Neustadt „Wir wollen Türen öffnen“
Rund 70 anerkannte Flüchtlinge in der Verbandsgemeinde Deidesheim suchen eine Wohnung. Um über diese schwierige Situation zu informieren, veranstaltete der Verein „Freunde für Flüchtlinge der VG Deidesheim e. V.“ (FFF) einen Runden Tisch mit dem Motto: „Wohn – und Lebensraum für Geflüchtete“.
Vor allem potentielle Vermieter sollten damit angesprochen werden. Doch war das Interesse seitens der Bürger recht verhalten. Stattdessen waren Vertreter umliegender Kommunen mit ähnlichen Problemen gekommen. „Wir wollen Türen für diese Neuankömmlinge öffnen, um ihnen eine Chance zu geben“, appelliert Bernhard Bücker vom Verein FFF. Insbesondere will man sich für Familien einsetzen, die vom FFF als zuverlässig eingestuft werden. „Wir wollen, dass Familien, die in unserer Verbandsgemeinde bereits Fuß gefasst haben, auch hierbleiben können.“ Wohnungen gebe es in den Gemeinden genug, doch seien sie nicht für die wohnungssuchenden Flüchtlinge frei. Die Mitarbeiter des Vereins seien gerne zu einem vertraulichen Gespräch bereit, um positive Aspekte vorzustellen und Vorurteile abzubauen, so Bücker weiter: „Wir wollen beiden Seiten gerecht werden.“ Flüchtlinge beispielsweise könnten auch kleinere Hausmeisterarbeiten übernehmen. Allerdings würden Makler als Vermittler nicht infrage kommen. Schon jetzt unterstützen Mitarbeiter des FFF ihre Schützlinge beim Abschluss eines Mietvertrags. „Allein schon das Prozedere beim Jobcenter geht auch ohne unsere Hilfe überhaupt nicht“, gibt Vereinsmitarbeiterin Petra Helber zu bedenken. Ein Mietvertrag muss bezüglich der Miethöhe und Nebenkosten vom Jobcenter genehmigt werden. Für die Kaution geht der FFF zunächst in Vorleistung und die Flüchtlinge zahlen den Betrag in Raten zurück. In der Verbandsgemeinde sind 28 Einzelpersonen und zehn Familien mit 43 Angehörigen auf Wohnungssuche. Dazu gehören auch die Schwestern Amal und Imam Saadoun aus Syrien. Ihrer Familie läuft der befristete Mietvertrag aus, weil das Haus grundlegend saniert werden muss. Der Vermieter versichert, dass es mit den Saadouns keinerlei Probleme gibt. Miete und Nebenkosten werden vom Jobcenter pünktlich zum 31. überwiesen. Die Familie hat sich in Deidesheim ein Haus angeschaut, doch als die Besitzerin hörte, dass die Saadouns Muslime sind, wollte sie nicht mehr weiter mit ihnen reden. „Sie sagte nur noch, dass sie vor Muslimen Angst habe“, erzählt Imam traurig. Sie denkt, dass viele Einheimische falsche Vorstellungen von den Flüchtlingen haben: „Sie meinen, wir würden nicht gerne arbeiten.“ Auch eine weitere Vermieterin hat mit ihren Mietern keine Probleme: „Und wenn es etwas zu klären gibt, helfen entweder die Mitarbeiter des FFF oder der Verwaltung.“ Um auf der sicheren Seite zu sein, habe sie anfangs die Nebenkosten etwas höher angesetzt. „Dann gab es nach dem ersten Jahr eben eine größere Rückzahlung“, erzählt sie. Gute Erfahrungen hat Khamon Ayass, ebenfalls aus Syrien, in Meckenheim gemacht: „Unser Vermieter ist sehr nett und hilfsbereit“, betont sie. In der Verwaltung ist Holger Ganzert für die Flüchtlinge in der Verbandsgemeinde zuständig. Für ihn sind diese Ängste unbegründet. Leider werde, anstatt bei den Fakten zu bleiben, allzu oft negative Stimmung gemacht. Flüchtlinge erhalten zunächst verminderte Leistungen. Erst nach einem Aufenthalt von 15 Monaten stehen ihnen Leistungen auf Sozialhilfe-Niveau zu. Das Jobcenter übernimmt dann auch Mietkosten, die eine vorgegebene Höhe nicht überschreiten dürfen. Zurzeit leben in der Verbandsgemeinde 133 Flüchtlinge. Bei den meisten ist das Asylverfahren abgeschlossen und sie müssten eigentlich aus den, von der Verwaltung bereitgestellten Wohnungen ausziehen. „Die Leute können aber solange darin bleiben, bis sie etwas anderes gefunden haben“, versichert Ganzert. Das ginge zurzeit, weil es wenige Neuzuteilungen gebe. Treffen neue Asylbewerber ein, erhält die Verwaltung rund 14 Tage vorher Bescheid. Dann muss eine Unterkunft gefunden und eingerichtet werden. „Ohne die Mitarbeit des FFF wäre das für uns gar nicht machbar“, betont er. Abschließend waren sich die Gesprächsteilnehmer einig, dass in der Verbandsgemeinde über die Wohnungsprobleme der Flüchtlinge intensiver informiert werden muss. Dabei wollen sich auch die Kirchen einbringen. Zudem sollen mehr Kontakte, gerade auch unter jungen Menschen, geknüpft werden.