Lambrecht RHEINPFALZ Plus Artikel Wie ein Unternehmer eine Kita vor der drohenden Schließung rettete

Gemeinsam für den Erhalt der Kita (von links): Leiterin Uschi Theis, Pfarrerin Sarah Schulze, Investor Michael Hellenbrand und B
Gemeinsam für den Erhalt der Kita (von links): Leiterin Uschi Theis, Pfarrerin Sarah Schulze, Investor Michael Hellenbrand und Bauleiter Elias Hilgert.

Vor etwa einem Jahr drohte die Schließung, heute präsentiert sich die Kita Arche Noah fit für die Zukunft. Möglich gemacht hat das ein außergewöhnliches Engagement.

An einigen Stellen wird zurzeit noch gewerkelt in der protestantischen Kindertagesstätte Arche Noah. So ist beispielsweise die Außenfassade noch nicht fertig. Doch das Gros der Sanierungs- und Renovierungsarbeiten ist abgeschlossen, die Einrichtung präsentiert sich in frischen Farben und mit viel neuer Technik ausgestattet. Das Besondere an diesem Sanierungspaket: Es ist zum größten Teil über einen Sponsor finanziert worden. Der Lambrechter Unternehmer Michael Hellenbrand hat rund 400.000 Euro in den Kindergarten gesteckt, insgesamt wird das Investitionsvolumen mit 500.000 Euro angegeben.

Angefangen hat die Geschichte mit einem Schock für die Eltern: Im August vergangenen Jahres drohte die Schließung der Einrichtung zum Jahresende, da es zum einen Probleme mit den Auflagen zum Brandschutz gab, zum anderen das Geld für den dringend benötigten Austausch der uralten Heizung fehlte. Doch zwei Monate später zeichnete sich, für viele überraschend, eine Lösung ab. Bei der größten Hürde, dem Brandschutz, stellte sich heraus, dass es zwischen Kreis, Stadt und Vertretern der Kirche ein Missverständnis gegeben hatte. De facto waren die Vorgaben erfüllt, es fehlten lediglich Unterlagen beim Kreis. Blieb der zweite Hauptpunkt, die Heizung. Und hier sprang Hellenbrand als Sponsor ein. Somit war die Schließung vom Tisch.

Eine Maßnahme zog die andere nach sich

Aus dem Sponsoring für die Heizung ist unterdessen ein weit größeres finanzielles Engagement geworden. „Da zog eine Maßnahme die andere nach sich“, blickt Hellenbrand zurück. Im Herbst vergangenen Jahres war ein Energieberater beauftragt worden, der sowohl die dringend nötigen als auch die möglichen Maßnahmen untersuchte und berechnete. Dringend war die Heizung, zu den weiteren „möglichen“ Maßnahmen gehörten vor allem neue Fenster – fast überall, bis auf die Turnhalle – sowie eine Dämmung der obersten Geschossdecke. Die protestantische Kirche hatte zuvor schon klar gemacht, dass sie kein Geld für Sanierungen hat. Michael Hellenbrand entschied dann: „Wenn schon, machen wir es ordentlich.“ Und er sagte zu, auch die Finanzierung der weiteren Maßnahmen zu übernehmen.

Im Herbst vergangenen Jahres sei begonnen worden, erzählt Kita-Leiterin Uschi Theis. Seither ist Elias Hilgert, heute Rentner, früher Bauleiter bei einer großen Firma, täglich in der Einrichtung, und überwacht die Arbeiten – ehrenamtlich. Die komplette Sanierung sei im laufenden Betrieb passiert, erzählt Theis. Zu den energetischen Maßnahmen – Fenster und Dämmung – kamen weitere Verbesserungen in den Gruppenräumen hinzu. Raum für Raum erhielt eine Schallschutzdecke, LED-Beleuchtung, teilweise auch einen neuen Boden. Außerdem wurden die Wände mit Magnetfarbe gestrichen, die wiederum mit Naturfarbe überdeckt wurde. So können Erzieherinnen und Kinder jetzt Bilder aufhängen ohne Nägel in die Wand zu klopfen. Während der Arbeiten in „ihrem“ Gruppenraum seien die betroffenen Kinder provisorisch in der Turnhalle untergebracht worden, erklärt Theis.

Eltern haben kräftig mitgeholfen

Sobald ein Raum fertig war, sei ein Aufruf an die Eltern gegangen mit der Bitte, beim Umräumen zu helfen – mit sehr großer Resonanz. „Das war eine Wahnsinnsarbeit, und die Eltern haben uns supergut unterstützt“, betont Pfarrerin Sarah Schulze, die für Lambrecht und Lindenberg zuständig ist.

Die 38 Jahre alte Gasheizung wurde im April ausgebaut. Den Winter über lief sie noch, „mit ein paar Verbesserungen und viel beten“, wie Hellenbrand sagt. Seit Mai wird das Gebäude nun mit einer Wärmepumpe geheizt. Es gibt sogar zwei solcher Geräte, ein großes für den Winter und ein kleines für den Sommer. Während die Heizungen ausgetauscht wurden, sorgten drei bis vier Wochen lang Heizlüfter für Wärme.

Ohne Hellenbrand wäre der Betrieb im Kindergarten nicht weitergegangen, betont Theis. Der Sponsor ist, wie sie selbst und auch Elias Hilgert, gebürtiger Lambrechter. Auf die Frage, was ihn bewogen habe, so viel Geld in die Hand zu nehmen, muss er erst einmal kurz überlegen. Schließlich sagt er: „Es geht um die Zukunft der Kinder.“ Dass sie sich gut entwickeln können, sei wichtig für die Gesellschaft und auch für Unternehmen wie das seinige. Hellenbrand ist Geschäftsführer eines Maschinenbau-Betriebs, der Produkte und Anlagen für die Papierindustrie herstellt. Das Unternehmen mit 60 Mitarbeitern und zwei Standorten (Lambrecht und Bremen) feiert in diesem Jahr 30-jähriges Bestehen. Der Lambrechter ist außerdem Vater zweier Kinder im Schulalter, die zuvor beide in der Arche Noah betreut worden waren.

Früherer Bauleiter hilft mit

Neben dem Sponsor konnte die Einrichtung von dem ehrenamtlichen Engagement Elias Hilgerts profitieren. Die Aufgabe erinnere ihn an die Zeit, als er noch beruflich als Bauleiter arbeitete, sagt er. Außerdem habe er, vor dem Hintergrund der vorangegangenen langwierigen Diskussionen über die Weiterentwicklung der Kita-Landschaft in Lambrecht, zeigen wollen, was alles möglich ist, wenn man anpackt. Neben der Überwachung der Arbeiten entwickelte Hilgert auch etliche Ideen, die sich aus der Umnutzung der Räume im Erdgeschoss ergaben, wo früher die Gasheizung mit dem Heizkessel stand. Unzählige Stunden in der Kita verbracht hat auch Harald Henrich.

Theis, die seit 28 Jahren in der Einrichtung arbeitet, ist nun „wunschlos glücklich“. Die Sanierungszeit sei auch für die Eltern eine Belastung gewesen, doch sie habe nicht ein einziges Mal eine Klage gehört, im Gegenteil. Nach der Aufregung im vergangenen Jahr sei nun eine wohltuende Ruhe eingekehrt. „Es ist wichtig, dass die Eltern nun wissen, dass sie sich auf die Betreuung ihrer Kinder verlassen können.“ Gerade in einem Städtchen wie Lambrecht, in dem etliche Familien wohnten, die wenig private Ressourcen haben, sei die Kita für die Entwicklung der Kinder von großer Bedeutung.

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