Am Rande der Bande
Wie die RHEINPFALZ dem FV 21 Haßloch auf den Leim geht
Der Verein, der in diesem Jahr sein 100-jähriges Bestehen feiert – sofern Corona dies zulässt – hat mit Thomas Stephan einen überaus gewieften wie humorvollen Vorsitzenden. „Ich mache das seit zwei, drei Jahren“, erzählt Stephan von seinen Späßen zu Beginn des vierten Monats. 2017 habe er geschrieben, dass „unsere AH“ bei einem Gewinnspiel des Fernsehsenders Sport1 den Hauptpreis zugelost bekommen habe und ein Spiel gegen die „FC Bayern Legenden“ austragen dürfe. Das Spiel solle zur Einweihung des neuen Rasenplatzes stattfinden.
Im vergangenen Jahr ließ Thomas Stephan das FV-Gelände zu einem Drehort für die Fernsehserie „Weingut Wader“ werden, die in Neustadt und Umgebung spielt. Der FV-Platz als Drehort hat laut Stephan „ganz profane Gründe“ gehabt: „Der Location Scout, also der Szenenbildner, der die Drehorte aussucht, ist just derselbe, der damals die Haßlocher Pferderennbahn für den Kinofilm ,Immenhof – Das Abenteuer eines Sommers’ ausgesucht hat. Dabei fiel ihm das Schmuckstück am Waldrand ins Auge.“ Es versteht sich von selbst, dass die AH-Spieler als Statisten vorgesehen waren.
„Ich wollte einen Scherz machen, der was mit unserem Jubiläum zu tun hat“, erzählt Stephan vom Aprilscherz 2021. Sanierungen in alten Gebäuden brächten so manche Überraschung zu Tage. Stephan: „Sind dies in der Regel unerfreuliche Altlasten, hat Haßloch jedoch Grund zur Freude. So wurde vor drei Wochen, im Zuge von Sanierungsarbeiten im alten Archiv der Musikschule, eine Kladde mit alten Dokumenten gefunden.“ Der Vereinsvorsitzende machte sich sein Wissen zu Nutze, dass die Musikschule seit Jahren im alten Rathaus in der Rösselgasse untergebracht ist. Und dass das alte Archiv im rückwärtigen Teil des Gebäudes als Übungsraum genutzt wird. Derzeit seien die Räume jedoch „wegen Arbeiten im Rahmen der Ertüchtigung des Brandschutzes nicht nutzbar“. Bei Stemmarbeiten sei ein Hohlraum in der Wand entdeckt worden. Und dort sei die historische Gründungsurkunde des FV 21 Haßloch aufgetaucht.
Der gesamte Vorstand werde ab 18 Uhr am Vereinsheim zum Anstoßen, coronakonform mit Abstand und Maske, bereitstehen. Am besagten 1. April. Dazu werde kurzfristig ein Drive-in-Stand aufgebaut, an dem es ein Glas Sekt gebe. Der Schaumwein sei allerdings aufgrund der aktuell geltenden Corona-Verordnung alkoholfrei.
Der Clou: Der Fußballverein entpuppte sich mit diesem historischen Dokument sogar 73 Tage älter als bislang angenommen. Eine tolle Geschichte. So dachte es sich zumindest jener RHEINPFALZ-Mitarbeiter, der vom Urkundenfund im Internet erfuhr und gleich die Redaktion informierte. „Es klang wirklich seriös“, stellt er noch im Nachhinein fest.
Der Witz: Wer vom Tag der tatsächlichen Gründung, vom 12. Juni, genau 73 Tage zurückrechnet, der landet beim 1. April. „Das haben wirklich einige gemacht“, weiß Thomas Stephan inzwischen und amüsiert sich. „Man kennt mich und weiß von meinen Aprilscherzen.“
Aber so manch einer ist auf den listigen Haßlocher hereingefallen. Sogar im eigenen Verein. „Das eine oder andere Vorstandsmitglied hat prompt bei mir nachgefragt, warum ich nicht den restlichen Vorstand in einer so wichtigen Sache informiert habe“, verrät Stephan und lacht.
Die angebliche Gründungsurkunde von 1921, die Thomas Stephan im Internet gepostet hat, ist reiner Schwindel. Über die Internetsuchmaschine Google habe er nach einer Urkunde aus dem Jahr 1921 gesucht, verrät der FV-Chef. Und prompt bekam er eine bayerische angezeigt. Der Zufall war auf der Seite des FV-Vorsitzenden. „Das hat alles gepasst – die Pfalz war ja 1921 noch bayerisch.“
Um seine Vorstandskollegen zu beruhigen, hat Thomas Stephan noch am 1. April verraten, dass alles Schwindel sei. Alle hätten geschmunzelt oder gelacht. Was Stephan sehr freut: „Ein Spaß ist gerade in diesen Coronazeiten umso wichtiger.“