Neustadt Wie „von einem Hund gejagt“

So kann man Hindernisse wie Kästen überwinden: (von links) Robert Prokasky aus Neustadt sowie die beiden Coaches Philipp Maué un
So kann man Hindernisse wie Kästen überwinden: (von links) Robert Prokasky aus Neustadt sowie die beiden Coaches Philipp Maué und Eduard Kuksa zeigen verschiedene Techniken. Die Sportler sollen die Sprünge so gut beherrschen, dass sie sie reflexartig abrufen können.

«Neustadt.»Neue Impulse für die Trainingsstunden suchten 15 Sportübungsleiter, darunter zehn Trainer aus dem Raum Neustadt, bei einer Fortbildung des Sportbundes Pfalz zum Thema „Parkour und Freerunning“. Bei dieser Sportart werden mit Geschmeidigkeit und Athletik Hindernisse überwunden.

In der Regel trainieren die Traceure, so nennen sich die Parkour-Sportler, ihre Fähigkeiten in der Halle an Sportgeräten, um sie dann aber an geeigneten Stellen in den Städten im Freien anzuwenden. Ziel des Lehrgangs sollte die Vermittlung erster Grundlagen sein. Die Teilnehmer, durchweg selbst sehr sportlich und körperlich fit, wurden dabei von Eduard Kuksa und Philipp Maué langsam an die einzelnen Bewegungsabläufe herangeführt. Kuksa und Maué gehören zur Gruppe „Vianox“ Kaiserslautern und praktizieren Parkour schon seit Jahren. „Das intensive Aufwärmtraining ist sehr wichtig für Muskeln und Gelenke, weil dort große Belastungen wirken“, erklärt Kuksa. Ebenso wichtig sei die Landung nach einem Sprung. Sie müsse auf den Ballen erfolgen, nicht auf den Fersen. Michael Hertweck, Übungsleiter beim TV Hambach und dort verantwortlich für die Kletterspielstunde, möchte das Repertoire erweitern. „Ich will lernen, wie man die Sportgeräte alternativ nutzen kann. Das ist interessant für unsere beiden Gruppen mit Kindern zwischen sechs und zwölf Jahren“, sagt er. Sein Ziel: „Die Kinder über die Kombination von Spielen, Turnen und Klettern in Bewegung halten.“ Beim Aufwärm- und Kennlernspiel geht es bereits zur Sache. Thema ist auch die Wahrnehmung des eigenen Körpers. Beim „Animalwalk“, also dem Nachahmen von Tierbewegungen, werden alle Körperpartien beansprucht. „Das ist auch etwas für den Kopf“, betont Kuksa. Mit Maué bietet er diese Lehrgänge in verschiedenen Sportverbänden an. „Wir könnten auch an Häusern hochklettern“, verrät er. Die „Spots“, also die Plätze, an denen sich die Sportler im Freien treffen, müssen zunächst akribisch von Glasscherben gereinigt werden. Oft treffen sie sich auf Spielplätzen, denn in städtischer Umgebung werden sie auch mal misstrauisch beäugt. „Wenn wir weggeschickt werden, gehen wir auch sofort“, sagt Kuksa. Von der TuS Lachen-Speyerdorf sind Gisela Schädler und Diana Levis-Hofherr im Böbig dabei. „Wir bringen gerne frischen Wind in die Sportstunde“, sagt Schädler. Levis-Hofherr sieht in Parkour eine wichtige Zukunftsperspektive: „Wir müssen immer wieder Neues anbieten, um junge Menschen zu erreichen.“ Vom Kaiserslauterer Heinrich-Heine-Gymnasium kommt Simone Schuster. Das Motto der Neustadter Diplom-Sportwissenschaftlerin, „man kann immer noch was dazulernen“, setzt sie als Judotrainerin gerne um. „Judo ist schon eine akrobatische Sportart. Für unsere Schüler, die in der Woche 13 Stunden trainieren, ist Parkour eine sinnvolle Ergänzung“, betont sie. Ein „alter Hase“ beim Lehrgang ist Robert Prokasky. Der 29-Jährige leitet beim TuS Haardt ein Parkour-Training mit rund 20 Teilnehmern. „Dieser Kurs ist für Anfänger konzipiert, ich möchte mir neue Anregungen holen. Vor allem beim Training mit Frauen, denn diese haben naturgemäß weniger Kraft als Männer“, so Prokasky. Nach dem Aufwärmen und einem kleinen Einblick in die Geschichte der Sportart folgt die Praxis: Die Teilnehmer üben in zwei Gruppen den Schersprung in Parkour-Art über einen Kasten. Zunächst sind die Übungsleiter noch etwas zögerlich, doch nach einigen Sprüngen finden sie Sicherheit. „Parkour bedeutet 1000-mal wiederholen“, sagt auch Kuksa. Die Sprünge sollen so gut beherrscht werden, dass sie reflexartig abgerufen werden. Ein Parkour-Sportler soll danach, anders als etwa ein Turner, nicht stehen bleiben, sondern weiterlaufen, dem nächsten Hindernis entgegen. Geübt werden in diesen fünf Stunden in Neustadt Sprungvarianten. Bei Kuksa und Maué sieht das sehr ästhetisch aus. Kuksa spart nicht mit Motivation: „Effizient, schnell und mit wenig Kraftaufwand soll gearbeitet werden. Man kann sich vorstellen, dass man etwa von einem Hund gejagt wird.“ Info Parkour-Training in der Halle des TuS Haardt: Donnerstag 17.30 bis 19 Uhr, Sonntag: 16.30 bis 18.30 Uhr.

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