Neustadt „Wo läufst du hin?“

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«Hassloch». Eine gelungene Kombination von geistlichen Liedern von Max Reger, Tilo Medek und Jan Roelof Wolthuis sowie Orgelwerken von Johannes Brahms boten Bariton Christopher Jung und Bezirkskantor Simon Reichert am Freitag beim 29. Benefizkonzert der Reihe „Haßlocher Turm-Initiative“ in der Christuskirche. Das Programm entsprach komplett der CD-Aufnahme, die die beiden unlängst in der St. Paulikirche in Soest eingespielt haben.

Wie ein Gewittersturm brechen sich die ersten Klänge des Praeludiums in g-Moll von Brahms Bahn. Reichert an der Orgel arbeitet wie auch bei der nachfolgenden Fuge die Motivik kunstvoll heraus, setzt das Thema, in Modulationen variiert und durch abwärts führende Sequenzen verbunden, mit abwechslungsreicher Registrierung um. Brahms-Choralvorspiele aus op. 122 bilden danach den Rahmen für die geistlichen Lieder. Reichert hat eine gelungene, kontrastierende Auswahl getroffen, die Raum lässt für die Klangvielfalt der Orgel. Die Werke wirken gar nicht wie Choralvorspiele, sondern wie Charakterstücke, die im Spannungsfeld zwischen vorgegebener Melodie und raffiniertem Kontrapunkt stehen. Regers „Geistliche Lieder“ stellen dann gleich hohe Anforderungen an die Interpretationskunst des Gesangssolisten, die dieser mit seiner weittragenden Stimme in allen Tonlagen aber beeindruckend meistert. Textaussagen deutet Jung mit Intensität aus; dank seiner akzentuierten Aussprache ist alles gut zu verstehen. Wie ausgewogen das Zusammenspiel von Reichert und Jung ist, hört man auch bei den beiden geistlichen Liedern op. 105. Der Sänger übernimmt den expressiven Part mit großen Intervallsprüngen und stimmlichen Lagenwechseln, während die Orgel mit flächigen Harmonien untermalt. Von besonderer Farbigkeit sind die sechs Orgellieder, von Tilo Medek (1940-2006) nach geistlichen Gedichten Georg Trakls vertont. In der „Verklärung“ scheinen Orgel und Gesang ein Eigenleben zu führen, ehe sie sich doch wieder zusammenfinden. Besonders deutlich wird diese Varietät bei Nr. 4. Die Orgel interpretiert zunächst die dem Text zugrundeliegenden Bilder, sorgt aber immer wieder durch eigenständige Klangveränderungen und Registerwechsel für neue Eindrücke. Dann bringt Nr. 6, „Verklärter Herbst“, eine humorige Note ins Spiel: Das Instrument klingt mit der Betonung durch Zungenpfeifen fast wie eine Kirmes-Orgel. Dramatisch anmutende Textinterpretation kennzeichnen die „Sieben Sprüche für Bariton und Orgel“ von Wolthuis (Jahrgang 1962), der beim Konzert persönlich zugegen ist. „Wo läufst du hin?“ ist nicht nur der Titel dieses Werkes, sondern auch namensgebend für das ganze Konzert. Der Komponist, selbst Dozent an den Hochschulen Würzburg und Nürnberg, unterstreicht die Aussage der barocken Verse des Angelus Silesius mit vielseitigem klanglichem Zugang. Die Orgel bildet die klare rhythmische Struktur, der Gesang erhebt sich darüber wie improvisierend. „Wo ist mein Aufenthalt“ am Anfang mutet mit seinen sphärischen Klängen visionär an. „Halt an, wo läufst du hin?“ wird verdeutlich durch Pausen und Zwischenrufe, beinahe so, als ertönten sie aus allen Ecken des Kirchenschiffs. Zwischen atonalen Sequenzen fügt sich harmonisch-barocke Ausgestaltung ein, so bei „Sag, wie ich möge sein“ oder „Mensch, alles liebet dich“. Bis hin zum „Freund, es ist genug“, das mit Sprachfetzen abrupt endet, meistern Reichert und Jung die hohen Ansprüche mit Virtuosität und perfektem Zusammenspiel. Noch Fragen? Die CD mit dem kompletten Programm ist erhältlich unter simon.reichert@evkirchepfalz.de sowie in der Stiftskirche Neustadt. Preis: 15 Euro.

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