Neustadt Wochenspiegel:

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Wenn der Ton im Stadtrat rauer wird, wenn die Emotionen hochkochen, wenn Worte fallen wie „verarscht“, „scheißegal“ oder „Schnarchsack“, dann passt sich die Mikrofonanlage im schummrigen Ratssaal besonders gerne dieser Stimmung an. So geschehen auch diese Woche, als unter anderem über den Schulentwicklungsplan debattiert wurde. Da wurde die Stimme von Oberbürgermeister Hans Georg Löffler plötzlich besonders hell, klang Kurt Werner von den Grünen irgendwie leicht verzerrt, und auch der Sozialdemokrat Pascal Bender kam nicht mehr ganz so sonor rüber, wie das sonst der Fall ist. Einzig der Freie Wähler Marc Weigel und der Liberale Matthias Frey schlugen der Technik, die sich so formvollendet ihren jeweiligen Nutzern hingab, ein Schnippchen. Beide sprachen einfach ohne Mikro. Was clever war. Aber auch nicht immer zu verstehen – rein akustisch. Welch Glück, dass der Stadtrat es auch weiter ablehnt, dass live aus seinen Sitzungen übertragen wird. Überhaupt die Technik. Diese ersetzt ja das Papier, wenn es um Beratungsvorlagen für die Stadtratsmitglieder geht. Das ist Fluch und Segen zugleich, wie sich immer wieder herausstellt. So brach unlängst der städtische Server zusammen, weil zu viele Ratsmitglieder ihre Unterlagen erst in der Sitzung öffneten. Da war es nur von geringem Trost, dass die Technik Papier sparen hilft. Oder am Dienstag, als die Verwaltung zum Schulentwicklungsplan angesichts der turbulenten politischen Diskussionslage im Vorfeld wie mit einem Maschinengewehr Salven von geänderten Beratungsvorlagen ins elektronische Postfach der Ratsmitglieder abfeuerte. Und die ehrenamtlichen Kommunalpolitiker, zumindest aus Sicht der Opposition, gar nicht mehr nachkamen mit dem Öffnen. Folglich fühlten sie sich, jenseits aller unterschiedlicher Auffassungen, schlichtweg schlecht informiert und überfordert von einem solchen Gebaren. Und das zu Recht. Es gibt eben Situationen, in denen Papier eindeutig die bessere Alternative wäre. SPD-Fraktionsvorsitzender Pascal Bender drohte folglich sogar damit , sein Tablet zurückzugeben. Oberbürgermeister Hans Georg Löffler konnte darüber nur schmunzeln – und leicht triumphierend seine Beratungsvorlagen in Papierform hochhalten. Kein Öl ins Feuer zu gießen sieht im Normalfall allerdings anders aus. Mehr auf Technik soll bald auch bei der Kfz-Zulassungsstelle im Stadthaus IV gesetzt werden. Online-Anmeldung oder Terminvereinbarung per Internet, heißt das unter anderem. Wer indes nicht allein darauf zählen will oder kann, soll es künftig zumindest gemütlicher haben, wenn er ins Stadthaus kommt. Eine Art Wellness-Zone für Bürger, sozusagen. Ein Bereich, wo es sich gerne warten lässt, auch wenn es noch so lange dauert. Auf was genau sich der Kfz-Besitzer freuen darf, ist noch nicht ganz klar. Daran arbeitet die Verwaltung jetzt auf Antrag der CDU. Dass ein Konzept ohnehin schon in der Mache ist, aber offensichtlich noch ein wenig Zeit braucht, stört niemanden. Obwohl doch insbesondere die CDU sich gern an aus ihrer Sicht überflüssigen Anträgen von FWG und SPD reibt. Warten wir also ab, ob es der Wähler am Tag der Oberbürgermeister-Wahl auch dem richtigen zu danken weiß, wenn er sich im Stadthaus IV bald wie im siebten Himmel fühlen darf.

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