Neustadt
Wie Familien mit dem Ausfall von Kommunions- und Konfirmationsfeier umgehen
30 Gäste aus Hamburg, Bremen, München und anderen Orten hätten entspannt am Maifeiertag oder am Tag danach nach Neustadt reisen können, um die Konfirmation von Eva Beil am Sonntag darauf zu feiern. Seit anderthalb Jahren weiß die Familie, dass ihre jüngste Tochter am 3. Mai 2020 konfirmiert, also in die protestantische Stiftskirchengemeinde der Erwachsenen aufgenommen wird. Etwa genauso lange haben sie sich auf den großen Tag vorbereitet. Konfirmandenunterricht, später dann Buchung der Hotelzimmer für die Verwandten, Reservierung im Restaurant für das gemeinsame Essen. Das alles ist nun hinfällig. Die Konfirmationsfeier muss verschoben werden.
Zwei Termine zur Auswahl
Ein Ausweichtermin für die 15 Konfirmanden der Kirchengemeinde - insgesamt sind es in der Evangelischen Kirche der Pfalz um die 3800 - ist für den Herbst geplant. Das teilt Pfarrer Oliver Beckmann auf Anfrage mit: „Wir haben zwei Termine im September ins Auge gefasst. Zurzeit lassen wir die Eltern per E-Mail darüber abstimmen, welcher besser passt.“ Das sei gar nicht so einfach, denn in der Stiftskirche finden auch Konzerte und Trauungen statt. „Da auch diese Veranstaltungen alle abgesagt werden mussten, wird es sich im Herbst ballen“, so Beckmann. Möglicherweise dürften wegen noch geltender Abstandsregeln weniger Besucher in die Kirche, vielleicht mit Mundschutz.
Damit der Abstand zwischen der Vorbereitung der Konfirmanden und der Feier nicht zu groß werde, lässt die Landeskirche den Konfirmanden wöchentliche Aufgaben über eine App zukommen. Für die Kirche selbst bedeute die Verschiebung keine größeren Umstände. „Wir mussten lediglich die Termine mit einer Musikerin absprechen“, so Beckmann. „Ansonsten feiern wir so oder so sonntags Gottesdienst und haben deshalb keinen großen Aufwand.“
Anders ist es bei den Beils. „Es stellt uns schon vor eine Herausforderung, die Feier für den Herbst genauso organisiert zu bekommen“, sagt Maike Beil. Viel schlimmer sei aber, dass ihre Tochter sich so sehr auf das Fest gefreut hat. „Vor allem darauf, dass meine Verwandten kommen“, sagt Eva Beil. Glücklicherweise hat die 14-Jährige ihr Outfit - Trachtenrock und Bluse - im Dezember ein bisschen größer gekauft, falls sie noch wachsen sollte.
Erstkommunion im Herbst?
Auch die neunjährige Nora Weinheimer aus Neustadt hat ihr weißes Kommunionkleid schon im Schrank hängen. Doch wann sie es tragen kann, steht in den Sternen, wie Diakon Markus Fleischer von der Pfarrei Heilig Geist auf Nachfrage sagt: „Es gibt zu vieles, was wir noch nicht überblicken können. Wenn es gut läuft, dann schaffen wir den Termin noch vor den Herbstferien.“ Denn nach den Ferien beginne schon die Vorbereitung des nächsten Kommunion-Jahrgangs. Aber auch hier stellt sich die Frage nach einer freien Kirche und Terminnöte der Familien. Eigentlich hätte jeweils eine Gruppe mit insgesamt 39 Kindern am 19. und am 26. April „Weißen Sonntag“ feiern sollen.
Dass der nun abgeblasen wurde, macht Nora Weinheimer traurig. Aber laut ihrer Mutter Franziska hat sie auch Verständnis. „Sowohl wir Erwachsenen als auch die Kinder haben recht schnell verstanden, warum das Ganze nötig ist“, sagt Franziska Weinheimer, die selbst als Katechetin Kinder durch den Kommunionsunterricht begleitet hat. Was auch mit daran liegt, dass die Weinheimers einen kranken Sohn hatten, der zur Risikogruppe gehört hätte, wäre er noch am Leben. „Mit ihm waren wir auch in einer Schutzphase, wir kennen das Prozedere also schon“, sagt Weinheimer. Auch unter den 35 Gästen seien Verwandte, die wegen ihres Alters zur Risikogruppe gehören. Die Feier hätte im Hospiz Sterntaler in Dudenhofen stattfinden sollen, zu dem die Familie wegen des Sohnes Verbindungen hat.
Enttäuscht, aber Verständnis
Die Diözese habe sehr vorausschauend agiert, sagt sie: Noch vor den Schulschließungen sei die Feier abgesagt worden. Zur Erstbeichte hätten auch nicht alle Kinder gehen können, so Diakon Fleischer, der den Kindern mit dem Rad eine Bastelvorlage vorbeigebracht hat für den „Weißen Sonntag“. Er schlägt vor, dass die Familien festliche Kleidung anziehen, den Tisch schmücken, gemeinsam beten und essen: „Die Kinder haben schließlich lange auf diesen Tag hin gelebt.“ Genau wie Pfarrer Beckmann habe auch er zwar enttäuschte, aber verständnisvolle Eltern erlebt.
Zahlen dazu, wie viele Kommunionkinder im Bistum Speyer betroffen sind, kann das Bistum auf Anfrage nicht nennen, da die Pfarreien diese erst mit der Jahresstatistik lieferten. Anhand der Zahlen aus den Vorjahren könne man aber davon ausgehen, dass es rund 3500 Kinder sind.
Miteinander zählt
„Das alles ist eine harte Lektion, die wir aber hoffentlich über Corona hinaustragen. Denn jetzt zählt mehr denn je das christliche Miteinander“, ist Franziska Weinheimer überzeugt. „Unsere Devise ist: Wenn das Fest kommt, feiern wir es richtig gut.“
Auch Pfarrer Beckmann kann der abgesagten Konfirmationsfeier etwas Positives abgewinnen: „Die Jugendlichen werden sich immer daran erinnern, dass sie im Herbst Konfirmation feierten. Das macht sie zu einem ganz besonderen Jahrgang.“