein. Heidi, eine der „Buren“, hat dieses Jahr sogar Vierlinge zur Welt gebracht. „Das ist schon außergewöhnlich“, sagt Stefanie Funk. Drei Wochen alt seien die Kleinen jetzt, „und alle lebensfähig“.

Am selben Tag habe auch noch eine andere Ziege Zwillinge bekommen - da seien sie gut beschäftigt gewesen. Nachts kommen die Mütter und ihre Zicklein noch in Boxen, „damit sie ihre Ruhe haben. Und auch wegen der Mutter-Kind-Bindung“. Sind die Kleinen fit genug, dürfen sie morgens raus aus dem Gehege. Die Vierlinge seien aber noch nicht so weit, so Funk.

Besonderes Augenmerk hatten die beiden Frauen auf ein weibliches Zicklein, das besonders klein und schwach war. Jungtiere wie dieses müssten immer in engem Kontakt zur Mutter sein, sagen sie, denn auf dem großen Areal bestehe die Gefahr, dass sich so ein Kleines dann isoliere, erklärt Claudia Zwick-Schönung, „es sondert sich ab und kann versterben“. Doch seit ein paar Tagen werde auch dieses Zicklein kräftiger, erzählen die Frauen.

Kindergärten kommen gerne zu Besuch

Die Freude, die beide an der Arbeit mit diesen Tieren haben, ist dabei deutlich spürbar. Stefanie Funk, die zurzeit eine Ausbildung zur Naturbotschafterin absolviert und mit ihren Ziegen sowohl in der Ortsgemeinde Maikammer und dank der Stadt Neustadt „seit letztem Jahr auch hier in Richtung Zeter Berghaus“ Beweidungsprojekte am Laufen hat, kommt richtig ins Schwärmen, wenn sie von ihren Tieren erzählt. „Therapieziegen“ wie Ilse beispielsweise, eine hübsche Hausziege mit blauem Halsband, und auch die ruhigen „Buren“ lassen sich geduldig streicheln und scheinen es zu genießen – ein Grund, wieso gerade Kindergärten gerne zu Besuch kommen. Und ein früher Kontakt der Kinder zu den Tieren ist Funk ein Anliegen, denn dabei lernten sie, „mit offenen Augen durch die Natur zu gehen“.

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