Neustadt „Wohnung ist wichtig für die Integration“

Engagieren sich für die Integration von Flüchtlingen: Misbah Khan (links) und Petra Helber.
Engagieren sich für die Integration von Flüchtlingen: Misbah Khan (links) und Petra Helber.

«Deidesheim.» Seit 2015 betreut der Verein „Freunde für Flüchtlinge“ (FFF) Menschen, die wegen Krieg und Verfolgung ihre Heimat verlassen haben. Trotz großer Solidarität innerhalb der Verbandsgemeinde Deidesheim ist es schwer, für die Neuankömmlinge Wohnraum zu finden.

Die derzeit 20 privat vermittelten Wohnungen reichen bei Weitem nicht aus. Innerhalb der Verbandsgemeinde suchen noch 28 Einzelpersonen sowie zehn Familien mit 41 Angehörigen eine Wohnung. Die Veranstaltung des Runden Tischs mit dem Motto: „Wohn- und Lebensraum für Geflüchtete“ am Mittwoch, 14. November, um 19 Uhr im Ratssaal der Deidesheimer Verbandsgemeindeverwaltung soll zu einer Verbesserung der Situation führen. Veronika Nürck-Lang hat zuvor mit Vereinsmitarbeiterin Petra Helber (Ruppertsberg) und Moderatorin Misbah Khan (Meckenheim) gesprochen. Wie schätzen Sie die aktuelle Situation der Flüchtlinge in der Verbandsgemeinde Deidesheim ein? Helber: Ganz gut, viele sind in Arbeit und Ausbildung. Außerdem haben wir zahlreiche engagierte Helfer und es kommen immer wieder neue dazu. Welche Probleme bestehen hier Ihrer Meinung nach? Helber: Ein großes Problem sind die fehlenden Wohnungen. Die vom Status her anerkannten Flüchtlinge dürfen übergangsweise in den Wohnungen der Verbandsgemeindeverwaltung bleiben, was sehr großzügig ist. Das geht jedoch nur, weil zurzeit wenig neue Flüchtlinge zugeteilt werden. Familiennachzug findet auch nicht statt, weil die hier lebenden alleinstehenden Männer keine Wohnung nachweisen können. So würde gerne ein Mann aus Eritrea seine Frau mit vier Kindern hierherholen. Für eine mehrköpfige Familie ist das Wohnungsproblem ein noch schwierigeres Thema. Problematisch ist auch, dass viele der Geflüchteten nur außerhalb der Verbandsgemeinde eine Wohnung finden und wieder aus dem neuen sozialen Umfeld herausgerissen werden. Da müssen sie wieder von vorne anfangen. Gerade Kinder, die in der Schule bereits Freunde gefunden haben, leiden darunter. Wie kann sich die Bevölkerung einbringen und zur Problemlösung beitragen? Khan: Am besten geeigneten Wohnraum anbieten oder den Flüchtlingen dabei helfen, eine Wohnung zu finden. Eine eigene Wohnung ist für die Integration sehr wichtig. Sie hilft, in der neuen Umgebung richtig anzukommen. Damit kommen Geflüchtete auch von der Stigmatisierung der Massenunterkünfte weg. Das trifft zwar in der Verbandsgemeinde Deidesheim weniger zu, ist aber in den Städten ein Problem. Helber: Vermieter haben schon sehr positive Erfahrungen mit Flüchtlingsfamilien gemacht. Ein Deidesheimer hat sein Elternhaus an eine Familie vermietet und uns versichert, dass sein Haus noch nie so sauber gewesen sei. An wen richtet sich die Einladung zum Runden Tisch in erster Linie? Khan: An alle interessierten Bürger und natürlich vor allem an potenzielle Vermieter. Wer wird an der Veranstaltung noch mitwirken? Helber: Dazu gehören Verbandsbürgermeister Peter Lubenau mit Mitarbeitern der Verwaltung sowie Helfer vom Verein „Freunde für Flüchtlinge“. Es werden aber auch Vermieter und Flüchtlinge dabei sein, die bereits eine Wohnung gefunden haben und über ihre Erfahrungen berichten. Auch von den beiden ortsansässigen christlichen Kirchen kommt je ein Vertreter. Frau Khan, Sie haben bei der Veranstaltung die Moderation. Sind Sie schon länger für den Verein „Freunde für Flüchtlinge“ aktiv? Khan: Das ist jetzt meine zweite Veranstaltung zusammen mit dem Verein. Ich habe im September an der multireligiösen Gebetsfeier mitgewirkt. Das hat mir sehr gut gefallen, und ich habe dabei viele interessante Leute kennengelernt. Wenn es zeitlich passt, werde ich gerne wieder mitmachen. Das ist der Vorteil an dem Verein. Niemand braucht sich zu überfordern, sondern bringt sich so ein, wie es sein Zeitmanagement zulässt. Wie können die Bürger sonst noch helfen? Khan: Da gibt es viele Möglichkeiten! Man kann den Verein finanziell oder mit Sachspenden unterstützen. Aber auch Kontakte und Freundschaften zu Geflüchteten knüpfen. Gerade jungen Menschen fehlt es an einem Freundeskreis. Sie sind zwar in Sportvereinen, Feuerwehr oder beim Jugendtreff, doch sollten Freundschaften darüber hinaus auch privat entstehen. Helber: Es gibt in der Stadt Deidesheim und in jeder Ortsgemeinde Ansprechpartner.

x