Neustadt
Witwe machte Weinstube Zur Schwarzen Katze zum Wohlfühlort
Das kleine alte Häuschen mit dem großen Torbogen und der Jahreszahl 1764 in der Landschreibereistraße Nummer 23 war einst eine beliebte Weinstube. Die Wirtin Elisabeth Kompter führte das Wirtshaus zusammen mit ihrer Tochter Marie. Die schwarze Katze, wie die Weinstube genannt wurde, war für Kompter das einzige Einkommen. Als Witwe musste sie für sich und die Tochter alleine sorgen.
Schon 1876 erstanden Valentin Kompter und seine Ehefrau Elisabeth, geborene Rothgeb, das kleine Haus in der Landschreibereistraße aus dem Nachlass von dem Neustadter Pfarrer Kilian. Als gelernter Schuhmacher verkaufte Valentin Kompter auf Märkten der näheren Umgebung Schuhe an seine Stammkunden und bestritt den Lebensunterhalt seiner kleinen Familie. Als er erkrankte und arbeitsunfähig wurde, eröffnete seine Ehefrau Elisabeth kurzerhand eine Straußwirtschaft im eigenen Haus. An verschiedenen Tagen bot sie Weine der Region und kleine Imbisse an und sorgte von nun an für die Familie. Nachdem der Schuhmacher 1889 verstarb, beantragte Elisabeth Kompter die Konzession für eine regelmäßig betriebene Weinstube. Ein Jahr später erteilte das Königliche Bezirksamt seine Erlaubnis dazu. Im Adressbuch von 1891 wurde die Weinstube bereits aufgelistet unter Weinstube Elisabeth Kompter Witwe.
Titel als „Dichterklause“
In einem Zeitungsartikel der RHEINPFALZ vom 2. März 1993 wurde die Schwarze Katze sogar als „Dichterklause“ betitelt. „Kein geringerer als Hermann Löns hat hier einst seinen Schoppen Pfälzer Weines genossen“, heißt es in dem Bericht. „Und der Sänger des Pfälzer Lieds, Eduard Jost, war in der heimeligen Gaststube eine gern gesehener Gast.“
Den Namen der Weinstube dachten sich Gäste aus. Elisabeths Tochter Marie war eine Tierliebhaberin. Sie hatte ständig viele Katzen um sich herum. Eine soll ganz schwarz gewesen sein und ihre Augen sollen gestrahlt haben wie glühende Kohlen. So gaben Stammgäste der Weinstube den Namen Zur Schwarzen Katze. Ein Schild mit einer schwarzen Katze hing fortan über dem breiten Holztor.
1957 ist endgültig Schluss
Nach dem Tod von Elisabeth Kompter 1915 wurde die Schwarze Katze zunächst geschlossen. Die Kriegsjahre verhinderten einen rentablen Betrieb. Erst zehn Jahre später, 1925, eröffnete die ledig gebliebene Tochter Marie die Weinstube erneut. Die Neustadter entdeckten das Lokal schnell wieder für sich. Etliche Stammtischrunden ließen sich in der Schwarzen Katze nieder, wie etwa die Dämmerschoppen-Runde von 35 Handwerksmeistern, die sich immer samstags am runden Tisch trafen, oder die Montag-Abend-Runde der Staatsdiener der Stadt. Auch die Volksschullehrer trafen sich regelmäßig zum Schafkopfspielen in der Weinstube. So soll es zumindest im hauseigenen Gästebuch gestanden haben.
1943 verstarb Marie Kompter. Die Weinstube wurde im Auftrag der Erben verpachtet und weitergeführt. 1957 war aber endgültig Schluss. Die Schwarze Katze wurde geschlossen und das Haus verlassen. In einem Zeitungsartikel wenige Jahre später hieß es: „Nur um die Mitternacht hörten besonders Begnadete zuweilen frohen Zechenlärm auf die Straße herausschallen. Die älteren Neustadter gedachten der schönen Stunden, die sie in dem lieben alten Weinlokal verlebt hatten.“ Das alte Häuschen von 1764 steht heute nicht mehr. Nach langem Leerstand fiel es in den sechziger Jahren der Stadtneugestaltung im Zuge des Klemmhofbaus zum Opfer.