Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Wie eine Deidesheimer Familie das Abitur ihrer Tochter feiert

Eva-Maria Hirner und ihre Mutter Rosemarie Lanninger: Anfang März hatte sie ihr Kleid für den Abi-Ball gekauft, zwei Tage später
Eva-Maria Hirner und ihre Mutter Rosemarie Lanninger: Anfang März hatte sie ihr Kleid für den Abi-Ball gekauft, zwei Tage später kam die Absage wegen des Coronavirus.

Taubenblau, bodenlang, rückenfrei und wunderschön – so beschreibt Eva-Maria Hirner aus Deidesheim ihr Kleid, das sie für den Abiball gekauft hat.Wegen der Corona-Pandemie ist die Veranstaltung abgesagt. Ihre Mutter hat sich jedoch etwas einfallen lassen, damit das Kleid nicht im Schrank hängen bleibt.

Wenn der schönste Moment im Leben einer jungen Frau wegen der Corona-Krise platzt, dann trifft es gleich die gesamte Familie. Auch wenn die 18-jährige Abiturientin Eva-Maria Hirner und ihre Mutter Rosemarie Lanninger wissen, dass es derzeit in viele anderen Bereichen größere Probleme zu schultern gibt, ist ihre Enttäuschung über die abgesagten Abitur-Feierlichkeiten groß.

Rückblick: Eva-Maria Hirner konzentrierte sich in den ersten Wochen des Jahres zunächst auf ihre schriftlichen Klausuren am Leibniz-Gymnasium in Neustadt. Als die Prüfungen geschafft waren, ging es in die Geschäfte. Das Ballkleid, „taubenblau, bodenlang, rückenfrei und wunderschön“, fand die Deidesheimerin im einem Neustadter Modehaus. Sie freute sich, dass sie ohne aufwendigen Stadtbummel in der Region ihr Traumkleid entdeckte. Sie war sogar relativ spät dran, als sie sich Anfang März auf Kleidsuche begab. Tragisch für die Familie, dass zwei Tage nach dem Kauf die Absage des Balls verkündet wurde.

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Das Outfit für die Zeugnisverleihung in der Schule war ebenfalls schnell ausgewählt. Das schwarze Ensemble mit Weste könne sie jetzt auch noch zu anderen Anlässen anziehen, doch das Ballkleid werde jetzt wohl nutzlos im Schrank hängen.

Ebenso wie viele ihrer Mitschüler hatte sich Hirner an den Termin der Zeugnisverleihung in der Schul-Aula geklammert. Anders als bei den meisten Gymnasien der Umgebung gibt es am Leibniz seit Jahren diese schuleigene Veranstaltung neben dem Abi-Ball. Die Hoffnung der Schüler ruhte also für wenige Tage darauf, dass alle Absolventen in der Aula zusammen kommen. Doch es wurde Stück für Stück abgespeckt. Eva-Maria Hirner berichtet: „Es hieß dann, die Schüler werden in zwei Hälften aufgeteilt. Dann kam die nächste Meldung – jeweils ein Drittel der Schüler käme zusammen. Das war schon hart, weil man damit nicht unbedingt mit den besten Freunden zusammenkam. Aber danach folgte die komplette Absage.“

Mutter sucht nach Lösungen

Als das Zeugnis per Post eintrudelte, sorgte die Mama spontan für einen glanzvollen Abend. Statt der Zeugnisverleihung in der Schule gab es zu Hause Sekt und leckere Häppchen im engsten Familienkreis. Mama Lanninger erzählt: „Meine Tochter war so tapfer, aber als die Absage kam, dass nicht nur der Saalbau gesperrt ist, sondern auch die Zeugnisübergabe flach fällt, hatte ich das Gefühl, ich müsste eine Möglichkeit schaffen, eine stilvolle Erinnerung zu erhalten.“ Ihre Mutter beschreibt die festliche Stimmung im eigenen Haushalt: „Es war ein bisschen wie Heiligabend.“

Und damit das Abi-Kleid nicht ungetragen im Schrank einstaubt, gibt es am Dienstag, am Termin des eigentlich Abi-Balls im Saalbau, einen weiteren Versuch, im Haushalt für festliche Stimmung zu sorgen. Statt des glanzvollen Einzugs der 107 Abiturienten zu fetziger Musik und einem anschließenden Unterhaltungsprogramm werden erneut wehmütige Rückblicke an das Schulleben folgen. Mutter Rosemarie Lanninger sagt: „Wir werden uns dazu in Schale werfen und wieder viele Erinnerungsfotos machen.“

Die Zukunftspläne ihrer Tochter sind noch ungewiss in diesen Zeiten. Sie plant ein Freiwilliges Soziales Jahr in Amsterdam an einer Waldorf-Schule, um danach zu entscheiden, was sie beruflich machen möchte. „Bislang habe ich noch keine Absage bekommen, dass das im August nicht starten kann. Das ist erst Mal ein gutes Zeichen“, macht sich Eva-Maria Hirner Mut.

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