Wasserball
Wieso Meister SC Neustadt die erste Saisonniederlage kassiert
Eine lange Fahrt für nichts: Der SC Neustadt, Meister der Zweiten Wasserball-Liga Süd, kassierte am Samstag in Nürnberg mit 10:15 (3:2, 1:4, 3:6, 3:3) seine erste Saisonniederlage. SCN-Coach Trainer Thorsten Preuß warnte im RHEINPFALZ-Gespräch schon vor der Abfahrt vor einer Enttäuschung. „Wir sind geschrumpft, wir wollen kämpfen. Aber es könnte auch zum Schützenfest für Nürnberg werden. Es gibt zu viele Ausfälle“, hatte er mitgeteilt. Kapitän Matthias Held war noch gesperrt nach seiner Roten Karte wegen Meckerns im Finale um den süddeutschen Wasserball-Pokal gegen Vorwärts Ludwigshafen. Der SCN hatte dennoch den Cup geholt. Auch das erklärte Ziel „Meister der Süd-Liga“ hat er bereits drei Spieltage vor Saisonende erreicht. Dennoch wollte Preuß mit weißer Weste die Spielzeit beenden.
„Lernen für die Schule“
Matteo Ananias und Flynn Laux fehlten verletzt, drei weitere Spieler waren beruflich oder wegen einer großen Familienfeier verhindert. Das alles kann Preuß akzeptieren. Angefressen wirkte er aber, wenn als Entschuldigung für das Fehlen „Lernen für die Schule“ angeführt wird. Preuß: „Das ist kein gutes Zeitmanagement. Man kann sowieso nicht den ganzen Tag lernen. Vor und während der Fahrt wäre noch genug Zeit gewesen. Früher habe ich auch bei Auswärtsfahrten unterwegs gebüffelt.“ Er grollte auch noch nach der Partie: „Wir konnten nicht durchwechseln, uns hat jemand in der Abwehr gefehlt. Wir haben wirklich gerackert.“
Zwei Torhüter im Kader
Tatsächlich waren nur neun Spieler dabei, darunter waren mit Kristof Meszaros und Hendrik Hummel zwei Torhüter, die sich im Gehäuse abwechselten. Zwangsläufig wurde es eng, als Artem Kamlov und Amer Hrvic jeweils zwei Zeitstrafen kassierten. Fortan mussten sie sich in den Aktionen zurückhalten, bei einer dritten Strafe wären sie für den Rest des Spiels zum Zuschauen verbannt worden. Der SCN stemmte sich mit aller Macht gegen die Niederlage. Es galt schließlich auch für die pfälzische Ehre zu kämpfen, damit eventuell Vorwärts Ludwigshafen auf Rang zwei der Süd-Liga steigen kann.
Kamlov machte trotz der Einschränkungen ein starkes Spiel und erzielte sechs Treffer. Preuß lobte ihn, fügte aber gleich hinzu: „Das soll aber nicht die Leistung der anderen schmälern. Sie haben alle bravourös gekämpft.“
Taktische Auszeiten zum Verschnaufen
Im ersten Viertel hatte der SCN sogar noch die Nase vorn. Erst mit längerer Spieldauer machte sich das Fehlen der Auswechselspieler bemerkbar. Im Wasserball dürfen die Akteure beliebig rein und raus, so dass man in der Theorie, wenn genügend Spieler dabei sind, jedem Verschnaufpausen gewähren kann. Preuß machte daher auch zwei „taktische Auszeiten“. „Wir hatten nicht mal Überzahl. Ich wollte den Jungs zu dem Zeitpunkt einfach die Gelegenheit geben, mal durchzuatmen.“
Tim Schwarzkopf war diesmal der Spielführer. „Es war klar, dass es schwierig wird. Wir wollten gewinnen, aber weil wir durchspielten, gab es konditionelle Probleme, das ist normal. Nürnberg konnte immer wechseln“, sagte er und betonte, dass es dennoch ein solides Spiel gewesen sei. Kamlov habe ein paar gute Dinger rein gemacht, zudem habe man vorsichtig verteidigen müssen, um nicht mit Zeitstrafen dezimiert zu werden. Auch Mitspieler Amer Hrvic sah die Ursache für die Niederlage in den fehlenden Mitspielern. „Nur sieben Feldspieler, da fehlte uns dann doch die Kraft. Aber ich bin stolz auf das Team, bis auf die letzte Sekunde haben wir es durchgezogen.“ So war es Artem Kamlov mit seinem sechsten Treffer 27 Sekunden vor Spielende, der den Schlusspunkt zum 10:15 setzte.
2,5 Stunden Rückfahrt
Während in der Heimat in Neustadt Party am Wochenende auf dem Rheinland-Pfalz-Tag angesagt war, setzte sich der SCN-Tross kurz vor 21 Uhr in die zwei Fahrzeuge, es lagen schließlich noch 2,5 Stunden Rückfahrt vor den tapferen Recken.
Am Samstag, 19.30 Uhr, folgt mit dem Wiederholungsspiel gegen Friedberg im Stadionbad eine weitere unbeliebte Aufgabe an einem langen Wochenende. Das reguläre Spiel gegen Friedberg war Anfang Mai wegen eines Gewitters beim Stand von 9:4 für den SCN abgebrochen worden.