Neustadt „Wir haben gejubelt“

Spaziert gerne durch den Pfälzerwald: Susanne Mitschke.
Spaziert gerne durch den Pfälzerwald: Susanne Mitschke.

«KaiserslauternFrau Mitschke, Sie sind 2009 aus Kaiserslautern weg. Betrachten Sie Kaiserslautern noch als Ihre Heimatstadt? Also, ich komme immer wieder gerne zurück nach Hause. Meine Familie lebt ja noch hier, und die freuen sich immer, wenn ich vorbeikomme. Ich mag es dann auch, einfach mal wieder durch den Pfälzerwald zu spazieren. Haben Sie in Kalifornien etwas Vergleichbares? Ich erzähle meinen Freunden immer, dass die Santa-Monica-Mountains so aussehen wie bei uns daheim der Pfälzerwald. Hätten Sie zu Abizeiten gedacht, dass es Sie einmal so weit in die Welt verschlägt? Also, ich war schon immer eine Weltenbummlerin. Ich habe schon mit zwölf Jahren gesagt, dass ich nach dem Abi ausziehen werde. Aber ich hätte gedacht, dass es mich eher nach Italien verschlägt, da war ich während meines Studiums auch für ein Semester, und nicht in die USA. Ihr Unternehmen vertreibt eine App. Da könnte man eher auf den Gedanken kommen, dass Sie Informatikerin sind. Sie haben aber Wirtschaftswissenschaften studiert ... Genau. Es ist aber ein Trugschluss, wenn man meint, dass man nur Informatiker braucht, die sich mit Apps und Computern auskennen. Die Zahlen müssen ja auch stimmen. Unsere Investoren interessiert nicht, was die App kann, sondern vielmehr, was sich damit vielleicht verdienen lässt ... Und was kann Ihre App? Sie spricht eine ältere Generation von Nutzern an, so im Alter zwischen 60 und 75 Jahren. Unsere älteste Nutzerin ist 96 Jahre alt. Mit der App kann man das Gehirn und den Körper trainieren. Sie hilft Menschen, die an Alzheimer oder Demenz erkrankt sind, ihren Alltag besser zu meistern. Sie stellt Fitnessprogramme für ältere Menschen zusammen, gibt aber auch Ernährungstipps oder erinnert daran, dass man seine Medikamente einnehmen muss. Und die App funktioniert? Ja. Die Wirksamkeit wurde sogar in einer Studie der Universität von Glasgow nachgewiesen. Die haben eine Gruppe, die unsere App nutzt, mit einer Kontrollgruppe ohne App verglichen, und dabei hat sich herausgestellt, dass sich die Gruppe, die die App nutzt, besser im Alltag zurecht gefunden hat. Woher kam die Idee, eine solche App zu entwickeln? Ich habe die Firma mit zwei Kommilitonen gegründet. Der eine, Roger Arellano, hat sieben Jahre seinen Großvater gepflegt, der an Alzheimer erkrankt war. Als Sie von der Auszeichnung durch das Forbes-Magazin erfahren haben, was haben Sie da gedacht? Als die Liste veröffentlicht wurde und meine Mitgründer und ich unsere Namen darauf gesehen haben, sind wir erst mal in die Luft gesprungen und haben gejubelt. Wir konnten es kaum fassen. Es ist eine gute Auszeichnung für die harte Arbeit, die hinter der App steckt. Die Leute vergessen häufig bei ihrem – oft anonym im Internet gegebenen – Feedback für unser Produkt, dass hinter der Entwicklung auch Menschen stecken. Gab es eine Feier? Am Montag vorvergangene Woche gab es eine Feier in London, und im Mai wird es noch mal ein Treffen mit allen, die jemals nominiert waren, in Israel geben. Wenn Sie sich so umgeschaut haben: Welche Arbeit von den anderen Menschen, die auf der Liste stehen, hat Sie am meisten beeindruckt? Ein Europa-Projekt wurde ausgezeichnet. Es heißt „Stand Up for Europe“, Steh auf für Europa. Das ist ein sehr passender Name. Ich bin überzeugte Europäerin, und in dem Projekt wird untersucht, warum es gut wäre, so etwas wie die Vereinigten Staaten von Europa zu gründen. Sie leben in Los Angeles. Was gefällt Ihnen an der Stadt? Es ist, im Gegensatz zu New York, kein so großer Asphalt-Dschungel. Es ist mehr Natur da. Und in 20 Minuten ist man raus aus der Stadt. Und was finden Sie nicht so gut? Der Verkehr ist schrecklich. Ich habe Glück, dass ich mit dem Rad nur 20 Minuten vom Büro weg wohne. Aber wir haben Mitarbeiter, die brauchen mit dem Auto eine Stunde. Mindestens. Die Promidichte ist auch etwas höher als in Kaiserslautern. Haben Sie schon berühmte Leute getroffen? Oh ja. Owen Wilson habe ich mal gesehen. Und Jack Nicholson. Der hat im Supermarkt vor mir gestanden und Pizza bestellt. Und als die Frau hinter dem Tresen gefragt hat, ob er Jack Nicholson sei, hat er nur laut gelacht. Vor neun Jahren waren Sie noch in Kaiserslautern, heute sind Sie in Los Angeles. Wo sehen Sie sich in neun Jahren? Ich hoffe, dass ich dann noch in Los Angeles sein kann. Warum? Weil es bedeuten würde, dass das Unternehmen noch gut und erfolgreich läuft.

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