Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Wie läuft die Schülerbeförderung in Corona-Zeiten?

Schüler des Käthe-Kollwitz-Gymnasiums warten auf die Busse, die sie nach Esthal und Iggelbach bringen.
Schüler des Käthe-Kollwitz-Gymnasiums warten auf die Busse, die sie nach Esthal und Iggelbach bringen.

Die Situation in den Bussen vor und nach der Schule sorgt auch in Neustadt für Diskussionen. Während in den Einrichtungen strenge Regeln gelten, sind die Fahrzeuge zum Teil ausgelastet. Abstände sind schwer einzuhalten, hinzu kommen noch Maskenverweigerer. Wir wird reagiert?

Eines Werktags kurz nach 13 Uhr am Strohmarkt in Neustadt: Gerade läuft die letzte Schar von Mädchen und Jungen des Käthe-Kollwitz-Gymnasiums durch die Unterführung an die Bushaltestelle. Die ersten kamen schon zehn Minuten früher. Schließlich haben die Schüler zeitversetzt Schulschluss, der davon abhängt, in welchem Stockwerk sie ihren Klassenraum haben. Auf diese Weise sollen Begegnungen untereinander im Schulgebäude so weit wie möglich vermieden werden. Ganz anders die Situation an den Haltestellen der Schulbusse.

Sind Konsequenzen zu befürchten?

Abstand halten ist kaum möglich, während auf die Busse nach Esthal und Iggelbach gewartet wird. Masken über Mund und Nase werden eher selten getragen. Meist hängen sie unter dem Kinn oder wurden weggepackt. Konsequenzen sind nicht zu befürchten. Das erzählt zumindest die zwölfjährige Hannah. Der Busfahrer habe schon Leute ohne Maske einsteigen lassen, sagt sie. Trotzdem fühle sie sich sicher.

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Mit der Maskenpflicht in Bussen ist es aber so eine Sache. Vor allem, wenn es Schüler betrifft. Schließlich darf gemäß der aktuellen Corona-Bekämpfungsverordnung keinem Schüler der Transport verweigert werden – auch wenn er keinen Mund-Nasen-Schutz tragen sollte. Darüber hinaus kann es nicht als Ordnungswidrigkeit geahndet werden, wenn sie bei Kontrollen auffallen.

Eltern fordern mehr Kontrollen als Bußgelder

Die stichprobenartigen Kontrollen im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) übernehmen im Übrigen die örtlichen Ordnungsbehörden, sprich Ordnungsämter und Polizei. Dabei können sie auch über ihr Zuständigkeitsgebiet hinaus eingreifen. Es kann also jemand vom Ordnungsamt Neustadt auch eine Verwarnung in Haßloch aussprechen, wenn der Bus bis dorthin weitergefahren ist. Bei Verstößen ist ein Bußgeld in Höhe von 50 Euro fällig.

Manche Eltern sehen dieses Thema generell kritisch. Ihrer Ansicht nach bringen Bußgelder nichts, wenn nicht ausreichend kontrolliert wird. „Die Busse sind schon überfüllt, was schon ein großes Problem darstellt“, sagt beispielsweise ein Vater, dessen Kinder die Siebenpfeiffer Realschule plus in Haßloch besuchen. Dementsprechend konsequenter müsse gegen Maskenverweigerer vorgegangen werden. Das scheint aber einfacher gesagt als getan.

Wie Jürgen Heil von der Palatina Bus GmbH erklärt, gebe es immer uneinsichtige Menschen. „Sobald eine Person in einem vollen Bus nicht die Maske auf hat, gibt es Beschwerden und Tumulte“, weiß der Fahrdienstleiter des Unternehmens, das neben dem Westpfälzer Betrieb Imfeld den öffentlichen Verkehr in der Stadt bedient. „Letztens hat sich ein Fahrgast in Maikammer geweigert. Die Person wollte sich lieber in Handschellen abführen lassen, wie sie mir übers Telefon erklärte“, berichtet Heil.

Auf Elterntaxis und Fahrräder ausgewichen

13.22 Uhr: Mit Verspätung kommt der Bus Richtung Esthal an die Haltestelle. Durch beide Türen steigen Schüler ein. Der Bus scheint überfüllt zu sein. Der Gang ist voll mit stehenden Fahrgästen. Abstand halten? Fehlanzeige. Im Bus Richtung Iggelbach sieht es anders aus. Wer am Busfahrer vorbeigeht, bekommt noch einen Sitzplatz.

Paulina Janz ist auf dem Weg nach Lambrecht. Die 19-Jährige berichtet, dass die Busse in den ersten beiden Schulwochen noch ausgelasteter gewesen seien. Nun fühle es sich etwas entspannter an. Sie kann sich gut vorstellen, „dass einige Leute jetzt gefahren werden oder mit den Zügen kommen“. Das sei in der Tat so, sagt Rudolf Eyckmann, Schulleiter des Leibniz-Gymnasiums. „Schüler der Oberstufe bilden auch häufig Fahrgemeinschaften, was das Problem ebenfalls entschärft“, erklärt er.

Buslinien werden verstärkt

Nichtsdestotrotz kann es zu Schulbeginn und -schluss in den Bussen eng werden, wie die Busbetreiber auf Anfrage der RHEINPFALZ berichten. Stark nachgefragte Linien sollen deshalb verstärkt werden. Die Palatina Bus GmbH wird ab Montag die Linie 517 verstärken. Damit ist der Bus gemeint, der aus dem Lambrechter Tal kommend die Schüler unter anderem an die Westschule, das Käthe-Kollwitz-Gymnasium und das Leibniz-Gymnasium bringt und nachmittags wieder abholt. Bereits seit vergangener Woche setzt das Edenkobener Unternehmen auf der Linie 574 zwischen einen Gelenkbus ein, um die Situation zu entspannen.

Allerdings merkt Heil an, dass zwar mehr Fahrgäste darin befördert werden können. Jedoch handele es sich vielmehr um Stehplätze. „Ein Solobus hat in der Regel jeweils 40 Steh- und Sitzplätze, ein Gelenkbus dagegen zwischen 45 und 50 Sitzplätze und bis zu 80 Stehplätze.“ Das heiße, dass auch dort die Abstände nicht immer eingehalten werden könnten, wenn der Bus überfüllt ist. Davon abgesehen, müsse geschaut werden, ob Gelenkbusse auf der Strecke eingesetzt werden können. Beinhalten diese enge Abschnitte, dann wäre diese Möglichkeit dahin.

Land stellt finanzielle Mittel zur Verfügung

Damit die Kommunen überhaupt mehr beziehungsweise größere Busse einsetzen können, stellt das Land Mittel bereit. Vorausgesetzt, es werden mehr als 30 Prozent der Stehplätze benötigt. Ab dann gilt ein Bus als „zu voll“, wie die Pressestelle der Kreisverwaltung Bad Dürkheim mitteilt. „Wir sind aber für alle Linien in der Prüfung, ob es nicht an manchen Stellen Sinn hat, auch dort größere oder mehr Busse einzusetzen, wo die Fahrten nicht durch das Land gefördert werden können. Die Kosten würde dann der Kreis komplett tragen.“ Auch die Stadtverwaltung Neustadt prüft, ob noch weitere Linien verstärkt werden müssen.

Allerdings hängt das auch davon ab, ob die Verkehrsunternehmen die Kapazitäten haben. Wie Frank Imfeld vom gleichnamigen Busbetreiber erklärt, müssten die Fahrzeuge und „vor allen Dingen die Fahrer im Falle einer Beauftragung durch die Aufgabenträger erst beschaffen werden“. Nach Angaben der Stadt werden im Zweifelsfall Reisebusunternehmen zurate gezogen.

Was sagen die Schulleiter?

In anderen Kommunen, beispielsweise in Landau, wird überlegt, ob auch die Schulen zur Entlastung der Situation beitragen können. Indem sie beispielsweise zu unterschiedlichen Zeiten beginnen und den Unterricht schließen beziehungsweise den Stundenplan ändern. Auf diese Möglichkeiten angesprochen, sagt Eyckmann vom Leibniz-Gymnasium: „Da unser Nachmittagsunterricht bis 17.15 Uhr angesetzt ist, brächte ein späterer Beginn oder eine Stundenplanänderung vermutlich für viele Schüler und Lehrkräfte erhebliche Nachteile.“ Diese Ansicht teilen auch die Berufskollegen vom Kurfürst-Ruprecht Gymnasium und Käthe-Kollwitz-Gymnasium (KKG). Stefan Vogt, Schulleiter des KKG, findet: „Ein neuerliches Eingreifen durch versetzte Anfangs- und Endzeiten bringt sehr viel Unruhe in das Unterrichtsgeschehen. Deshalb möchten wir dies nur im unbedingten Notfall planen.“

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